Im militärischen Einsatz zählt jede Sekunde – besonders bei Gesichts- und Halsverletzungen mit massiver Blutung. Atemwegsverlegungen gehören zu den zweithäufigsten vermeidbaren Todesursachen, doch in der Praxis werden viele indizierte Interventionen nicht durchgeführt. Die SALAD-Technik (Suction-Assisted Laryngoscopy and Airway Decontamination) setzt genau hier an: Durch standardisierte Absaugung und optimiertes Intubationsvorgehen verbessert sie die First-Pass-Success-Raten selbst bei stark kontaminierten Atemwegen. Aktuelles Training am Bundeswehrkrankenhaus Berlin zeigt, wie praxisnahes Skill-Training und leistungsstarke Absauggeräte die Überlebenschancen von Verwundeten im Einsatz entscheidend erhöhen können.

SALAD-Training unter laufender mechanischer Thoraxkompression, Sauger „parkt“ links neben Laryngoskopspatel.
SALAD-Training unter laufender mechanischer Thoraxkompression, Sauger „parkt“ links neben Laryngoskopspatel.
Foto: Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Gemäß international anerkannter Leitlinien und Empfehlungen folgt die Sicherung der Atemwege unmittelbar nach der Blutungskontrolle als vorrangige Maßnahme in der Trauma- und Verwundetenversorgung. Im militärischen Kontext haben Verbesserungen in Schutzausrüstung, Waffentechnik und Taktik zu einer höheren Inzidenz von Gesichts- und Halsverletzungen geführt, die häufig mit massiver Blutung, Erbrochenem oder Fremdkörpern einhergehen.

Dabei zählen Atemwegsverlegungen zu den zweithäufigsten vermeidbaren Todesursachen im militärischen Setting. Unzureichendes Atemwegsmanagement führt jedoch nicht nur zu erhöhter Mortalität, sondern auch erhöhter Morbidität durch Folgen von Hypoxie und Aspiration.

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Trotz dieser hohen Relevanz wird das Problem bisweilen weniger konsequent adressiert als etwa Blutungskontrolle und Schädel-Hirn-Trauma. Daten aus Auslandseinsätzen zufolge werden mitunter mehr als die Hälfte an indizierten Atemwegsinterventionen nicht durchgeführt und niedrige Erfolgsraten erzielt. Als eine Ursache hierfür wird die unzureichende Visualisierung des kontaminierten Atemwegs infolge fehlender oder ineffektiver Absaugung diskutiert. In der zivilen Forschung ist dies bereits als ein führender Faktor belegt.

Hieraus folgt, dass Atemwegsdekontamination mittels Absaugung keine Nebensächlichkeit, sondern zentrale Voraussetzung für jede Form des Atemwegmanagements von Notfallpatienten sein muss. Zur endotrachealen Intubation erhöht Videolaryngoskopie nachweislich die First-Pass-Success-Raten – insbesondere hier muss zusätzlich Priorität darauf gelegt werden, die Kamera frei von Flüssigkeiten zu halten. Effektive Absauggeräte und -technik sind daher für die Einsatzmedizin essenziell.

Die militärische Forschung arbeitet seit einigen Jahren an leichteren, leistungsstarken Absaugsystemen. Dennoch besteht eine Ausbildungslücke: Es gibt bislang kein flächendeckend etabliertes Vorgehen mit spezifischem Training für den Umgang mit massiv kontaminierten Atemwegen im militärischen Setting.

Regelmäßig wird in der Literatur auf erheblichen Nachholbedarf an Atemwegstraining für medizinisches Fachpersonal hingewiesen. Bereits seit 2023 wird daher auf der Combat Medical Care Conference (CMC) eine neue Technik im Airway-Workshop trainiert, um Abhilfe zu schaffen.

Die Suction-Assisted Laryngoscopy and Airway Decontamination (SALAD)-Technik bietet ein praxistaugliches Konzept. Sie definiert sowohl die materiellen Voraussetzungen als auch die notwendigen Fertigkeiten mit einem standardisierten Ablauf. Auf diese Weise entsteht ein klares mentales Modell, das die Erfolgsaussichten der Atemwegssicherung auch unter widrigsten Bedingungen verbessert.

Infografik zur SALAD Technik
Infografik zur SALAD Technik
Grafik: Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Fallbericht für SALAD

Um 03:00 AM wird ein 30-jähriger Patient mit multiplen Schussverletzungen im Bereich von Gesicht, Hals, Thorax, Abdomen und Becken in den Schockraum eingeliefert. Bei Eintreffen sind ein nasopharyngealer Atemweg (NPA) sowie ein nicht mehr funktionsfähiger 20G-Zugang vorhanden; weitere medizinische Maßnahmen wurden bislang nicht durchgeführt. Nach kurzem cABCDE- bzw. MARCH-Assessment erfolgt die Übernahme.

Bereits während des Primary Survey erbricht der Patient schaumig-blutiges Sekret und zeigt eine rasche Vigilanzminderung von initial GCS 12 auf 8. Eine vorübergehende Seitenlagerung zum Offenhalten der Atemwege bleibt ineffektiv. Es wird die Indikation zur Notfallnarkose unter Koniotomie-Bereitschaft gestellt.

Die ersten beiden Intubationsversuche scheitern trotz intermittierender Absaugung an massivem Blut und Schaum im Oropharynx. Daraufhin wird durch eine zweite Person die SALAD-Technik eingesetzt: Durch Platzierung des großlumigen Absaugkatheters links des Laryngoskops in den Ösophaguseingang wird eine deutlich verbesserte Sicht ermöglicht.

Unter kontinuierlicher Absaugung gelingt nun die endotracheale Intubation. Parallel erfolgt die laterale Hemithorakotomie mit Aortic Cross-Clamp. Der Patient wird anschließend im Rahmen von Damage Control Resuscitation (DCR) und Damage Control Surgery (DCS) unter Massivtransfusion weiterbehandelt.

SALAD-Training am BwKrhs Berlin
SALAD-Training am BwKrhs Berlin
Foto: Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Hintergrund und Evidenzlage

Die SALAD-Technik wurde von DuCanto et al. entwickelt, um den Herausforderungen potenziell massiv kontaminierter Atemwege proaktiv und standardisiert zu begegnen. Die Nutzung der Technik wird für die Notfallatemwegssicherung empfohlen.

Anders als das mitunter verbreitete intermittierende Absaugen mit flexiblen oder kleineren Yankauer Absaugkathetern nutzt SALAD einen großlumigen und starren Absaugkatheter, wie schon 2005 von Helm et al beschrieben und von der S1-Leitlinie präklinisches Atemwegsmanagement empfohlen. Flexible Absaugkatheter bieten aufgrund ihres geringen Durchmessers nur eine eingeschränkte Saugleistung und lassen sich nur schwer in die Tiefen des Oro- und Hypopharynx leiten.

Der starre Absaugkatheter verbleibt hingegen während der gesamten Laryngoskopie und Intubation im Oropharynx. Dadurch wird nicht nur eine kontinuierliche freie Sicht auf die Glottis gewährleistet, sondern gleichzeitig ein klares mentales Modell für das Vorgehen vermittelt: „Sauger führt – Laryngoskop folgt – Sauger parkt“.

Die Evidenzlage basiert auf Simulations- und Beobachtungsstudien mit signifikanter Verkürzung der Intubationszeit, höheren First-Pass-Success-Raten und einer besseren Beherrschbarkeit massiv kontaminierter Atemwege.

Ergänzend berichten Fallserien über erfolgreiche Anwendungen in Szenarien von einer Schussverletzung des Gesichts, arterieller intraoraler Blutung, bis hin zu massiver trachealer Sekretion. SALAD-Fertigkeiten lassen sich durch modifizierte Simulationspuppen oder Kadaver realitätsnah trainieren und zeigen eine steile Lernkurve. Ergänzend zu den Vorteilen sind die Limitationen der SALAD-Technik zu berücksichtigen.

Sie ist bei chirurgischen Atemwegszugängen nicht an­wend­bar und die Evidenzlage beruht bislang überwiegend auf Simulationen und Fallberichten, sodass robuste klinische Daten insbesondere im militärischen Kontext fehlen. Darüber hinaus ist die Methode von einer leistungsfähigen Absaugeinheit und entsprechendem Saugersatz abhängig, die im Einsatz nicht immer zuverlässig verfügbar sind.

Ein sicherer Ablauf setzt gezieltes Training voraus, da die Technik ohne Übung im Stress kaum abrufbar ist. Zusammenfassend bietet SALAD ein strukturiertes Konzept zur Bewältigung kontaminierter Atemwege. Die vorliegenden Daten sprechen für eine hohe Praxistauglichkeit – auch in militärischen Einsatzszenarien. Besonders im Kontext des Forward Surgical Element (FSE) dürfte eine standardisierte Vermittlung einen großen praktischen Nutzen entfalten.

Zusammenfassung

Die SALAD-Technik verbindet geeignetes Equipment mit optimierter Technik durch Skilltraining und erhöht die Chancen auf First-Pass-Success auch bei massiv kontaminierten Atemwegen. Gleichzeitig rückt die Entwicklung leichterer und leistungsstärkerer Absauggeräte zunehmend in den Fokus, um den besonderen Anforderungen der Einsatzmedizin in den verschiedenen Anwendungsebenen gerecht zu werden. Für eine breite Implementierung der Technik im militärischen Kontext sind weitere Untersuchungen erforderlich. Parallel dazu erscheint die Integration von SALAD in Ausbildungscurricula, ergänzt durch klare Handlungsempfehlungen, als ein sinnvoller Schritt zur Optimierung des Atemwegsmanagements im militärischen Einsatz.

Literaturverzeichnis beim Verfasser

Für die Verfasser:

Oberstabsarzt Justus Wolff
Klinik X, AG TEK
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Scharnhorststr. 13
10115 Berlin