Das sicherheitspolitische Umfeld verändert sich und davon kann auch die Ausbildung an der Sanitätsakademie der Bundeswehr nicht unberührt bleiben. Gegenwärtig werden wir Zeugen der wohl gravierendsten Umbrüche in der globalen und europäischen Sicherheitsarchitektur seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. An der Ostflanke der Nato fordert Russland unter Wladimir Putin Europas Friedensordnung mit seiner neo-imperialistischen Politik heraus. H
ier geht es um weit mehr als das Existenzrecht der Ukraine. Russlands hybride Kriegführung zielt auf die europäischen Gesellschaften als solche. Die Bundeswehr und deren Gesundheitsversorgung, der Sanitätsdienst, sind der Garant für den Schutz der Integrität und Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und deren Gesellschaft einerseits sowie die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Partnern in der Verteidigungsallianz des Nordatlantikbündnisses andererseits. Mit dem Begriff der Landes- und Bündnisverteidigung ist dieser Auftrag prägnant zusammengefasst.
Die Einsatzarmee Bundeswehr der ersten anderthalb Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts muss nun wieder vor allem Verteidigungsarmee sein. Damit verbunden ist nicht allein die Notwendigkeit des Erwerbs einer Vielzahl neuer und das Training einiger bereits bewährter Fähigkeiten, sondern auch die Schaffung einer Struktur, die diesem neuen Auftrag gerecht wird. Für die Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, die Sanität, bedeutet das nichts weniger als einen fundamentalen Paradigmenwechsel.
Nach den unbestritten oft herausfordernden integrierten Einsätzen im Zuge des internationalen Krisenmanagements geht es nun um ungleich komplexere Lagebilder, wie sie sich in Russlands Krieg gegen den Nachbarn Ukraine abzeichnen. Internationale Regelwerke wie das Genfer Abkommen werden hier regelmäßig missachtet. Sanitätspersonal ist durch ständig weiterentwickelte Waffensysteme, allen voran Drohnen, allgegenwärtig bedroht und dadurch massiv in der Beweglichkeit eingeschränkt. Viel gravierender ist jedoch: Die Größenverhältnisse ändern sich – und das grundlegend.
Aus den »kleinen Rettungsketten«, wenn man so will, den Missionen im internationalen Krisenmanagement, werden die »großen Rettungsketten« der Landes- und Bündnisverteidigung. Eine deutlich höhere Zahl an Verwundeten muss mit einem ungleich höheren Einsatz an Personal und Material versorgt und transportiert werden – nötigenfalls durch halb Europa.
Die reibungslose Zusammenarbeit mit den Partnernationen in der NATO hierbei gelingt nur auf der Basis international etablierter Standards. Die ambulante und stationäre sanitätsdienstliche Versorgung aller Soldatinnen und Soldaten in der Heimat bleibt davon unberührt. Sie muss nichtsdestoweniger gewährleistet werden.









