Um weiterhin den medizinischen Herausforderungen, die durch Klimawandel, Globalisierung, Einwanderung, vermehrte Reisetätigkeit und im Falle von Soldaten verschiedenste Einsätze entstehen gewachsen zu sein, durften im Oktober 2024 neun Sanitätsoffiziere aus verschiedenen Bundeswehrkrankenhäusern nach Manaus, Brasilien fliegen. Vom 07.10. – 11.10.2024 fand dort das erste Brasilianisch-Deutsche militärische tropendermatologische Symposium statt. Aus Brasilien nahmen zwölf SanOffz des Heeres und der Luftwaffe aus sechs militärischen Krankenhäusern aus den Bereichen Dermatologie und Infektiologie an der Veranstaltung teil.
Fundação de Medicina Tropical Doutor Heitor Vieira Dourado (FMT-HVD)
Der Kurs begann am 7. Oktober an der FMT-HVD nach der Vorstellung der Einrichtung durch deren Leiter Dr. Marcus Guerra. Die FMT-HVD ist ein überregionales Referenzkrankenhaus für tropenmedizinische Forschung und Erkrankungen mit verschiedensten Ambulanzen und Stationen.
Einige der führenden Experten für tropenmedizinische Erkrankungen (z. B. Leishmaniasis) arbeiten hier. Viele Assistenzärzte und -ärztinnen kommen aus anderen Teilen Brasiliens extra für die Weiterbildung Infektiologie an dieses Krankenhaus. Auch die Bundeswehr entsendet regelmäßig SanOffz zur Weiterbildung Tropenmedizin an diese Einrichtung.
Es folgten Fachvorträge mit Schwerpunkt auf den lokalen Verhältnissen im Amazonasgebiet, zu den Themen kutane Leishmaniasis, tiefe Mykosen wie Lobomykose und Sporotrichose, Unfälle mit giftigen Tieren, Zika-Virus, MPox-Infektionen, Malaria, HIV-Infektionen und Autoimmundermatosen. Hierbei erfuhren wir, dass seit einigen Jahren in Manaus eine Epidemie mit Sporotrichose grassiert.
Hierbei handelt es sich allerdings nicht um Sporothrix schenkii, der in Deutschland für die Sporotrichose verantwortlich ist und hauptsächlich bei der Gartenarbeit, insbesondere durch eine Verletzung mit Dornen von Rosen übertragen wird (deswegen auch „Rosengärtner-Krankheit“ genannt).
In Manaus handelt es sich in der Regel um Sporothrix brasiliensis, der durch Katzen übertragen wird und zu Knoten und Ulzerationen der Haut führt. Die Dermatologen/ Dermatologinnen sehen dieses Krankheitsbild hier mittlerweile täglich, häufig auch bei Kindern.
Ein weiterer Unterschied zu Europa ist, dass hier die mukokutane Form der Leishmaniasis vorkommt. Häufig zeigen sich dabei Ulzerationen in der Nasenhöhle (v. a. am Septum). Während wir in Deutschland in der Regel eine Malaria tropica bei Reiserückkehrern oder bei Soldaten im oder nach einem Einsatz in Afrika sehen, ist in Manaus die Malaria tertiana mit 80 Prozent die vorherrschende Form.
Hier gilt es nach der Akutbehandlung zu beachten, dass eine Rezidivprophylaxe mit Primaquin durchzuführen ist, um die Hypnozoiten in der Leber zu eradizieren. Es fand darüber hinaus ein lehrreicher fachlicher Austausch zu den Themen militärischer und humanitärer Hilfseinsätze bzw. militärischer Ausbildung im Tropengebiet statt.
Am 8. Oktober gab es weitere Fallvorstellungen und Patientensichtungen. Nach Bildung von Kleingruppen wurde diesen nach Einverständnis der Patienten die Möglichkeit gegeben, diese selbst zu anamnestizieren und zu untersuchen, um im Anschluss diese Fälle im Plenum zu diskutieren.

Comando Militar de Amazonas (CMA) und des Centro de Instrução de Guerra na Selva (CIGS)
Am dritten Tag wurde das CMA besichtigt, begrüßt wurden wir von dessen Kommandeur General Costa Neves. Die dort durchgeführte Führung schloss die Landes- und Militärgeschichte Amazoniens mit einem anschließenden Besuch der Ausbildungsstätte CIGS ein. Das CIGS bietet auf diesem Gebiet weltweit führende Lehrgänge an, um den Dschungelkampf realitätsnah, angepasst an den Einsatzort Tropen, zu üben.
Es wurden die medizinischen Herausforderungen von militärischen Operationen im Dschungel dargestellt, welche neben den tropendermatologischen Krankheitsbildern auch klimatisch bedingte Probleme wie die Exsikkose und Rhabdomyolyse thematisierten. Unter anderen erfreute sich der Kurs seit Jahren wieder einmal an zwei deutschen Teilnehmern. Es schloss sich eine Besichtigung der zoologischen Anlage mit einheimischen Tieren an.
Die Tiere sind zum Teil Fundtiere, die gepflegt und auf die Wiederauswilderung vorbereitet werden. Andere werden dort zu Ausbildungszwecken gehalten und helfen den Soldatinnen und Soldaten, die Wildnis im Amazonas besser zu verstehen sowie sich selbst als Teil des dortigen Bioms zu verstehen.
Fundação Hospitalar de Dermatologia Tropical Alfredo da Matta (FUHAM)
Die letzten beiden Tage des Kurses wurden am FUHAM verbracht, ein weiteres Referenzkrankenhaus mit Spezialisierung auf Tropendermatologie. Es gab Fachvorträge, Fallvorstellungen und Patientensichtungen zu Sporotrichose, kutaner Leishmaniasis, Lobomykose, sexuell übertragbaren Infektionen und Lepra.
Die Lobomykose ist eine tiefe Mykose, die endemisch im Amazonas-Gebiet vorkommt und durch den dimorphen Pilz Lacazia loboi übertragen wird. Nach Inokulation über kleine Hautverletzungen oder Insektenstiche kommt es zu papulösen und teils ulzerierenden Knoten. Bis sich das Vollbild ausbildet kann es mehrere Jahrzehnte dauern.
Die Therapie gestaltet sich äußerst schwierig, da kaum ein Antimykotikum wirksam ist. Eine chirurgische Exzision der Läsionen ist möglich, jedoch kommt es danach häufig zu einem Wiederauftreten der Hautveränderungen. Wir erhielten außerdem einen Einblick in die brasilianische Sozialmedizin, unter anderen bzgl. der Anschlussversorgung von Lepra-Patienten mit Prothesen, angepassten Hilfsmitteln und Physiotherapie.
Auch die Themen Telemedizin und medizinische Expeditionsversorgungen im mobilitätseingeschränkten Amazonasgebiet wurden vorgestellt. Als Rahmenprogramm wurden ein gemeinsames Abendessen, der Besuch des Amazonas-Museums und die sehr beeindruckende Staatsoper im Zentrum organisiert.
Fazit
Für alle teilnehmenden SanOffz fand ein qualitativ hochwertiger Austausch, sowohl kollegial als auch fachlich im Bereich der Tropenmedizin und Tropendermatologie statt. Zudem konnten wir einen kleinen Einblick in die brasilianische Kultur gewinnen.
Im Rahmen dieses Symposiums konnten auch entsprechende Kontakte geknüpft, gefestigt und organisatorische Fragen geklärt werden, um in Zukunft weiterhin Sanitätsoffiziere zur tropenmedizinischen Ausbildung nach Manaus kommandieren zu können. Ich selbst befinde mich seit dem 29.06.2025 in Manaus an der FMT-HVD und kann nur bestätigen, dass dies hier eine ideale Ausbildungsstätte für Sanitätsoffiziere in Bezug auf Tropenmedizin und Tropendermatologie darstellt.
Für die Verfasser:
OFA Dr. Fenja Gläsle
Fachärztin für Dermatologie und Venerologie
BWK Hamburg
Lesserstraße 180
22049 Hamburg







