Zahnärzte sind bei Gefahrenlagen eine besonders wichtige Schnittstelle, denn sie können eine allgemeinzahnärztliche Versorgung im Sinne von Erste-Hilfe-Leistung übernehmen und verfügen darüber hinaus über chirurgische Kompetenz. Diese haben sie bei typisch zahnärztlichen Diagnosen (z.B. Kieferbruch) ebenso wie bei allgemeinchirurgischen Indikationen und operieren hier beispielsweise bei einem Armbruch gemeinsam mit einem Orthopäden/Unfallchirurgen. Als unabdingbare Voraussetzung, um die militärisch-zivile Schnittstellenfunktion ausfüllen zu können, benötigt der zivile Zahnarzt lokale Netzwerke (über die fast jeder Kollege verfügt), Teamfähigkeit (die er im zahnärztlichen Alltag ohnehin lebt) und die Fähigkeit zu schnellen Entscheidungen (die er ebenfalls täglich trifft). Kommt dann noch ein gewisser militärischer Background hinzu, ist die zivil-militärische zahnärztliche Schnittstelle und damit die Stärkung der Resilienz perfekt.
Expertise in puncto schnelle Eingriffe zur Erhöhung der Resilienz
In Gefahrenlagen erweitert zahnärztliches Personal aus dem Militär, auf Anforderung, die Kapazität. Darüber hinaus bringen Bundeswehrzahnärzte ihre spezielle Expertise ein. Denn die Akutversorgung stellt nun das Zentrum aller zahnärztlicher Aktivitäten dar: Blutungen stillen, Infektionen bekämpfen, starke Schmerzen beseitigen (wenn nötig durch Extraktion); die konservierende Zahnheilkunde wird mitbedacht, kommt allerdings erst in zweiter Linie zum Zuge.
Auf diese Situation ist die Wehr-Zahnmedizin aufgrund ihrer speziellen Ausrichtung auf die Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit von Soldaten von vorneherein gut eingestellt. Hinzu kommt durch die ABC-Ausbildung eine besondere CBRN-Kompetenz (Freisetzung chemischer, biologischer, radiologischer oder nuklearer Stoffe). Durchweg sind hier schnelle Entscheidungen und schnelle Eingriffe gefragt, ob es sich nun um eine Naturkatastrophe, um eine Welle von Erkrankungen, gefährliche Substanzen oder um den Verteidigungsfall handelt.
So gibt es im Endeffekt eine Zahnmedizin, die sich von unterschiedlichen Ausgangspunkten angehen lässt. Im Sinne einer größtmöglichen Resilienz arbeiten zivile und militärische Zahnärzte so eng wie möglich zusammen. Auch die deutsche Gesetzgebung verfolgt diese Strategie ausdrücklich: Resilienz als Fähigkeit, sich rechtzeitig und effizient den Auswirkungen einer Gefährdung zu widersetzen, diese zu absorbieren, sich an sie anzupassen, sie umzuwandeln und sich von ihnen zu erholen, gelingt nur gemeinsam und zahlt sich in der Rettung von Menschenleben und durch eine Verringerung von Schäden für die Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt aus. Es versteht sich von selbst, dass die Zusammenarbeit von Bundeswehrzahnärzten und zivilen Zahnärzten dafür unverzichtbar ist. So hat sie sich denn auch seit Jahren durch verschiedene Formate in der gemeinsamen Verbandsarbeit etabliert (DGWMP, BZÄK, KZBV, DGZMK/Arbeitskreis Wehrmedizin).