Am 27. Januar 2026, dem nationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, wurde an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München eine Gedenkveranstaltung mit anschließender Einweihung einer Gedenkstele zur Erinnerung an die in den Nebenlagern des Konzentrationslagers Dachau begangenen Menschenrechtsverletzungen in der heutigen Ernst-von-Bergmann-Kaserne durchgeführt.

Die Gedenkstunde fand im ehrwürdigen Auditorium Maximum „Hans Scholl“ statt. Hochrangige Gäste aus Politik und Gesellschaft, zahlreiche Dienststellenleiter sowie Angehörige der Bundeswehr folgten der Einladung in die Liegenschaft im Münchner Norden.
Unter den Gästen waren u.a. der Generalkonsul der Republik Polen in München, Rafał Wolski, der Kommandeur Landeskommando Bayern, Brigadegeneral Thomas Hambach, der Akademische Leiter des Generalkonsulats des Staates Israel, Elias S. Jungheim sowie die Stadträtin der Stadt München, Barbara Likus.
Mehrere Vertretungen katholischer Vereinigungen waren ebenfalls der Einladung gefolgt, unter ihnen der stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Klaus Schex, der stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Dr. Michael Wolf, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gemeinschaft Katholischer Soldaten.
Aber auch der 2. Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. – Bezirksverband München, Oberstleutnant a. D. Heinrich Stadelmaier gab sich die Ehre.

Nach der Begrüßung und der Einführung in die Gedenkveranstaltung durch den Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr, Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm, hielt Flottenarzt a. D. Dr. Volker Hartmann einen bemerkenswerten Vortrag über den Holocaust und die Gefahr der Gleichgültigkeit.
Danach referierte Stabsfeldwebel Mirko Lange, der Initiator der Gedenkstele, detailliert über die Hintergründe der damaligen Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau in der heutigen Ernst-von-Bergmann-Kaserne im Zeitraum von 1941 – 1945. Dabei ging er auf die Ereignisse der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, insbesondere was sich in der damaligen SS-Kaserne München-Freimann ereignet hat, ein.
Am Beispiel des polnischen 18-jährigen Gärtners Franciszek Pietrzak zeigte er auf, welche geringfügigen Gründe damals schon zur KZ-(Schutz-)Haft führen konnten: Pietrzak hatte als Kind einen Ladendiebstahl begangen, galt daher als vorbestraft und wurde als „Berufsverbrecher“ inhaftiert; nach über zwei Jahren im Stammlager Dachau wurde er dem Nebenlager „SS-Standortverwaltung“ in der SS-Kaserne München-Freimann zugeteilt.
Da musste er mit den anderen eingesetzten Zwangsarbeitern Reinigungs-, Transport- und Instandhaltungsarbeiten durchführen. Der Vortrag wurde von den Anwesenden als äußerst interessant und emotional sehr berührend empfunden.

Nach der Gedenkstunde wurde eine von der Pionierschule in Ingolstadt gefertigte Gedenkstele innerhalb der Ernst-von-Bergmann-Kaserne eingeweiht. Im Rahmen dieser Zeremonie wurde ein Kranz von der Sanitätsakademie der Bundeswehr durch Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm und ein Kranz von der Gemeinschaft Katholischer Soldaten durch den stellvertretenden Bereichsvorsitzenden der Gemeinschaft Katholischer Soldaten – Süd, Hauptmann a. D. Stefan Nüßle, niedergelegt.
Mit einer Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus und einem anschließenden Friedensgebet der Gemeinschaft Katholischer Soldaten, wurde der offizielle Teil der Gedenkveranstaltung beendet. Danach lud die Gemeinschaft Katholischer Soldaten in das Offizierskasino „Johann Goercke“ zur Begegnung und Besinnung sowie einer kleinen Stärkung ein, wo bei einer kleinen Stärkung noch ein reger Austausch unter den Menschen aus den verschiedensten Bereichen stattfand.
Da das Nebenlager „SS-Standortverwaltung“ im Gesamtbild der NS-Verbrechen eine eher überschaubare Dimension hat, wird dieser historische Schauplatz nur wenig berücksichtigt. Die Namen der Opfer und Täter, konkrete Lebensläufe und Dokumente sind jedoch die einzigen Elemente, die das Gedächtnis verständlich und unvergessen machen. Anstatt nur abstrakt wirkende Gesamtopferzahlen einer riesigen Todesmaschinerie des NS-Terrors zu nennen wurde mit der Gedenkstele ein Ort zum Gedenken und Nachdenken geschaffen; der Fokus der Gedenkveranstaltung in der Ernst-von-Bergmann-Kaserne lag genau darauf.
Verfasser:
Stabsfeldwebel Mirko Lange
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Ernst-von-Bergmann-Kaserne
Neuherbergstraße 11
80937 München
Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2/26
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!





