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Nach Zahnextraktion – Verdacht auf Osteomyelitis – ein Fallbericht

A. Mund, Oliver Jüllig

Sechs Monate nach der Zahnextraktion Nr 26 traten weiterhin ungeklärte Beschwerden auf. Zur weiterführenden Diagnostik wurde der Patient an die Abteilung Zahnmedizin des Bundeswehrkrankenhauses Berlin überwiesen. Mittels digitaler Volumentomographie zeigte sich eine hypodense Veränderung im Bereich der ehemaligen bukkalen Wurzel mit mottenfraßähnlichem Aussehen. Unter der Verdachtsdiagnose Osteomyelitis erfolgte eine chirurgische Osteotomie der Regio 26 mit augmentativen Maßnahmen und einer Antibiotikatherapie für 4 Wochen mit einem Penicillinderivat in Kombination mit einem β-Laktamase-Inhibitor. Bereits einen Monat nach dem Eingriff hatte der Patient eine deutliche Reduktion des Leidensdrucks mit gelegentlichen nicht beeinträchtigenden Beschwerden.

Zahnextraktion: Axiales CT des Oberkiefers bei Erstvorstellung im BwKrhs Berlin: Verschattung des Sinus maxillaris links ohne periapikale Osteolyse
Zahnextraktion: Axiales CT des Oberkiefers bei Erstvorstellung im BwKrhs Berlin: Verschattung des Sinus maxillaris links ohne periapikale Osteolyse
Foto: O. Jüllig/ Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Eine Osteomyelitis ist eine Infektion des Knochenmarks, die sich auf den gesamten Knochen ausbreiten kann. Auslöser im Bereich der Kiefer sind unter anderem dentale Infektionen (z. B. Gingivitis, Periimplantitis, parodontale oder endodontale Läsionen), Frakturen, Tumorerkrankungen oder Bestrahlungen. Dabei ist der Unterkiefer häufiger als der Oberkiefer betroffen. Die Osteomyelitis ist meistens auf einen anatomischen Bereich beschränkt, wobei bei Patienten mit Diabetes, Immunsuppression oder bei hospitalisierten Patienten eine Ausbreitung in andere Bereiche beobachtet werden konnte.

Hauptsächlich werden fakultativ anaerobe gramnegative Bakterien in Biopsien von infizierten Knochen nachgewiesen, die im oralen Biofilm vorkommen und häufig schwer zu kultivieren sind. Während die Infektion voranschreitet, kann sich Eiter bilden und der Druck im Knochenmark steigen. Dies führt zu Knochennekrose, Auftreibung des Periosts, abnormaler Kortikalis und Abszedierungen. Radiologisch kann sich ein Bild von Mottenfraß zeigen. Mögliche Symptome sind Schmerzen, Gesichtsschwellung, eingeschränkte Mundöffnung, Fieber, Malaise und Lymphadenopathie. Im Unterkiefer kann eine Parästhesie der Lippe auftreten (Vincent-Symptom). Die Krankheitszeichen können durch die Einnahme von antiinflammatorischen und antimikrobiellen Medikamenten verschleiert werden.

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Als Differentialdiagnose sollte an Osteosarkome, ein Plattenepithelkarzinom oder fibröse Dysplasie gedacht werden. Die Therapie erfordert eine langandauernde Antibiotikagabe über 4–8 Wochen in Kombination mit der Gabe eines β-Laktamase-Inhibitors wie z. B. Clavulansäure. Da die Penetration der Antibiotika in den infizierten oder nekrotischen Knochen schlecht ist, sollte eine chirurgische Entfernung der infizierten Knochenanteile erfolgen.

Wehrmedizinische Monatsschrift WMM 3/2026: Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.

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