Die Beschaffung handelsüblichen und marktverfügbaren Sanitätsmaterials – im Weiteren hüSanMat – wurde von der Beschaffungszuständigkeit des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in den Unterstützungsbereich und den Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen überführt.

Dazu wird im Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (KdoGesVersBw) eine Beschaffungsorganisation (BeschO) zur Übernahme des fachtechnischen Anteils aufgestellt. Die operative und strategische Zuständigkeit für die Beschaffung wird vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) übernommen.
Wozu der Aufbau einer Beschaffungsorganisation im ZSanDstBw?
Bereits im Koalitionsvertrag 2018 wurde vereinbart, dass die gesamte Beschaffungsorganisation der Bw auf Anpassungsbedarf ihrer Organisationsform zu untersuchen sei. Die dazu gegründete „Task Force BeschO“ erhielt den Auftrag zur „Untersuchung [der] Beschaffungs- und Nutzungsorganisation sowie Optimierung des Beschaffungswesens (BeschO)“.
Im Jahr 2020 folgte schließlich die Untersuchung der Verlagerung handelsüblichen, marktverfügbaren Materials im Rahmen des „Sofortprogramm Einsatzbereitschaft SK“ (u.a. Maßnahme 11.2 „Koordinierung Beschaffung von Sanitätsmaterial“, Maßnahme 2.6 „Verlagerung des Einkaufs nicht waffensystembezogener Produkte zum BAIUDBw“ und weitere). Ziel war es, die Beschaffung zu beschleunigen und die Anzahl der jährlich realisierten Beschaffungsvorhaben zu steigern.
Dazu empfahl die TF BeschO die Zuständigkeiten stärker an den zu beschaffenden Leistungen zu orientieren. Das BAAINBw solle sich auf seine Kernkompetenzen im Bereich Rüstung militärischer Güter konzentrieren. Durch die Fokussierung der OrgBer IUD und AIN auf ihre Kernfähigkeiten sollte weiteres Synergiepotenzial gehoben werden.
Dieser Empfehlung folgend entschied Herr Staatssekretär Zimmer im Dezember 2020, dass das BAAINBw künftig lediglich zuständig sein solle für die Rüstung von Material mit Waffensystembezug. Die Beschaffung von hüSanMat ohne Waffensystembezug solle in den OrgBer IUD und den ZSanDstBw verlagert werden.
Stand der BeschO aktuell
Das für die Bundeswehrkrankenhäuser, Regionalen Sanitätseinrichtungen und Institute des SanDstBw zu beschaffende SanMat ist grundsätzlich handelsüblich und marktverfügbar und unterscheidet sich in der Regel nicht von dem im zivilen Gesundheitswesen zum Einsatz kommenden Material. Daher ist zur Beschaffung dieser betroffenen Materialsegmente nunmehr der EinkaufBw zu nutzen. Eine Folge davon ist, dass auch die Verfahren des EinkaufBw zu bedienen sind – und das beginnt schon mit der Erstellung von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen für jede einzelne Beschaffung.
Die BeschO befindet sich aktuell noch im Aufbau, der Dienstpostenbesetzungsgrad liegt bei 48 %, die fachtechnischen Sachgebiete, in denen u.a. die Leistungsbeschreibungen für die Ausschreibungen erarbeitet werden, sind zu lediglich 30 % besetzt. Der Personalbedarf wird voraussichtlich bis Ende 2027/ 2028 sukzessive gedeckt werden – zumeist durch Einstellung Externer vom zivilen Arbeitsmarkt. Die zur Wahrnehmung der umfangreichen und diffizilen Aufgaben erforderliche Fachexpertise und Erfahrung gilt es über die nächsten Jahre noch aufzubauen.
Die Bedarfsdeckung von Einzelverbrauchsgütern SanMat (EVGSan)
EVGSan wird nicht nur im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung benötigt. Mit der Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung wurde entschieden, einen Einsatzvorrat EVGSan aufzubauen, um für künftige Einsatzszenare gewappnet zu sein und die Versorgung der Streitkräfte mit Arzneimitteln und Medizinprodukten gewährleisten zu können. Neben diesem Einsatzvorrat sind aber auch Arzneimittel der strategischen Reserve, wie z. B. Autoinjektoren, Berliner Blau oder Pyridostigmin, die Versorgungsartikel der Sanitätsausstattung Einsatzersthelfer A und B, der Vollblutspende usw. zu beschaffen und zu bewirtschaften. Maßgeblich ist nicht nur die Deckung des unmittelbaren Bedarfs, sondern vielmehr die Planung bzw. Steuerung der Materialzuläufe, um die materielle Einsatzbereitschaft langfristig sicherzustellen. Weitere Schwerpunkte sind unter anderem die gezielte Förderung der Standardisierung von Sanitätsausstattungslisten zur Stärkung einer resilienten Versorgung wie auch die Koordinierung und Steuerung von Maßnahmen zur Gewährleistung der Anwendungssicherheit von EVGSan.
Die Bedarfsdeckung von Nichtverbrauchsgütern SanMat (NVGSan)
Die Bedarfsdeckung von hüNVGSan wird über das sog. Materialprogramm gesteuert. Es dient den Dienststellen des SanDstBw zur Bedarfsanmeldung gegenüber der BeschO als zentralem Bedarfsanforderer im Rahmen der Bedarfsaktualisierung, der Bereitstellung und Mitprüfung der obligatorischen Unterlagen sowie geregelten Kommunikations- und Abstimmungswegen.
Zukünftig soll das Materialprogramm auch zur Erfassung von Bedarfen genutzt werden, welche in die Bedarfsaktualisierung des jeweiligen Planungszyklus eingebracht werden und später über den EinkaufBw zu beschaffen sein werden. Das Materialprogramm kann im Top-Down und Bottom-Up Ansatz genutzt werden.
Die BeschO erfasst die Bedarfe aller OrgBer, bündelt diese, stimmt sie mit den fachlich zuständigen Stellen des
KdoGesVersBw ab, erstellt funktionale Leistungsbeschreibungen und gibt diese an das BAIUDBw zur Ausschreibung und Vertragsgestaltung. Hinzu kommen zahlreiche weitere Aufgaben, die während und im Anschluss an die operative Beschaffung zwingend erforderlich sind. Diese können einerseits bereits im Rahmen der Beschaffung (z. B. im Bereich Erstausbildung, Infrastruktur, IT-Anbindung, produktbezogene Informationssicherheitskonzepte, Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen), andererseits aber auch im Betrieb (z. B. Schulungen, Wartungs- und Instandsetzungsverträge, Anlage von Wartungsplänen, Stammdatenpflege) auftreten.
Während die Zuständigkeit für NVGSan der Institute undRegSanEinr bereits in der BeschO liegt, ist der Abschluss der Übergabe der Verantwortung für NVGSan der BwKrhs und FachArztZ für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Fazit
Die BeschO des KdoGesVersBw befindet sich im Aufbau. Der Aufgabentransfer bringt Aufgaben und z.T. neue Verfahren mit sich, die trotz der erheblichen personellen Vakanzen zu bedienen sind. Die hierfür erforderliche Fachexpertise gilt es nun zu erwerben und auszubauen. Dies wird noch Zeit, einiger Anstrengungen und einer Priorisierung der zahlreichen Beschaffungsvorhaben bedürfen. Das Team BeschO stellt sich dieser Herausforderung.
Verfasser
Oberstapotheker Mark Lutsch
KdoGesVersBw Ltr BeschO
Andernacher Str. 100
56070 Koblenz
Wehrmedizin und Wehrpharmazie 03/2026
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