Anaerobe Sprintleistung
Drei von fünf Studien berichteten über einen signifikanten Effekt der Zyklusphase (Abbildung 3B). Dam et al. [5] testete die Wingate-Spitzenleistung, die in der EF im Vergleich zur ML um 3 % (20 Watt) reduziert war. Die Durchschnittsleistung war in der späten Lutealphase im Vergleich zu allen anderen Phasen um 2–5 % verringert. Graja et al. [12] analysierten die wiederholte Sprintleistung bei Handballspielerinnen. Während der letzten sechs Sprints fiel die Spitzenleistung in der späten Lutealphase im Vergleich zur LF signifikant und das Dekrement der wiederholten Sprintleistung (Sprint 1–20) war während der LF (32 %) im Vergleich zur späten Lutealphase (43,4 %) signifikant reduziert. Lee et al. testeten Radfahrerinnen mit 6 × – minütigen Sprints (20). Sie stellten während der EF eine höhere Durchschnittsleistung gegenüber der ML fest (287 W gegenüber 277 W). James et al. [15] testeten die Spitzenleistung und Oxfeldt et al. [27] die anaerobe Spitzen- und Durchschnittsleistung. Beide konnten keinen Phasenunterschied feststellen.
Maximalkraft
Isometrische und isokinetische Maximalkraft wurden in acht Studien getestet (Abb. 3C). Drei Studien zur Handgriffkraft fanden keine Leistungsunterschiede zwischen den Zyklusphasen [5][9][30]. Dam et al. [5] untersuchten die isometrische Ellenbogenbeugekraft und Kubo et al. [19] sowie Oxfeldt et al. [27] die Maximalkraft der Beinstrecker und Plantarflexoren. Alle fanden keinen Unterschied zwischen den Zyklusphasen. Graja et al. [12] testeten die maximale willentliche Kontraktion (MVC) der Beinstrecker vor und nach maximalen Fahrradsprints. Vor den Sprints zeigte sich die MVC unbeeinflusst durch die Zyklusphase, danach war sie während der späten und ML jedoch signifikant beeinträchtigt. Fridén et al. [10] sowie Gür et al. [13] untersuchten die isokinetische Beinstreckung. Beide fanden keinen Effekt der Zyklusphase. Sawai et al. [33] fanden keinen Leistungsunterschied bei der Beuge- und Streckkraft des Sprunggelenks zwischen den Zyklusphasen.
Explosivkraft
Zwei von fünf Studien berichteten über einen Phaseneffekt auf die Sprunghöhe (Abbildung 3C). Dam et al. [5] berichten von einer 6 %-Verbesserung im Countermovement Jump (CMJ) während der ML (23,1 cm) im Vergleich zur späten Lutealphase (21,8 cm). Romero-Parra et al. [31] testeten den CMJ vor, sowie 24 und 48 Stunden nach einer Backsquat-Belastung, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Zyklusphasen. Recacha-Ponce et al. [30] fanden eine verbesserte Sprungleistung im Ablakov-Jump während der EF im Vergleich zur Ovulationsphase. Sawai et al. [33] führten einen Vertikalsprungtest durch und Fridén et al. [10] testeten die einbeinige Sprunghöhe; in beiden Studien zeigte sich kein Einfluss der Zyklusphasen auf die Leistung.
Neuromuskuläre Koordination und Agilität
Alle drei Studien zur neuromuskulären Koordination zeigten einen Einfluss der Zyklusphase (Abbildung. 3D). Sawai et al. [33] fanden keinen Phaseneffekt auf das einbeinige statische Gleichgewicht. Im Side-step-Test war die Leistung während der EF im Vergleich zur Ovulationsphase jedoch verringert. Fridén et al. [11] testeten die Haltungsstabilität bei Frauen mit und ohne prämenstruelles Syndrom (PMS). Die Leistung bei der Schwankung des Druckzentrums auf zwei Beinen unterschied sich in beiden Gruppen nicht zwischen den Zyklusphasen. Der Einbeinstand war jedoch während der ML in der PMS-Gruppe beeinträchtigt. Später testeten Fridén et al. [11] Richtungswechsel mit dem Square-Hop-Test. Die Anzahl der korrekten Sprünge war während der Ovulationsphase im Vergleich zur EF und zur späten Lutealphase signifikant höher.
Diskussion
Diese systematische Übersichtsarbeit wird durch die Anwendung konservativer hormoneller Grenzwerte und die Fokussierung auf klar definierte Zyklusphasen geprägt. Dadurch sollte ein methodisches Bias reduziert werden, das in vielen bisherigen Studien zu diesem Thema auftritt.
Methodische Standards und Repräsentation von Eliteathletinnen
Nur 19 Studien wurden in die Analyse aufgenommen, was den erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand hormonbasierter Zyklusverifikation verdeutlicht. Blutentnahmen erfordern geschultes medizinisches Personal, teure und zeitaufwändige Laboranalysen, sowie die präzise Planung der Testtermine. Diese Anforderungen werden regelmäßig als Hürden bei der Planung und Durchführung methodisch hochwertiger Studien beschrieben [7]. Auch die Repräsentation von Eliteathletinnen ist mit lediglich zwei Studien weiterhin gering. Gerade im Leistungssport könnten jedoch selbst minimale physiologische Unterschiede relevant sein und über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Methodische Herausforderungen der vorhandenen Studien
Die eingeschlossenen Studien weisen im Durchschnitt kleine Stichproben auf (13,9 ± 7). Weiterhin wurde die Ovulationsphase nur selten untersucht, was vermutlich mit dem engen Zeitfenster von etwa 24–36 h zu erklären ist, in dem sie zuverlässig identifiziert werden kann. Die untersuchten Populationen wurden überwiegend aus freizeitsportlich aktiven oder nicht speziell trainierten Frauen rekrutiert, was bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen ist. Zum einen sind die Leistungsdiagnostiken häufig nicht sportartspezifisch. Weiterhin können größere Leistungsvariabilität und mögliche Lerneffekte auftreten, wenn Teilnehmerinnen mit den Testverfahren wenig vertraut sind.
Viele der eingeschlossenen Studien führten zwar Hormonanalysen durch, berichteten jedoch nicht die individuellen Hormonbereiche, sondern lediglich Mittelwerte und Standardabweichungen. Dadurch lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass Teilnehmerinnen mit atypischen Zyklusverläufen eingeschlossen wurden.
Einfluss der Zyklusphasen auf die körperliche Leistungsfähigkeit
Östradiol und Progesteron wirken auf verschiedene physiologische Systeme, die für die sportliche Leistungsfähigkeit relevant sind. Östradiol wird mit einer verbesserten Lipidoxidation, einer geringeren Nutzung von Glykogenspeichern [14] sowie einer erhöhten neuromuskulären Erregbarkeit in Verbindung gebracht [4], was kraftsteigernde Effekte zur Folge haben könnte. Gleichzeitig kann Östradiol die Steifigkeit von Sehnen und Bändern reduzieren, was mit erhöhter Gelenklaxität und potenziell verminderter Kraftübertragung assoziiert ist [4]. Progesteron hingegen kann durch eine erhöhte ventilatorische Aktivität oder eine gesteigerte thermoregulatorische Belastung antagonistische Effekte haben [7][14]. Darüber hinaus wird Progesteron mit reduzierter kortikaler Erregbarkeit und erhöhter neuromuskulärer Ermüdung in Verbindung gebracht [35]. Insbesondere in der ML könnten diese Effekte die potenziellen Vorteile des Östradiols mindern.
Für die maximale aerobe Leistungsfähigkeit zeigte sich in den analysierten Studien keine konsistente Evidenz für zyklusphasenabhängige Unterschiede. Zwar berichtete eine Arbeit über Unterschiede in der maximalen Sauerstoffaufnahme; diese basierten jedoch auf einer indirekten Messung der VO2max [30]. Insgesamt konnte dieser Phaseneffekt nicht einheitlich bestätigt werden.
Deutlich konsistenter sind die Befunde im Bereich der submaximalen Ausdauerleistung. Mehrere Studien zeigen Veränderungen der Ventilation, der Substratnutzung und der Laufökonomie während der ML, in der hohe Progesteronkonzentrationen vorliegen. Diese physiologischen Veränderungen schlugen sich jedoch nicht in deutlichen Einbußen bei realitätsnahen Leistungsmaßen wie der Zeitfahrleistung oder der Belastungsdauer nieder. Im Bereich der anaeroben Sprintleistung berichten mehrere Studien über phasenabhängige Unterschiede zugunsten hormonreicher Phasen, insbesondere der LF. Diese Effekte können durch die neuroexzitatorischen Eigenschaften von Östradiol sowie durch eine verbesserte neuromuskuläre Aktivierung erklärt werden.
Für die Maximalkraft zeigen die meisten Studien hingegen keine relevanten Unterschiede zwischen den Zyklusphasen. Auch bei explosiver Kraft, etwa bei Sprungleistungen, ist die Evidenz uneinheitlich. Einzelne Studien berichten über moderate Leistungsunterschiede, deren praktische Bedeutung im sportlichen Kontext jedoch wahrscheinlich gering ist. Ein vergleichsweise konsistentes Bild ergibt sich bei koordinativen und agilitätsbezogenen Aufgaben. In allen Studien wurde eine bessere Leistung während der Ovulationsphase im Vergleich zur EF beobachtet. Dies könnte auf neurophysiologische Effekte von Östradiol auf die neuromuskuläre Kontrolle zurückzuführen sein [35].
Limitationen
Die Aussagekraft der vorhandenen Evidenz wird durch mehrere Faktoren eingeschränkt. Viele der eingeschlossenen Studien weisen ein erhöhtes Bias-Risiko auf, beispielsweise aufgrund unzureichender Angaben zu Hormonkonzentrationen oder fehlender Randomisierung der Testreihenfolge. Dadurch können Lerneffekte entstehen, die einzelne Zyklusphasen systematisch begünstigen oder benachteiligen.
Fazit und Bedeutung im militärischen Kontext
Zusammenfassend zeigt diese Übersichtsarbeit, dass Studien mit hohen methodischen Standards zur Zyklusphasenverifikation bisher selten sind und häufig kleine, heterogene Stichproben untersuchen. Dennoch berichten mehr als die Hälfte der eingeschlossenen Studien über signifikante Effekte einzelner Zyklusphasen auf physiologische oder leistungsbezogene Parameter. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Aspekte der submaximalen Ausdauerleistung sowie koordinative Fähigkeiten zyklusabhängigen Schwankungen unterliegen können.
Gleichzeitig zeigen sich jedoch keine konsistenten Effekte auf zentrale Leistungsindikatoren wie die maximale Kraft oder die maximale Ausdauer. Für den militärischen Kontext bedeutet dies, dass hormonelle Schwankungen zwar einzelne physiologische Prozesse beeinflussen können, jedoch bislang keine eindeutigen Hinweise auf zyklusbedingte Einschränkungen der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit vorliegen. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung weiterer Forschung, insbesondere mit militärischen Populationen und unter realitätsnahen Belastungsbedingungen.
Praktisch relevant könnte zukünftig die Anwendung praktikabler und minimalinvasiver Verfahren zur Hormonbestimmung sein, beispielsweise mittels Kapillarblutanalysen. Eine bessere Kenntnis möglicher zyklusabhängiger Leistungsveränderungen könnte langfristig dazu beitragen, Ausbildung, Gesundheitsversorgung und Einsatzvorbereitung von Soldatinnen evidenzbasiert und geschlechtersensibel zu gestalten.
Kernaussagen
- Nur mittels Blutserumanalyse (Progesteron, Östradiol) gepaart mit der Bestimmung vom luteinisierenden Hormon kann man Menstruationszyklusphasen sicher bestimmen und voneinander abgrenzen
- Dieses Vorgehen ist teuer, zeit- und ressourcenaufwändig. Daher nutzen viele Studien alternative Methoden und nehmen dadurch potenzielle Ergebnisverzerrungen in Kauf
- Zwischen 1990–2024 haben 19 Studien die hormonbasierte Phasenbestimmung genutzt (durchschnittliche Stichprobengröße: n = 13,9), nur 2 davon untersuchten Spitzensportlerinnen
- Spitzenleistung und Ventilation scheinen während der frühen Follikelphase beeinträchtigt zu sein, Koordination während des Eisprungs wird begünstigt. Kraftwerte waren unbeeinträchtigt.
- Trotz hoher methodischer Standards bleibt die Vergleichbarkeit der Studien erschwert. Schlussfolgerungen zu Zyklusphaseneffekten auf die Leistungsfähigkeit sollten kritisch betrachtet werden.
Interessenkonflikt
Alle Autoren erklären, dass keine finanziellen oder sonstigen Interessenkonflikte vorliegen.
Eine detaillierte Studienübersicht findet sich in der E-Paper-Version des Beitrags (wmm-online.de ).
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