Die Endosonografie (EUS) hat sich als hochauflösendes bildgebendes Verfahren in der Diagnostik gastrointestinaler und pankreatobiliärer Erkrankungen etabliert. Durch die Kombination aus Endoskopie und hochfrequenter Ultraschalltechnik ermöglicht sie eine detaillierte Darstellung der Wandschichten des Gastrointestinaltrakts sowie angrenzender Strukturen wie des Pankreas, der Gallengänge und der mediastinalen Lymphknoten.
Im Vergleich zur transabdominellen Sonografie bietet die EUS eine deutlich höhere Ortsauflösung und ist weniger durch Darmgas oder Adipositas begrenzt. Gegenüber der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT) zeichnet sie sich insbesondere durch eine höhere Sensitivität bei der Detektion kleiner Läsionen sowie durch eine präzise lokale Tumorstaging-Fähigkeit aus. Darüber hinaus ermöglicht sie eine minimalinvasive, gezielte Gewebegewinnung mittels Feinnadelaspiration (FNA) und Feinnadelbiopsie (FNB) und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Therapieplanung.
Die Methode ist jedoch untersucherabhängig, invasiv, mit prozeduralen Risiken verbunden und anatomisch begrenzt in ihrer Reichweite. Trotz dieser Limitationen ist die EUS eine zentrale, komplementäre Untersuchungstechnik im interdisziplinären diagnostischen Algorithmus.
Einleitung
Die Endosonografie (EUS) kombiniert die Vorteile der Videoendoskopie mit denen der Ultraschallbildgebung und ermöglicht eine hochauflösende Darstellung gastrointestinaler sowie angrenzender Strukturen. Zudem ermöglicht sie die Durchführung ultraschallgesteuerter interventioneller Maßnahmen, insbesondere der Feinnadelaspiration (FNA) und der Feinnadelbiopsie (FNB), wodurch eine histopathologische Diagnosesicherung möglich ist [13].
Im Gegensatz zur transabdominellen Sonografie bietet die EUS eine deutlich höhere Ortsauflösung durch die Verwendung hochfrequenter Schallwellen im Bereich von 5–20 MHz sowie durch die unmittelbare Nähe von Schallkopf und Zielstruktur. Die intraluminale Position des Ultraschalltransducers ist deutlich weniger von patientenbezogenen Faktoren wie Adipositas oder Darmgas abhängig, die die transabdominelle Sonografie erheblich limitieren können.
Im Gegensatz zu CT und MRT wird die Bildqualität der EUS nicht durch metallische Fremdkörper (z. B. Wirbelsäulenimplantate) beeinträchtigt.
Die EUS weist eine überlegene Sensitivität bei der Detektion kleiner Läsionen auf und ermöglicht eine hochauflösende Darstellung der Wandschichten des Gastrointestinaltrakts sowie angrenzender Strukturen, insbesondere des Pankreas, der Gallenwege und mediastinaler Lymphknoten. Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Beurteilung der Tumorinfiltration (T-Staging), die präzise Einschätzung der Resektabilität sowie die daraus resultierende Therapieplanung. Die EUS-FNA weist in Studien eine Sensitivität von 85–91 % und eine Spezifität von bis zu 96 % bei pankreatischen Malignomen auf [4][7]. Diese hohe diagnostische Genauigkeit unterstreicht die zentrale Bedeutung der EUS als integralen Bestandteil des interdisziplinären diagnostischen Algorithmus und wird durch die Guidelines der European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB) bestätigt [8].
Die technische Ausstattung für die im Folgenden beschriebene diagnostische EUS-Untersuchung ist seit über zehn Jahren in der Endoskopie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin (Endosonografie – Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) Stufe 2) etabliert. Die Möglichkeiten der therapeutischen EUS wurden bereits in einem früheren Kontext beschrieben [6].
Indikationen für die EUS
Die wichtigsten Indikationen der EUS umfassen das lokale Tumorstaging bei Ösophagus-, Magen-, Rektum- und Pankreaskarzinomen. Für das Ösophaguskarzinom ist die Schnittbildgebung mittels CT essenziell zur Fernmetastasendiagnostik und zur Beurteilung der Gesamtausbreitung, während die EUS aufgrund ihrer hohen Auflösung im lokoregionären Staging einen wichtigen komplementären Stellenwert besitzt. Die kontrastverstärkte EUS (CE-EUS) ermöglicht die Differenzierung zwischen benignen und malignen Läsionen und kann die diagnostische Präzision im interdisziplinären Algorithmus weiter erhöhen [1].
Magenkarzinom
Beim Magenkarzinom wird leitlinienbasiert eine kontrastmittelverstärkte CT des Thorax, Abdomens und Beckens für das primäre Staging empfohlen. Die EUS ist vor allem in potenziell operablen Situationen hilfreich zur präziseren Abschätzung der T- und N-Stadien, insbesondere bei frühen lokoregionären Stadien. In Fällen mit hohem klinischem und endoskopischem Verdacht auf eine Neoplasie des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs, bei denen wiederholte konventionelle Biopsien keine histologische Sicherung ermöglichen, kann die Endosonografie (EUS) in Kombination mit einer EUS-FNA/FNB zur primären Diagnosestellung eingesetzt werden [2].
Rektumkarzinom
Beim Rektumkarzinom ist die Becken-MRT das Standardverfahren für das lokale Staging. Die präzise Beurteilung der lokalen Tumorausdehnung ist entscheidend für die weitere Therapieplanung. Insbesondere in frühen Tumorstadien (T1–T3) weist die EUS gegenüber der CT und MRT eine höhere Sensitivität bei vergleichbarer Spezifität auf [3].
Pankreas(karzinom)
In den aktuellen europäischen Empfehlungen zur Diagnostik des Pankreaskarzinoms gilt die kontrastmittelverstärkte multiphasische Mehrzeilen-CT als Erstlinienverfahren. Alternativ kann eine MRT/Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie (MRCP) eingesetzt werden, wenn eine CT nicht durchführbar ist. Die CT weist jedoch eine geringere Sensitivität bei kleinen Läsionen (< 3 cm) auf und ist mit Strahlenexposition verbunden.
Im Vergleich zur CT und MRT zeigt sich die EUS hinsichtlich der diagnostischen Genauigkeit beim duktalen Adenokarzinom des Pankreas deutlich überlegen (Sensitivität 81–100 %, Spezifität 73–100 % vs. Sensitivität 53–74 %, Spezifität 53–94 %), insbesondere bei Läsionen < 3 cm [11].
Durch die CE-EUS werden Sensitivität und Spezifität zusätzlich gesteigert, insbesondere bei kleinen Läsionen < 2 cm. Die Methode ermöglicht eine zuverlässige Differenzierung zwischen benignen und malignen Läsionen und trägt damit zur Vermeidung unnötiger Operationen bei [10][11].
Bei zystischen Pankreasläsionen wird die EUS ± FNA/FNB ergänzend zur Schnittbildgebung bei unklarer Dignität, relevanter Größe oder sogenannten „worrisome features“ eingesetzt [11].
Weitere Indikationen
Die EUS wird zudem in ausgewählten Situationen ergänzend eingesetzt, unter anderem bei unklaren Befunden in der CT oder MRT, zur genaueren Beurteilung einer möglichen Gefäßinfiltration sowie zur gezielten Gewebegewinnung und Therapieplanung [5].
Weitere Indikationen umfassen die Evaluation subepithelialer Läsionen, die Abklärung von Abszessen und biliären Obstruktionen (z. B. Choledocholithiasis/Mikrolithiasis) sowie das Lymphknotenstaging [9][10]. Die Abbildung 1 stellt die Einbindung der EUS im diagnostischen Algorithmus, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dar.
Material und Sondenarten
Die Endosonografie verwendet spezialisierte Endoskope mit integrierten Ultraschalltransducern. Radiale Sonden ermöglichen eine 360°-Darstellung und werden primär diagnostisch eingesetzt. Lineare Sonden bieten einen etwa 120°-Sektor und ermöglichen interventionelle Eingriffe wie FNA und FNB. Der integrierte Albarrán-Hebel erlaubt eine präzise Steuerung der Punktionsnadel [10][12]. Während die EUS-FNA primär zytologisches Material liefert, ermöglicht die EUS-FNB die Gewinnung histologischer Gewebeproben mit erhaltener Gewebearchitektur, die für immunhistochemische und molekulare Analysen erforderlich ist.
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