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Für Grundbetrieb, Katastrophe, Krise und Krieg

Wie das BAAINBw den Sanitätsdienst seit mehr als einer Dekade mit Sanitätsmaterial ausrüstet

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) wurde am 1. Oktober 2012 im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr gegründet. In dem neuen Amt werden die Aufgaben des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung, des Bundesamtes für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr und Nutzungsaufgaben, die bisher von anderen zivilen und militärischen Organisationsbereichen wahrgenommen wurden, zusammengeführt. Das neue Amt trägt seitdem die durchgängige Verantwortung von der Erarbeitung technischer Lösungsvorschläge über Realisierung und Nutzungssteuerung bis hin zur Aussonderung und Verwertung von Wehrmaterial

Hauptsitz des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr im historischen Regierungsgebäude in Koblenz
Bundesbehördenhaus BAAINBw Koblenz
Foto: Bundeswehr / D. Anneken

Das Referat BAAINBw U3.5

Das BAAINBw untergliedert sich in eine Reihe von Abteilungen. Sanitätsmaterial als Teilmenge des Wehrmaterials wurde der Abteilung U – Land-Unterstützung zugeordnet. Die zunächst zwei dafür zuständigen Referate U3.4 und U3.5 wurden im Januar zu U3.5 (neu) zusammengelegt.

Das dabei entstandene Referat war fachtechnisch zuständig für die Bereiche „Wehrpharmazie, Sanitätseinrichtungen und Sanitätsausstattungen”. Das Spektrum an Projekten bzw. Produkten reichte von Arzneimitteln über Medizin- und Analysentechnik bis hin zu Einrüstsätzen für Fahrzeuge, Container, Schiffe und Flugzeuge. Darin enthalten waren auch Großprojekte wie die landgestützte Verwundeten-Dekontaminationseinrichtung oder die Mobile Sauerstofferzeugungs- und Abfüllanlage.

Das Produktspektrum umfasste zudem Medizinprodukte, bei denen es sich um reine Softwareanwendungen inklusive entsprechender Hardware handelt, wie beispielsweise Patientendaten-Managementsysteme für Krankenhäuser. Hinzu traten Projekte und Zuwendungen im Rahmen der sanitätsdienstlichen Forschung und Entwicklung, Länderabgaben zur humanitären Hilfeleistung, internationale Kooperations- und Beschaffungsvorhaben, aber auch die Versorgung mit Einzelverbrauchsgütern Sanitätsmaterial (EVGSan) wie z. B. Arzneimitteln.

Das Aufgabenspektrum beinhaltete dabei jeweils auch die Wahrnehmung der Materialverantwortung für die Einsatzreife und daraus abgeleitet Aufgaben im Rüstungs- und Nutzungsmanagement für das zugewiesene Materialspektrum.

Bundeswehr-Einsatzkräfte üben mit einer mobilen Patiententransport-Isolationseinheit vor einem Airbus A310 der Flugbereitschaft
Stellprobe PTI am Flughafen Köln-Wahn 2014 und später eingerüstete PTI.
Foto: Bundeswehr

In diesem Materialsegment besteht dadurch eine besondere Herausforderung, dass für weite Teile des Materials vergleichsweise kurze Innovationszyklen vorherrschen. Wesentliche Gründe dafür sind neben dem stetigen Fortschritt in Medizin und Pharmazie vor allem auch die Vielzahl von gesetzlichen Vorgaben sowie Auflagen und Vorgaben von Fachgesellschaften und Standesorganisationen. Erhebliche Teile des Materials sind zudem mit infrastrukturellen Abhängigkeiten verknüpft (z.B. Röntgengeräte, Kernspintomographen) und bedingen dadurch einen hohen koordinativen Abstimmungsbedarf in der Realisierung.

Das neue Referat umfasste 53 Dienstposten, die für ca. 3600 fähigkeitsbezogene Materialplanungsobjekte (MPO) zuständig waren. Die MPO wiederum teilten sich in ca. 9100 Materialnummern für Geräte/Systeme (Anlagegüter) auf. Hinzu traten noch ca. 48000 Materialnummern für Einzelverbrauchsgüter. Mit rund 200 Rüstungsprojekten war die Auslastung von Beginn an enorm hoch.

Ebola-Ausbruch in Westafrika

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr als Hauptnutzer der Produkte war zu diesem Zeitpunkt neben der sanitätsdienstlichen Versorgung des Grundbetriebes in nahezu jedem Einsatzgeschehen intensiv beteiligt. Das abzudeckende Fähigkeitsspektrum gewährt daher eher selten langfristige Einführungsphasen für neues Material, wie das Beispiel Ebola Ende 2014 sehr anschaulich demonstrierte. Aufgrund des damaligen Ebola-Ausbruches in Westafrika wurde eine Neubewertung der zur Verfügung stehenden Befähigung der Bundeswehr zum Transport und zur Behandlung von hochinfektiösen Patienten erforderlich. Im Rahmen des ressortübergreifenden Ansatzes der Bundesregierung wurde die Befähigung „Transport hochinfektiöser Patienten an Bord eines Luftfahrzeuges“ als Fähigkeitslücke identifiziert. Ziel war es, eine möglichst bruchfreie medizinische Versorgung deutscher Staatsangehöriger auch im Ausland sicherzustellen.

Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) erließ dazu am 23. September 2014 die „Weisung zur kurzfristigen Einführung einer Ausstattung für den Transport hochinfektiöser Patienten an Bord eines Luftfahrzeuges der Bundeswehr“. BAAINBw wurde beauftragt, geeignete Patiententransportisolatoren (PTI) zu identifizieren, die Marktverfügbarkeit und deren luftfahrrechtliche Zulassung zu prüfen sowie bis zu 20 PTI in weniger als drei Wochen zu beschaffen. Gemeinsam mit den Luftfahrtexperten aus der Abteilung L des BAAINBw wurde innerhalb einer Woche eine Stellprobe am Flughafen Köln-Wahn für zwei sofort verfügbare Produkte organisiert.

Dazu wurden dort ein Airbus A310 und eine Transall C-160, jeweils in der Ausstattung für eine medizinische Evakuierung, die Sanitätsvariante eines Fuchs Transportpanzers und zwei Krankenkraftwagen zusammengezogen. Experten aus allen Bereichen der Bundeswehr begutachteten gemeinsam mit Fachleuten der Firmen Lufthansa Technik und Airbus Defense and Space die Produkte in den jeweiligen Transportumgebungen. Be- und Entladevorgänge wurden mit den Systemen ebenso erprobt wie auch die Einrüstung auf Personen Transport Einheiten und auf die in der Bundeswehr genutzten Tragesysteme.

Innenansicht einer Bundeswehr-MedEvac-Maschine mit Patiententransporteinheiten und montierten IsoArk-Isolationskammern
Stellprobe PTI am Flughafen Köln-Wahn 2014 und später eingerüstete PTI.
Foto: Bundeswehr

Im Ergebnis bestand für keines der vorgestellten Systeme die Möglichkeit, bis zum gewünschten Termin die geforderte luftfahrtechnische Zulassung im Sinne einer Musterzulassung zu erhalten. Aus diesem Grund wurde im Anschluss eine ganze Kaskade von ergänzenden Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählten die Erprobungen zu medizinischen und hygienischen Fragestellungen, die Überprüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit, das Verhalten bei plötzlichem Druckabfall, Rütteltests, Materialuntersuchungen und vieles mehr. Auf Basis dieser Testergebnisse war es letztendlich möglich, eine Sondergenehmigung des Inspekteurs der Luftwaffe zur Nutzung eines der beiden PTI zu erhalten.

Die Gruppe BAAINBw U7

Nicht zuletzt derartige Erfahrungen führten zur Erkenntnis, dass ein einzelnes Referat auf Dauer nicht in der Lage sein wird, die materiellen Bedarfe des Sanitätsdienstes der Bundeswehr zufriedenstellend zu decken. Eine Organisationsüberprüfung mit anschließender Personalbedarfsermittlung bestätigte diese Einschätzung nachdrücklich. Ein Fehl von mehr als 20 Dienstposten und die Empfehlung der Umgliederung in eine Gruppenstruktur mit drei Referaten wurden dokumentiert und nach ministerieller Prüfung dieser Ergebnisse auch bestätigt.

Die Aufstellung der Gruppe BAAINBw U7 mit drei Referaten erfolgte zu Beginn des Jahres 2018. Mit Blick auf die Beschaffung von krankenhaus- und institutsspezifischem Sanitätsmaterial wurden die erforderlichen Vorbereitungen und Zuarbeiten durch Einrichtung einer entsprechenden Arbeitsgruppe auf Weisung der damaligen Staatssekretärin Suder entscheidend vorangetrieben.

Selbstverständlich gab es in der Aufstellungsphase weiterhin Engpässe. Insbesondere die Beschaffung von modernem und zeitgerecht bereitgestelltem Sanitätsgerät für die Bundeswehrkrankenhäuser und die Institute des Sanitätsdienstes der Bundewehr blieb hinter den erforderlichen Zeitlinien. Daher wurde auf ministerielle Weisung eine neue, engere Form der Zusammenarbeit – die kollozierte Arbeitsstruktur für das Referat U7.3 und Teile des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr – zur Sicherstellung der Ausstattung mit krankenhaus- und institutsspezifischem Sanitätsmaterial etabliert. Durch die Zusammenarbeit vor allem in Form der regelmäßigen themenbezogenen Besprechungen (AG Kollozierung), die Nutzung einer gemeinsamen Forderungs- und Beschaffungsübersicht und die Verfügbarkeit einer vertragsjuristischen Schwerpunktsetzung in Form einer TaskForce für Sanitätsmaterial konnte die Beschaffung von krankenhaus- und institutsspezifischem Sanitätsmaterial signifikant beschleunigt werden.

Die COVID-19 Pandemie

Die auch im Dienstpostenumfang verstärkte Gruppe U7 und hier im Schwerpunkt zunächst die U7.1 erlebte ihre Bewährungsprobe zu Beginn des Jahres 2020, als der weltweite Ausbruch von Covid-19 auch in Deutschland rasche und umfassende Maßnahmen erforderlich machte. Die Leitung des BAAINBw reagierte bereits Ende Februar 2020 auf die sich abzeichnenden Herausforderungen für das Amt. Der Gruppenleiter U7 wurde zum „Beauftragten der Leitung im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus“ bestellt. Gleichzeitig wurde eine zentrale Ansprechstelle eingerichtet, die sowohl als Lagezent-rum als auch als Koordinator für die Dienststelle und den nachgeordneten Bereich fungierte.

Die Beschaffung von persönlichen Schutzausstattungen (PSA), wie Gesichtsmasken, Desinfektionsmitteln und Schutzmänteln im Rahmen mehrerer Amtshilfeersuchen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) lief unmittelbar im Anschluss an. Die insgesamt acht Anfragen zur Beschaffung für das BMG und damit ganz Deutschland umfassten nicht nur zunehmende Mengen an Schutzausstattungen, sondern auch Desinfektionsmittel und Arzneimittel wie Resochin®, Kaletra® oder Avigan®. In der hierfür für die Bundeswehr eingerichteten Sonderorganisation
„Beschaffung PSA“ war von Beginn an auch Fachpersonal der U7 zur Bewertung von angebotenen Artikeln unentbehrlich. Insgesamt wurden in sehr kurzer Zeit circa 170 Verträge für das BMG und die Bundeswehr abgeschlossen.

Zwei Bundeswehrsoldaten in Flecktarn begutachten medizinische Schutzausrüstung an einem Büroarbeitsplatz mit HP-Monitoren
Begutachtung Gesichtsmasken.
Foto: Bundeswehr

Zur Bewältigung der vorherrschenden Pandemie waren jedoch nicht nur persönliche Schutzausstattungen zur Vermeidung der Ausbreitung, sondern auch erhöhte Kapazitäten an Medizin- und Laborgeräten erforderlich, um die uneingeschränkte Diagnostik und Therapie sicherzustellen. Das Portfolio erstreckte sich hierbei von Computertomographen über Beatmungs- und Patientenüberwachungsgeräte bis hin zu Maskenprüfgeräten.

Eine Übersicht der unterschiedlichen Geräte entlang der Anwendungsbereiche ist in Tabelle 1 dargestellt. Hierbei wurde der Fokus zu Beginn der pandemischen Lage auf die Therapie von mit CoViD-19 infizierten Patienten gelegt. Dabei stellten Beatmungsgeräte aufgrund der teils kritisch verlaufenden Symptomatik der Atemwegsbeschwerden eine wesentliche und begrenzte Ressource dar. Noch marktverfügbare Geräte wurden daher frühzeitig durch das BAAINBw für die Bundeswehr vertraglich gebunden. Insgesamt wurde die Beschaffung für 325 Beatmungsgeräte der Kategorien Intensiv-, Transport- und Notfallbeatmungsgeräte eingeleitet.

Darüber hinaus stellte sich die Bereitstellung von Diagnostik-Kapazitäten als wesentlich dar. Hierbei lag der Schwerpunkt auf dem Nachweis des Virus mittels der Methode Polymerase-Kettenreaktion (kurz PCR). Die Geräte sollten dabei frühzeitig bereits auf Ebene der Sanitätsversorgungszentren ausgebracht werden. Insgesamt erstreckte sich das hierfür erforderliche Portfolio von Geräten, die auch ohne medizinisches Laborpersonal betrieben werden können, bis hin zu Kleiderschrank großen vollautomatischen Pipettiersystemen für die medizinischen Labore der Bundeswehrkrankenhäuser. Insgesamt wurde die Beschaffung von über 300 neuen Labor- und Analysegeräten eingeleitet, von denen bis Ende drittes Quartal 2020 ein Großteil ausgeliefert wurde.

Einsatzvorrat für die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) und Dynamisches Beschaffungssystem

Ebenfalls als große Herausforderung erwies sich die Beschaffung des Einsatzvorrates von Einzelverbrauchsgütern Sanitätsmaterial für VJTF 2023. Diese wurde von Herrn Staatssekretär Zimmer im September 2020 ursprünglich mit der Zeitvorgabe 31. Dezember 2021 angewiesen. Das dadurch angeforderte Artikelspektrum beinhaltete rund 1.600 verschiedene Arzneimittel und Medizinprodukte. Der Beginn des überaus ambitionierten Auftrages verlief schleppend und war für alle Beteiligten bisweilen frustrierend, da nahezu alle Ausschreibungen erfolglos blieben. Erst die Einführung eines dynamischen Beschaffungssystems (DBS) im zweiten Quartal 2021 führte zu besseren Ergebnissen.

Arzneimittellager des Versorgungs- und Instandsetzungszentrums Sanitätsmaterial der Bundeswehr in Quakenbrück mit Medikamenten in Metallregalen
Lagerung von Arzneimitteln im Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial in Quakenbrück.
Foto: Bundeswehr

Dynamische Beschaffungssysteme dienen der Beschaffung marktüblicher Leistungen. Hierunter fallen auch Medizinprodukte und Arzneimittel. Es ist ein voll-elektronisches Verfahren, in dem die Leistungen im Rahmen von Einzelvergaben unter Beteiligung aller Teilnehmer des Bieterpools in den Wettbewerb gestellt und vergeben werden. Die verkürzte Angebotsfrist von mindestens 10 Tagen (im Vergleich zu mindestens 30 Tagen bei einer öffentlichen Vergabe) führte zu einer erheblichen Beschleunigung der Beschaffung.

Die Einrichtung des DBS erfolgte über eine (EU-)weite Bekanntmachung. Dabei wird zunächst eine unbeschränkte Anzahl von Unternehmen öffentlich zur Abgabe von Teilnahmeanträgen aufgefordert. Zur Einreichung der Teilnahmeanträge für die Aufnahme in den Bieterpool ist eine einmalige Frist von 30 Tagen einzuhalten. Für alle folgenden Teilnahmeanträge können sich interessierte Unternehmen zu jedem Zeitpunkt des Bestehens des Beschaffungssystems bewerben.

Die Teilnahme am DBS reduziert den bürokratischen Aufwand, da die Anbieter erforderliche Unterlagen nur einmal für die gesamte Laufzeit einreichen müssen. Die Maßnahme fand bei der Industrie insbesondere aufgrund der Flexibilität sehr großen Zuspruch. Bereits zu Beginn konnten mehr als 60 Unternehmen für die Teilnahme gewonnen werden. Innerhalb eines Jahres wurden damit mehr als 1.000 Artikel mindestens einmal oder sogar mehrmals ausgeschrieben und dadurch mehr als 80% des Bedarfsumfangs vergeben.

Dem Paretoprinzip folgend erwiesen sich die verbleibenden 20% jedoch als umso größere Herausforderung. In vielen Fällen konnte die Industrie die geforderten Beschaffungsumfänge, Verfalldaten (VD) sowie eine Lieferung bis Ende 2021 nicht erfüllen. Letztendlich führte eine ganze Kaskade von verschiedenen Maßnahmen zum gewünschten Ergebnis:

Neben der Anpassung der nachgefragten Mengen, Ausschreibungen mit „Optionen“, Sukzessiv- Lieferverträgen sowie Anpassung der VD waren vor allem die Anhebung der Wertgrenze für Direktaufträge und auch Bestellungen auf Online-Plattformen, bei Pharmagroßhändlern und Vollsortimentern besonders erfolgreich. Dadurch konnten auch weitere zwischenzeitlich erteilte Beschaffungsaufträge wie z.B. für die Unterstützung deutscher Kräfte in der Slowakei erfolgreich bewältigt werden.

Sanitätsdienstliche Rüstung für Landes- und Bündnisverteidigung

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich die Dynamik bei der Rüstung von Sanitätsmaterial noch einmal erheblich verschärft. Insbesondere Systeme, welche der Sanitätsdienst zum Aufbau der Rettungskette benötigt, stehen dabei ganz besonders im Blickpunkt. Bei diesen Beschaffungen handelt es sich in vielen Fällen um sogenannte 25-Millionen-Euro-Vorlagen. Rüstungsinvestitionen unterliegen in Deutschland der politischen Kontrolle.

Alle Beschaffungs- und Entwicklungsprojekte der Bundeswehr mit einem Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro oder mehr bedürfen vor Vertragsschluss der gesonderten Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages. Der Haushaltsausschuss erhält für jedes betreffende Rüstungsprojekt das endverhandelte Vertragswerk beziehungsweise den finalen Entwurf der Regierungsvereinbarung nebst kurzer Erläuterung.

Diese Unterlagen werden allgemein als 25-Millionen-Euro-Vorlagen bezeichnet. Seit geraumer Zeit laufen aus diesen Projekten sowohl containergestützte als auch zeltbasierte Einsatzsysteme zu. Das erste in einer mittlerweile längeren Kette von 25-Millionen-Euro-Vorlagen, welche BAAINBw U7 für den Sanitätsdienst der Bundeswehr umgesetzt hat, ist der Geschützte Verwundeten-Transportcontainer (GVTC).

Geschützter Verwundetentransport-Container der Bundeswehr auf einem Militär-Lkw bei der Patientenaufnahme mittels Hebevorrichtung
Geschützter Verwundeten-Transportcontainer.
Foto: Bundeswehr

Entlastender Verwundetentransport mit dem GVTC

Der GVTC dient dem sekundären Transport von Verwundeten, Unfallverletzten und Kranken auf einem Trägerfahrzeug wie dem MULTI A3 FSA. Dabei werden medizinisch versorgte Patienten aus den primären Behandlungseinrichtungen in Einrichtungen der nächsthöheren Behandlungsebene transportiert.

Innenraum eines geschützten Sanitätsfahrzeugs mit Patientenliegen, medizinischen Geräten von Weinmann und Notfallausrüstung
Geschützter Verwundeten-Transportcontainer.
Foto: Claudia Seidenschwanz

Damit ist der GVTC ein wesentliches Element der Rettungskette im Sanitätsdienst. Diese sichert das Überleben verletzter und verwundeter Soldaten bestmöglich. In bis zu vier Behandlungsebenen (Rollen 1 bis 4) werden Verwundete nach blutstillenden (Rolle 1) und stabilisierenden (Rolle 2) Maßnahmen zunächst transportfähig für eine medizinische Evakuierung nach Deutschland gemacht. Wenn die Lage oder Örtlichkeiten es verlangen, kann auch ein Feldlazarett der Ebene Rolle 3 aufgebaut werden. Diese Einrichtung verfügt zusätzlich über medizinische Fachabteilungen wie beispielsweise Radiologie mit Röntgengerät. In Deutschland findet in der Rolle 4 die abschließende medizinische Rehabilitation in (Fach-)Kliniken statt. Der GVTC kann entweder bis zu sechs liegenden Patienten oder vier liegende plus vier sitzende Patienten gleichzeitig aufnehmen. Diese Variabilität wird über den Umbau von zwei liegenden Patientenplätzen zu vier Sitzplätzen realisiert. Das Material für den Umbau wird ständig mitgeführt, sodass der GVTC für die Situation vor Ort kurzfristig angepasst werden kann.

Der Container bietet einige wichtige technische Neuerungen. Beispielsweise bleibt er für die Aufnahme und das Absetzen von Patienten auf dem Trägerfahrzeug. Diese werden mittels eines neuartigen Liftsystems, welches an der Decke im Container angebracht ist, bequem in und aus dem GVTC verbracht.

Innenraum eines geschützten Sanitätsfahrzeugs der Bundeswehr mit Krankentragenhalterungen, medizinischen Überwachungsgeräten und Sauerstoffflaschen
Geschützter Verwundeten-Transportcontainer.
Foto: Bundeswehr

Während des Transports müssen die Insassen vor Bedrohungen geschützt werden. Der GVTC ist daher mit einem besonderen Minenschutzsystem ausgestattet. Mittels eines speziellen Bodenaufbaus wird der Schock durch die Detonation einer Mine abgeschwächt und Menschen wie auch medizinische Geräte erfahren nur einen Bruchteil der ursprünglichen Krafteinwirkung.

Der Vertrag über die Beschaffung von zwölf GVTC wurde 2021 geschlossen. Diese laufen dem Sanitätsdienst seit 2024 nach und nach zu.

Best Practice für die Beschleunigung der Projektarbeit

Das hochmobile zeltgestützte Luftlanderettungszentrum leicht (LLRZ, le) als sanitätsdienstliches Einsatzsystem dient in der Rettungskette der lebensrettenden notfallchirurgischen und intensivmedizinischen Versorgung der eingesetzten Kräfte. Zudem ist es sehr gut geeignet, um im Rahmen jedweder mobilen Einsätze inklusive der Nationalen Krisenvorsorge sowie für humanitäre Einsätze diese Fähigkeiten rasch an den jeweiligen Einsatzort zu verbringen. Durch die Einführung von neuen luftgestützten Zelten und die damit u.a. verbundene Gewichtsreduktion kann das gesamte Material für das LLRZ, le in kürzester Zeit mittels Lufttransport an den jeweiligen Einsatzort transportiert werden. Bei der Übung „Medic Quadriga 2026“ wurde die Verlegung von Deutschland nach Litauen erfolgreich durchgeführt.

Aufbau eines mobilen Luftlanderettungszentrums der Bundeswehr mit Sanitätszelten, Feldklimageräten und Versorgungseinheiten auf einem Übungsgelände
Luftlanderettungszentrum leicht
Foto: Bundeswehr / D. Bannert

Das aus dem ersten Sondervermögen der Zeitenwende 2022 finanzierte Projekt hat sich als ein Beispiel des BAAINBw für Best Practice in Hinblick auf die beschleunigte Beschaffung etabliert. Als erstes vollständig umgesetztes Projekt wurde nach Billigung einer entsprechenden 25-Millionen-Euro-Vorlage im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bereits im Februar 2023 der Vertrag für die ersten acht LLRZ, le geschlossen. Dabei konnte die Auslieferung der Systeme sogar noch vor dem angedachten Zeitplan im August 2024 abgeschlossen werden.

Aktuell werden acht weitere LLRZ, le im Rahmen einer Ergänzungsbeschaffung gerüstet. Vier Systeme sind in der ersten Jahreshälfte zugelaufen; vier weitere werden in der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgeliefert. Darüber hinaus besteht bei Bedarf eine Abrufoption für noch zwei weitere Systeme. 

Lückenschluss in der Rettungskette: Geschützt hochmobile Sanitätseinrichtung ROLE 2B

Die geschützte hochmobile Sanitätseinrichtung R2B (ghmSanEinrR2B) ist ein System für die lebensrettende, notfallchirurgische und intensivmedizinische Versorgung in unmittelbarer Nähe der mechanisierten Landstreitkräfte im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung. Im Rahmen der sanitätsdienstlichen Unterstützung von Landstreitkräften ist die ghmSanEinrR2B ein entscheidender Baustein zur Sicherstellung der Rettungskette. In bestimmten Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung muss der Sanitätsdienst der Bundeswehr befähigt sein, den Truppenbewegungen der kämpfenden Verbände zu folgen.

Damit dies möglich ist, muss das dieses System zwangsläufig eigenbeweglich sein. Zu den Kernkomponenten zählen daher geschützte Fahrzeuge, auf denen geschützte Container in verschiedenen Konfigurationen aufgesetzt sind. Um der Forderung an eine hohe Mobilität gerecht zu werden, verbleiben die Container auch im Betrieb auf den Fahrzeugen und werden auf diesen ausnivelliert. Damit schließt sie die entscheidende Lücke zwischen der Erstversorgung in der Rolle 1 und der stationären Weiterbehandlung in Rolle 3.

Vertreter des BAAINBw, der Bundeswehr und der Industrie präsentieren unterzeichnete Vertragsdokumente im BAAINBw
Vertragsunterzeichnung „Geschützt hochmobile Sanitätseinrichtung ROLE 2B".
Foto: Bundeswehr / D. Bannert

Das Projekt ist nicht nur aufgrund der Aufbaukonfiguration weltweit einzigartig. Ein weiteres besonderes Merkmal sind die Multifunktionscontainer als eine funktionell übergreifende Containerkonfiguration. Diese kann aufgrund ihrer Ausstattung gleichermaßen verschiedene medizinische Bereiche wie Schock, Operation und Intensivpflege abdecken. Dadurch ist es möglich, dass die Patienten in ihrem jeweiligen Multifunktionscontainer z.B. nach einer Operation zur Intensivpflege verbleiben, während das medizinische Personal wechselt.

Für die Soldaten bedeutet das: Verwundete können künftig noch schneller und sicherer stabilisiert werden. Notoperationen und intensivmedizinische Maßnahmen erfolgen direkt im Einsatzraum – geschützt vor Angriffen, auch unter hochintensiven Gefechtsbedingungen. Damit steigen die Überlebens- und Genesungschancen deutlich.

Der im September 2025 geschlossene Vertrag umfasst die Festbeauftragung von sechs Gesamtsystemen mit der Möglichkeit weitere 18 Gesamtsysteme sowie 30 Multifunktionscontainer abrufen zu können. Bisher wurden zwei weitere Gesamtsysteme abgerufen. Aktuell ist der Abruf von weiteren Gesamtsystemen in Vorbereitung und soll noch in diesem Jahr im Zuge einer 25-Millionen-Euro-Vorlage abgeschlossen werden. Der Zulauf der ghmSanEinrR2B ist ab dem Jahr 2029 bis 2034 vorgesehen.  

Weitere aktuelle und zukünftige 25-Millionen-Euro-Projekte für den Sanitätsdienst

Die Anzahl der 25-Millionen-Euro-Projekte in der Gruppe U7 ist in den letzten Jahren nahezu exponentiell angestiegen.

Teilregeneration Modulare Sanitätseinrichtungen
Rettungszentrum und Einsatzlazarett

Neben den bereits vorgestellten Projekten betreffen gleich mehrere Vorhaben den Bereich der Modularen Sanitätseinrichtungen (MSE). Diese umfassen unterschiedliche containerbasierte mobile Behandlungseinrichtungen der Rollen 1 bis 3. Sie bilden deshalb verschiedene medizinische Fähigkeiten ab. Als modulares System bestehen die MSE aus insgesamt ca. 100 Teilprojekten mit ca. 200 verschiedenen Containertypen.

3D-Visualisierung einer mobilen modularen Rettungsstation auf Militär-Lkw als isometrische Ansicht und Grundriss im Vergleich
Prinzipskizze Rettungsstation ballistisch geschützt und ungeschützt.
Foto: Rheinmetall Project Solutions GmbH

Diese werden seit über 30 Jahren genutzt und ihre Regeneration ist deshalb zwingend notwendig. Die entsprechenden Maßnahmen für mehrere verschiedene Containertypen haben bereits begonnen und stehen mittlerweile kurz vor dem Abschluss. In den kommenden Monaten werden die Container CT, Röntgen wieso klinisch-chemisches Labor und lebensmittelchemisches Labor ausgeliefert. Die Regeneration weiterer Teilbereiche der MSE wie Operation, Intensivpflegestation und Apotheke wurde gerade angestoßen und bildet eines der nächsten 25-Millionen-Euro-Projekte der U7.

Modulare Sanitätseinrichtungen
Rettungsstation ballistisch geschützt und ungeschützt

Die hochmobile Rettungsstation (RS) dient in der Rolle 1 der ersten notfallmedizinischen und minimalchirurgischen Versorgung und wird mittels zweier standardisierter Container realisiert. Diese neue RS bietet gegenüber der bislang genutzten eine höhere Mobilität und damit taktische Vorteile im Einsatz. Gleichzeitig wird die Geräteausstattung auf den aktuellen Stand der Technik umgerüstet.

Die Rettungsstation wird in einer geschützten und ungeschützten Konfiguration beschafft. Beide Varianten bestehen aus einem neuartigen, ausklappbaren Behandlungscontainer. Durch dieses innovative Ausklappprinzip erweitert sich die Grundfläche des Systems auf das dreifache gegenüber der Transportkonfiguration. Zudem ist das Ausklappen in diesem Betriebszustand auch auf dem Trägerfahrzeug möglich. Während die geschützte Rettungsstation über einen zweiten gehärteten, aber nicht ausklappbaren Notfallbehandlungscontainer verfügt, ist für die ungeschützte Rettungsstation ein ausklappbarer, nicht gehärteter Notfallbehandlungscontainer vorgesehen. Die ersten Systeme werden ab 2027 der Truppe zur Verfügung stehen.

Insgesamt werden über 150 Systeme beschafft. Der Haushaltsauschuss des deutschen Bundestages hat einer dahingehenden 25-Millionen-Euro-Vorlage Anfang Juli 2026 zugestimmt.

Luftlanderettungsstation für die Rolle 1

Die Luftlanderettungsstation (LLRS) wird ebenfalls in der Rolle 1 eingesetzt. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine mobile, zeltgestützte, notfallmedizinische Sanitätseinrichtung, die per Lufttransport relativ rasch an den jeweiligen Einsatzort gebracht wird. Sie ist innerhalb von nur 30 Minuten aufnahmebereit und 24 Stunden durchhaltefähig. Bereits eine Stunde nach Aufbaubeginn ist die Luftlanderettungsstation der Bundeswehr voll einsatzfähig. Zwei Patienten können gleichzeitig versorgt werden. Das System ist daher auf einen kontinuierlichen entlastenden Patientenabtransport angewiesen.

Die aktuelle Maßnahme beinhaltet einerseits die Regeneration der 10 Bestandssysteme beim Heer und bei Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (Kdo SES). Andererseits wird der bestehende Mehrbedarf unter Erweiterung des Nutzerkreises ebenfalls gedeckt. Der größte Anteil von insgesamt 57 Systemen entfällt dabei auf den auf den Sanitätsdienst im Unterstützungsbereich. Bei der Luftwaffe wird mit weiteren zehn LLRS der Bedarf zur Unterstützung der Taktischen Luftgeschwader gedeckt.

Jeweils vier Systeme gehen Heer und Marine zu, um anteilig die Fallschirmjägerregimenter sowie das Seebataillon zu unterstützen. Die aktuelle Planung sieht den Start des Vergabeverfahrens voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2027 nach entsprechender Billigung der 25-Millionen-Euro-Vorlage durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages vor.

Sanitätsmaterial in Bewegung

Neben diesen eigenen Projekten ist BAAINBw U7 auch noch in einer Vielzahl weiterer sanitätsdienstlicher Rüstungsprojekte tätig, die in anderen Bereichen des BAAINBw beheimatet sind. Dabei handelt es sich in aller Regel um Transportfahrzeuge für Kranke und Verwundete, Luftfahrzeuge für Rettungseinsätze und Patiententransport sowie um Schiffe der Marine und deren Schiffslazarette.

Vertreter von GDELS übergibt Angehörigen des Sanitätsdienstes der Bundeswehr einen symbolischen Schlüssel für ein Eagle V 6x6 Fahrzeug
Symbolische Schlüsselübergabe für das mittlere geschützte Sanitätskraftfahrzeug an das BAAINBw und den Sanitätsdienst der Bundeswehr.
Foto: Bundeswehr / P. Grüterich

Ein anschauliches Beispiel hierfür ist das mittlere geschützte Sanitätskraftfahrzeug Eagle V 6×6, welches seit Juli 2025 der Sanitätstruppe zuläuft. Dieses Fahrzeugprojekt ist in der Gruppe U4 des BAAINBw verortet, während das Referat U7.2 mit der Bereitstellung und Einrüstung der sanitätsdienstlichen Ausstattung beteiligt ist. Das Fahrzeug wurde während der letztjährigen Informationslehrübung des Sanitätsdienstes in Feldkirchen an die Bundeswehr übergeben.

Als Nachfolger für den Yak BAT übernimmt es eine wichtige Funktion innerhalb der Rettungskette beim Transport von bis zu zwei notfallmedizinisch zu versorgenden Verwundeten und Verletzten. Der Geschäftsführer der GDELS-Deutschland GmbH überreichte den symbolischen Schlüssel an das BAAINBw, vertreten durch den Gruppenleiter U7 und an den Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Herrn Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann.

Die Auslieferung von 80 Fahrzeuge des ersten Loses an die Truppe wird im Laufe dieses Jahres abgeschlossen. Ein zweites Los in Höhe von bis zu 1.000 weiteren Fahrzeugen ist bereits vertraglich vereinbart. Somit ist sichergestellt, dass dem Sanitätsdienst eine in den kommenden Jahren ausreichende Anzahl dieser modernen Fahrzeuge für Rettungseinsätze und Patiententransport zu Verfügung steht.

Von der Lieferabhängigkeit zur Eigenproduktion

Ein Projekt mit besonderer Bedeutung für die Wehrpharmazie ist der Aufbau einer Produktionsinfrastruktur für Autoinjektoren (AI). Injektoren mit den Wirkstoffen Atropin, mit der Kombination von Atropin und Obidoxim sowie mit dem Wirkstoff Morphin wurden zur Prophylaxe und Behandlung der Symptomatik von C-Kampfstoffen sowie zur Behandlung starker bis stärkster Schmerzen, über viele Jahre aus den USA über die dortige Deutsche Verbindungsstelle des BWB und später des BAAINBw bezogen.

Der Hersteller Meridian Medical Technologies war weltweit der einzige Produzent mit einer arzneimittelrechtlichen Zulassung dieser Produkte für den deutschen Markt im genannten Anwendungsspektrum. Die Versorgung galt über viele Jahrzehnte als gesichert, beruhte jedoch vollständig auf der Leistungsfähigkeit dieses Unternehmens.

Diese Ausgangslage änderte sich schlagartig, als technische Probleme im Herstellungsprozess zu einem vollständigen Produktionsstopp führten. Die Behebung der Mängel nahm mehrere Jahre in Anspruch und machte deutlich, wie anfällig eine Versorgung sein kann, wenn sie von nur einer Produktionsstätte abhängig ist. Nach Wiederaufnahme der Herstellung verschärfte sich die Situation zusätzlich, als die US-Regierung den Export neu produzierter Chargen auf unbestimmte Zeit untersagte.

Im Ergebnis führte dies zum Aufbau einer vollständigen eigenen Produktionsinfrastruktur – bestehend aus fünf hochspezialisierten Produktionsmaschinen, drei Schlüsselbauteilen für Autoinjektoren und einer umfassend modernisierten Produktionsstätte in der Apotheke des Bundeswehrkrankenhauses Ulm. Mit der geplanten Aufnahme der Produktion im Jahr 2027 wird die Bundeswehr erstmals in der Lage sein, diese Autoinjektoren eigenständig herzustellen, unter ihrem Namen in den Verkehr zu bringen und damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit zu leisten.

Das Projekt wird von BAAINBw U7.3 verantwortet und fachlich durch den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr eng begleitet. Es umfasst den Aufbau einer vollständig neuen Produktionslinie für eine hochkomplexe Kombination aus Medizinprodukt und Arzneimittel. Neben den Produktionsanlagen werden für die spätere Herstellung des Fertigarzneimittels auch Wirkstoffe sowie weitere Rohstoffe benötigt, die in einem exakt aufeinander abgestimmten Herstellungsprozess verarbeitet werden. Jede einzelne Komponente muss dabei höchsten technischen, regulatorischen und qualitativen Anforderungen genügen.

Um die technische Komplexität beherrschbar zu machen, wurde das Gesamtvorhaben in sieben Teilprojekte gegliedert. Diese umfassten die Beschaffung von vier Produktionsmaschinen sowie von drei Bauteilen für die Autoinjektoren. Besondere Bedeutung kam dabei dem ersten Bauteil, den Fertigspritzen aus Glas zur späteren Aufnahme der Wirkstofflösungen, zu. Es bildete die Grundlage für sämtliche nachfolgenden Beschaffungsvorhaben und diente als Beistellung sowohl für weitere Bauteile als auch für die später zu beschaffenden Produktionsmaschinen. Erst mit diesem erfolgreichen Vertragsschluss konnten die weiteren Teilprojekte schrittweise umgesetzt werden. Das erste Bauteil war damit weit mehr als nur eine einzelne Komponente – es war der Grundstein für die gesamte Produktionslinie.

Eingerüstetes Multifunktionsgebäude auf einer Bundeswehr-Baustelle in Koblenz mit MAN-LKW und Sicherheitszaun
Neubau Multifunktionsgebäude am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz im Juni 2024.
Foto: Bundeswehr

Für die benötigten Komponenten existierten keine Standardlösungen am Markt. Die Autoinjektorhülle musste speziell für den vorgesehenen Herstellungsprozess entwickelt und gefertigt werden. Entsprechend klein war der Kreis der potenziellen Auftragnehmer. Zwischen 2017 und 2024 wurden die einzelnen Teilprojekte sukzessive vergeben. Mit dem Vertragsschluss über die beiden letzten Produktionsmaschinen im Jahr 2024 war die Planungsphase abgeschlossen.

Inzwischen sind die baulichen Voraussetzungen für die Installation sämtlicher Produktionsanlagen geschaffen. Die Auslieferung der letzten vollautomatischen Produktionsmaschine ist für das Jahr 2028 vorgesehen.

Neue Multifunktionsgebäude für die Bundeswehrkrankenhäuser in Hamburg und Koblenz

Ein zweiter Schwerpunkt von BAAINBw U7.3 ist seit geraumer Zeit die sanitätsdienstliche Ausstattung der Neubauten an den Bundeswehrkrankenhäusern in Hamburg und Koblenz.

In Hamburg wurde ein Multifunktionsgebäude (MFG) errichtet, welches auch das Schiff-fahrt-medizinische Institut der Marine aufnimmt. Das MFG umfasst neben der zentralen OP-Abteilung auch die Unfallchirurgie, die gesamte Diagnostik sowie ein Institut mit Tauch- und Überdruckmedizin. Neben mehreren Operationssälen finden dort auch Dermatologie, Neurochirurgie, Urologie, Radiologie, Endoskopie, Physikalische Therapie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und weitere Fachbereiche ihren neuen Standort.

Und auch in Koblenz entsteht ein neues MFG, welches ebenfalls nahezu alle zentralen Funktionsbereiche eines modernen Krankenhauses umfasst. Neben einer Reihe von OP-Sälen und Eingriffsräumen wird das Spektrum durch zwei Intensivstationen, eine Stroke Unit, eine Intermediate-Care-Station und eine Notfallaufnahme mit Chest-Pain-Unit ergänzt. Radiologie, drei Ambulanzen sowie die Zentrale Sterilgutversorgung runden das Spektrum ab. Auch die Apotheke und die Pathologie werden im neuen MFG untergebracht.

Solche komplexen Projekte erfordern es, dass bauliche Infrastruktur, medizinische Anforderungen, digitale Vernetzung sowie die Ausstattung mit medizinischem Gerät im Sinne der bestmöglichen Patientenversorgung aufeinander abgestimmt sind. Für das Referat U7.3 galt es zunächst aus den Anforderungen der medizinischen Nutzer technische Lösungen zu entwickeln, die sowohl den aktuellen Bedarf als auch zukünftige Entwicklungen berücksichtigen. Hierzu erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit den späteren Anwendern aus den medizinischen Fachbereichen. Gemeinsam wurden Anforderungen definiert und in technische Leistungsbeschreibungen überführt.

Die Ausstattung eines Krankenhauses stellt in vielen Fällen besondere Anforderungen an die bauliche Planung, da moderne Medizingeräte häufig unmittelbar mit der Infrastruktur des Gebäudes verbunden sind. Das kann beispielsweise die Stromversorgung betreffen, Daten- und Netzwerkanbindungen, die Medienversorgung, Traglasten oder auch die bauliche Abschirmung, wenn man etwa an Kernspintomographen denkt. Diese Faktoren müssen bereits berücksichtigt werden, lange bevor das Gerät überhaupt geliefert wird.

Medizinische Fachkraft bereitet einen Patienten an einem Philips Magnetresonanztomographen im Bundeswehrkrankenhaus Berlin vor
Kernspintomograph am Bundeswehrkrankenhaus Berlin.
Foto: Bundeswehr / P. Grüterich

Die Ausschreibung der Medizintechnik für den Neubau in Koblenz stellte aufgrund ihres Umfangs und ihrer technischen Komplexität eine besondere Herausforderung dar. Die umfangreichen Vergabeunterlagen führten zu mehr als 2.400 Bieterfragen, die schnell, rechtssicher und fachlich fundiert zu beantworten waren, um den engen Projektzeitplan und den zeitgerechten Fortschritt des Bauprojektes nicht zu gefährden. Deshalb beschritt BAAINBw U7.3 hier einen neuen Weg. Gemeinsam mit Vertretern des späteren Nutzers wurden eine Reihe von intensiven Workshops durchgeführt, in denen die eingegangenen Fragen strukturiert bewertet und kurzfristig durch das Personal beantwortet wurden, das bereits die zugrunde liegenden fachlichen Forderungen formuliert hatte.

Diese innovative Vorgehensweise wurde auch bei den späteren Vertragsverhandlungen beibehalten, indem erneut die späteren Nutzer unmittelbar in die Gespräche eingebunden wurden. Dadurch konnten medizinisch-fachliche Fragestellungen direkt geklärt und technische Lösungen gemeinsam entwickelt werden. Zeitaufwendige Abstimmungsschleifen wurden reduziert und erforderliche Entscheidungen konnten deutlich rascher getroffen werden.

Die Beschaffung für das neue MFG am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz wurde nicht ausschließlich als Einzelmaßnahme betrachtet. Vielmehr verfolgt BAAINBw U7.3 gemeinsam mit dem Vertragsreferat BAAINBw U2.5 und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr das Ziel, durch standardisierte und flexibel nutzbare Vertragsstrukturen langfristige Vorteile für den gesamten Geschäftsbereich zu erreichen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Ansatzes ist der sogenannte Warenkorb 5. Dieser umfasst Medizingeräte, die nicht ausschließlich für den Neubau in Koblenz vorgesehen sind, sondern bei Bedarf auch den anderen Bundeswehrkrankenhäusern auf Abruf zur Verfügung stehen können. Damit entsteht ein Mehrwert über das eigentliche Bauprojekt hinaus, da vergleichbare Bedarfe schneller gedeckt werden können und gleichzeitig die Vereinheitlichung der Gerätelandschaft vorangetrieben wird. Der resultierende Schulungsaufwand wird reduziert und die zukünftige Instandhaltung und die Versorgung mit Verbrauchsmaterialien werden erleichtert. Um dabei auch technische Weiterentwicklungen und neue Gerätemodelle während der Vertragslaufzeit zu berücksichtigen, wurde im Vertragswerk ergänzend eine Innovationsklausel aufgenommen.

IT-Architektur, Hardware und Software für den Sanitätsdienst der Bundeswehr

Das jüngste Referat in der U7 befasst sich mit der bislang relativ heterogenen IT-Landschaft des Sanitätsdienstes und nutzt hierfür ein übergeordnetes Architekturmodell nach dem NATO Architecture Framework. Dieses dient als „Bebauungsplan“ für zukünftige Digitalisierungsprojekte und stellt zugleich die gemeinsame Infrastruktur- und IT-Dienste einheitlich und umfassend dar.

Zwei Bundeswehr-Soldaten in Flecktarn arbeiten im Patient Evacuation Coordination Centre an Computer und Telefon
Das Patient Evacuation Coordination Center in Koblenz.
Foto: Bundeswehr / A. Derr

Gemeinsam mit dem Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (KdoGesVersBw) integriert BAAINBw U7.4 neue Projekte in diese Zielarchitektur, steuert deren Umsetzung gegenüber der Industrie und schafft damit die technischen Voraussetzungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Digitalisierung des Sanitätsdienstes.

Dabei übernimmt das BAAINBw das Auftraggebermanagement gegenüber der BWI GmbH und sorgt für die technische und organisatorische Einbindung der Projekte in die Gesamtarchitektur der Bundeswehr. Ziel ist die enge Verzahnung von fachlichen Anforderungen, Architekturentwicklung und technischer Umsetzung mit dem grundlegenden Paradigmenwechsel weg von isolierten Einzelprojekten hin zu einer ganzheitlichen Architektur.

Ein gutes Beispiel ist die Realisierung einer Softwarelösung zur strategischen Patientensteuerung im Patient Evacuation Coordination Centre (PECC). Dieses benötigte zur Koordination einer größeren Anzahl von Patienten eine neue und leistungsfähigere Software. Die Bereitstellung der innovativen Softwarelösung erfolgte im HERKULES Folgeprojekt. Um alle notwendigen Funktionen des PECC abzubilden, wurde ein völlig neues Softwareprodukt entwickelt, welches auch allen Anforderungen z.B. im Hinblick auf den Datenschutz der Patientendaten berücksichtigte. Der Betrieb erfolgt in einer Schutzumgebung (Citrix), die in der Bundeswehr speziell für Verfahren mit erhöhtem Schutzbedarf bereitgestellt wird. Das Produkt befindet sich mittlerweile seit mehreren Jahren in der Nutzung.

Zum Portfolio der U7.4 gehören aber auch hardwarenahe Projekte, wie zum Beispiel das Vorhaben WLAN in Gesundheitseinrichtungen der Bundeswehr (WLAN GesEinrBw). Im Rahmen dieses Projektes erfolgt die Bereitstellung eines WLAN-Netzes zur Anbindung mobiler medizinischer Systeme und gesundheitsspezifischer Endgeräte, sowie die Möglichkeit für Patienten sowie Gäste der Bundeswehrkrankenhäuser auf Informationen im Internet zuzugreifen. In diesem Sinn trägt WLAN GesEinrBw maßgeblich dazu bei, die Effizienz der Gesundheitsversorgung durch die Nutzung moderner und mobiler IT-Ausstattungen (z.B. mobile Visitewagen) zu steigern und gleichzeitig die Zufriedenheit der Patienten wärmend ihres Krankenhausaufenthaltes zu erhöhen.

Fazit und Ausblick

Das umfangreiche Aufgabenspektrum der Gruppe U7 im BAAINBw ist außerordentlich vielfältig und es ergeben sich immer wieder aktuelle Herausforderungen, welche die Mitarbeitenden auf das Äußerste fordern. Ihr Engagement und ihre Bereitschaft, in Krisenzeiten und in Fällen von Katastrophen über das normale Maß hinaus zu deren Bewältigung beizutragen, verdienen höchstes Lob und Anerkennung. An dieser Stelle gilt es auch die vielen Reservedienstleistenden positiv zu erwähnen, die sich im Laufe der Jahre bei U3.5 und U7 im BAAINBw engagiert haben. Ohne deren Bereitschaft ganz konkrete Verantwortung zu übernehmen, wäre so manches Projekt nicht zu bewältigen gewesen.

In Krisenzeiten und bei Katastrophen hat sich das durch das BAAINBw beschaffte Sanitätsmaterial regelmäßig in der Praxis bewähren können. Beispielweise wurde 2021 während der Corona-Pandemie eine Anlage der Bundeswehr zur Sauerstoffherstellung nach Neu-Delhi in Indien transportiert und hat vor Ort die Produktion von medizinischem Sauerstoff aufgenommen. 2023 wurde im Rahmen der Mission Humanitäre Hilfeleistung Türkei ein zeltgestütztes Rettungszentrum der Bundeswehr im Erdbebengebiet aufgebaut und half nach kürzester Zeit dabei, die Not der Menschen vor Ort zu lindern.

Eine Vielzahl von weiteren Höhepunkten und besonderen Aktivitäten sowie einige Projekte, die sich bereits seit längerer Zeit in der Nutzung befinden, können aus Platzgründen hier nur kurze Erwähnung finden. Dazu gehört der Umzug des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin mit seinem Sanitätsmaterial von Fürstenfeldbruck nach Köln-Wahn ebenso wie die Ausplanung der sanitätsdienstlichen Ausstattung für eine Behandlungseinrichtung in Mali, die jedoch aus bekannten Gründen nicht mehr realisiert worden ist. Die neuartigen und vor allem nach einheitlichen Standards ausgestalteten Behandlungseinheiten für die HNO-Bereiche des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sollten hier gleichfalls angesprochen werden. Als jüngstes Beispiel wurde vor wenigen Wochen das Luftlanderettungszentrum Spezialeinsatz ausgeliefert und kürzlich Verteidigungsminister Boris Pistorius im Zuge eines Besuchs beim Kdo SES vorgestellt. Die eingangs erwähnte landgestützte Verwundeten-Dekontaminationseinrichtung gehört ebenfalls dazu, wie auch die Aktivitäten im Zuge der Unterstützung für die Ukraine.

Ganz aktuell ins Blickfeld gerückt ist die Beschaffung eines neuen, luftfahrtzugelassenen Transportisolators für Infizierte auch im Hinblick auf den Ausbruch der Bundibugyo-Variante von Ebola, für die es weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt.

Weitere Rüstungsprojekte, wie der Patiententransport Schiene, der Patiententransport See und der Großraumtransport von Patienten auf der Straße zeichnen sich in näherer Zukunft ab. Hier wird die Ausstattung mit Sanitätsmaterial ebenfalls eine Rolle spielen und damit die fachtechnische Expertise der U7 gefordert sein. Daher dürfte klar sein, dass auch im Rahmen der kürzlich begonnenen Reorganisation des BAAINBw die Beschaffung von Sanitätsmaterial ein wichtiger Baustein im Portfolio dieser Behörde bleiben wird – sei es für Krisen, für Katstrophen oder notfalls auch für kriegerische Auseinandersetzungen.

Verfasser

Oberstapotheker Dr. Ullrich Kindling
Gruppenleiter BAAINBw U7
Ferdinand-Sauerbruch-Straße 1
56073 Koblenz

Wehrmedizin und Wehrpharmazie 03/2026

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