K. Kehe
Das Direktorat Wehrmedizinische Forschung und Entwicklung Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (GesVersBw) umfasst derzeit drei Fachabteilungen und vier Ressortforschungsinstitute:
- Abteilung E – Wehrmedizinische Forschung und Entwicklung
- Abteilung F – Medizinischer ABC-Schutz
- Abteilung G – Grundlagen Fähigkeitsentwicklung / Weiterentwicklung Sanitätsdienst der Bundeswehr
- Institut für Radiobiologie der Bundeswehr
- Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
- Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr
- Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr
Die wehrmedizinische Forschung dient dem Ziel, einsatzbereite Streitkräfte bereitzustellen. Dazu werden Forschungsvorhaben im Bereich der Präventionsmedizin, Therapie und Rehabilitation durchgeführt. Die wehrmedizinische Forschung ist approbationsübergreifend, interdisziplinär und disziplin-verbindend angelegt. Ein weiteres Merkmal wehrmedizinischer Forschung ist der translationale Ansatz. Wehrmedizinische Forschung ist darauf ausgerichtet, wissenschaftliche Erkenntnisse in Leitlinien beziehungsweise Produkte zu überführen. In diesem Sinne führt translationale Forschung in der Wehrmedizin sowohl Grundlagenforschung als auch patientenzentrierte, populationsbezogene und One-Health-Forschung zusammen, um die Gesundheit von allen Mitarbeitenden im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verteidigung sowie von Diensttieren zu verbessern.
Die Voraussetzungen zur Durchführung translationaler Forschung in der Wehrmedizin sind leistungsfähige Forschungseinrichtungen. Der Wissenschaftsrat der Bundesregierung hat in den letzten Evaluationen den sanitätsdienstlichen Ressortforschungseinrichtungen durchgehend ein gutes bis sehr gutes Zeugnis ausgestellt.
Die unterschiedlichen Bereiche der wehrmedizinischen Versorgung sollen gemäß dem sanitätsdienstlichen Primat fachlich dem zivilen Standard entsprechen. Die dafür notwendigen Fähigkeiten sind jedoch nicht immer mit zivilen Vorgehensweisen und Routinen erreichbar. Im militärischen Kontext auftretende Erkrankungen, Infektionen und Verletzungsmuster sind im Frieden selten bis gar nicht zu beobachten. Dies trifft insbesondere auf Schusswaffenverletzungen, Explosionen (blast injuries) als auch den Einsatz von ABC-Waffen zu. Es ist daher notwendig, dass der Sanitätsdienst der Bundeswehr eigene Forschung betreibt, um die entsprechenden Fähigkeitslücken schließen zu können.
Die sicherheitspolitische Lage hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft und in der Qualität verändert. Die „Zeitenwende“ stellt auch den Sanitätsdienst der Bundeswehr vor neue Herausforderungen, da sich die Realität auf modernen Schlachtfeldern anders darstellt als noch vor ein paar Jahren. So hat insbesondere der vermehrte Einsatz von Drohnen die Form des Krieges entscheidend verändert. In der Ukraine wird ein Stellungskrieg beobachtet. Diese Art des Krieges erinnert an den 1. Weltkrieg und schien längst überholt.
Das sanitätsdienstliche Forschungsmanagement ist in der Abteilung E beheimatet. Wehrmedizinische Forschung und Entwicklung legt die Grundlage für die Leistungsfähigkeit des Sanitätsdienstes und nutzt Fortschritte in Biomedizin, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz zum Schutz und zur Genesung der Soldatinnen und Soldaten. Die Abteilung E im Direktorat Wehrmedizinische Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung an der Sanitätsakademie der Bundeswehr bildet dabei den zentralen Knotenpunkt: Sie koordiniert das Jahresforschungsprogramm, veranlasst die Begutachtung von Forschungsanträgen, administriert laufende Vorhaben und führt deren Ergebnisse der fachlichen Auswertung zu. Zudem verantwortet sie Controlling, Haushaltsmittelsteuerung und Qualitätssicherung in enger Abstimmung mit der zivilen Verwaltung. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Organisation zentraler Formate wie die Forschungskonferenzen und die Klausurtagung „Strategie wehrmedizinische Forschung“. Aktuelle Schwerpunkte liegen in der Vernetzung mit EU-geförderten Programmen wie dem European Defence Fund sowie in der Optimierung des Forschungsmanagements. Die übergeordnete strategische Steuerung nimmt dabei der Direktor wahr, der zugleich die Einbindung der wehrmedizinischen Forschung in nationale und internationale Verbünde von EU, NATO und weiteren Partnern verantwortet.
Mit seinen Instituten für den Medizinischen ABC-Schutz verfügt der Sanitätsdienst über drei Ressortforschungseinrichtungen, die sich durch einen hohen Anteil eigener Forschung auszeichnen und zudem eine nationale Alleinstellung hinsichtlich ihrer Forschungsthemen und Forschungsmöglichkeiten haben.
Als Folge ihrer nationalen wie weltweiten Vernetzung werden Unterstützungsersuchen aus dem zivilen Bereich oftmals direkt an die Institute gerichtet. Hier hat die Abteilung F mit ihrem Beauftragten des stellvertretenden Befehlshabers des Unterstützungskommandos der Bundeswehr für den Medizinischen ABC-Schutz die Aufgabe, solche Impulse für den gesamten Medizinischen ABC-Schutz sach- und ebenengerecht in die Führungsstrukturen der Bundeswehr einzubringen.
Abgeleitet von der Notwendigkeit, die Fähigkeiten des Medizinischen ABC-Schutzes in Notfällen und Katastrophenszenarien durchgängig und kurzfristig abrufbar zur Verfügung zu stellen, wurde bei der Abteilung F die „Task Force Medizinischer ABC-Schutz“ etabliert. Sie setzt sich aus Personal der Abteilung F als Führungsgruppe und logistischer Unterstützer sowie lagebezogen aus den jeweiligen Experten der Fachinstitute zusammen. Mindestens zweimal im Jahr werden die Fähigkeiten der Task Force – Detektion, Identifizierung und Dekontamination – in Live-Agent-Trainings beübt, bei der Dekontamination gemeinsam mit Kräften der Sanitäts- und der ABC-Abwehrtruppe.
Weitere Hauptaufgaben der Abteilung F sind die Durchführung des von ihr konzipierten Trainings „Spezialist für den Medizinischen ABC-Schutz“ an der SanAkBw oder die Beratung bzw. die Mitarbeit in Gremien des zivilen Bereichs. Gerade seit 2022 ist die Anzahl entsprechender Anfragen und Zusammenarbeitsbeziehungen förmlich explodiert. Zuletzt haben Fachleute der Abteilung F wie auch der Institute für den Medizinischen ABC-Schutz den Tag der Deutschen Einheit auf Grund eines Amtshilfeersuchens der Bundespolizei durch CBRN-Fachberatung unterstützt.
Generalarzt Prof. Dr. Kai Kehe
Sanitätsakademie der Bundeswehr
Direktorat Wehrmedizinische Forschung und Entwicklung
Gesundheitsversorgung der Bundeswehr
Neuherbergstraße 11
80937 München








