Aufgabenspektrum der Malteser mit dem Fokus ­„Zivil-Militärische Zusammenarbeit“ und Kooperationen mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr

K. Walraf

Zivil-militärische Zusammenarbeit gewinnt angesichts wachsender sicherheitspolitischer und gesellschaftlicher Krisen zunehmend an Bedeutung. Ob im Verteidigungsfall, bei Großschadenslagen oder in internationalen Einsätzen: Die Bundeswehr ist auf die strukturierte Unterstützung ziviler Hilfsorganisationen angewiesen. Der Malteser Hilfsdienst bringt sich dabei gezielt in Schlüsselbereichen wie der sanitätsdienstlichen Unterstützung, dem strategischen Patiententransport und gemeinsamen Übungen ein. Der Beitrag zeigt, wie aus unterschiedlichen Kulturen, Standards und Routinen durch Training und Vertrauen eine belastbare Partnerschaft entsteht – und warum funktionierende ZMZ ein zentraler Baustein moderner Gesamtverteidigung ist.

Malteser im Hochwasser-Einsatz 2021 - Gemeinsam mit der Bundeswehr werden ausgeflogene Patienten versorgt
Malteser im Hochwasser-Einsatz 2021 - Gemeinsam mit der Bundeswehr werden ausgeflogene Patienten versorgt.
Foto: Malteser Hilfsdienst

Der Begriff Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) beschreibt das koordinierte Zusammenwirken von staatlichen und nichtstaatlichen zivilen Organisationen mit den Streitkräften – sowohl im Rahmen der Bündnis- und Landesverteidigung, als auch bei der Gefahrenabwehr, Katastrophenhilfe sowie bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Kontext von Stabilisierungsoperationen oder humanitären Hilfsmaßnahmen.

Die Bereitschaft sich der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit verstärkt zu widmen, ist vor dem Hintergrund der vielfältigen Krisen, die uns drohen, gestiegen. Dass zivile Organisationen die Bundeswehr aktiv unterstützen sollen, ist ein relativ neues Szenario, das sich erst im Zuge der aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen konkretisiert. Die Bundeswehr braucht für die großen nationalen Herausforderungen Unterstützung.

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Als Themenfelder sieht der Malteser Hilfsdienst:

1. Unterstützung der Bundeswehrkrankenhäuser

Im Spannungs- oder Verteidigungsfall wird ein erheblicher Teil des medizinischen Personals der Bundeswehr in Einsatzgebiete verlegt. Die dadurch entstehenden personellen Lücken in den Bundeswehrkrankenhäusern sollen unter anderem durch zivile Organisationen wie Malteser, Johanniter, Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund geschlossen werden.

2. Strategischer Patiententransport

Im Verteidigungsfall ist mit einer hohen Zahl an Verwundeten zu rechnen, die transportiert werden müssen. Weder die Bundeswehr noch der öffentliche Rettungsdienst werden dies allein bewältigen können. Daher sind Malteser, Johanniter, DRK und andere als unterstützende Organisation eingeplant – beispielsweise beim Transport von Patienten mit Lazarettzügen aus dem Einsatzgebiet heraus.

Zivil-militärische Zusammenarbeit – Übung der Bundeswehr mit den Maltesern.
Zivil-militärische Zusammenarbeit – Übung der Bundeswehr mit den Maltesern.
Foto: Malteser Hilfsdienst

3. Gemeinsame Übungen

Die Zusammenarbeit wird regelmäßig in gemeinsamen Übungen trainiert. Anfang Juli fand die Informations- und Lehrübung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Feldkirchen/Bayern statt. Sie wendete sich an die Teilnehmenden des Generalstabslehrgangs, an aktive Soldatinnen und Soldaten, an die zivilen Hilfsorganisationen sowie an Interessierte aus Politik, Wissenschaft.

Ziel ist es, die Fähigkeiten der medizinischen Versorgungsmöglichkeiten und die Arbeit des Sanitätsdienstes der Bundeswehr zu vermitteln. Aber auch die Nahtstelle zur Arbeit des Zivilschutzes und dessen Leistungsspektrum wird sichtbar. Es gilt Abläufe zu erproben, Schnittstellen zu optimieren und die Zusammenarbeit im Ernstfall zu verbessern.

Beispielhaft ist auch zu nennen eine „Lokale Katastrophenschutzübung interdisziplinär (LoKi)“ in Düsseldorf im Herbst 2024. Infolge einer Luftmine an einem Bundeswehr-Standort werden die örtlichen zivilen Hilfsorganisationen für einen Massenanfall von Verletzten zur Hilfe gerufen, parallel zu den Bundeswehr-Sanitätern, die aus dem benachbarten Köln angefordert sind.

Die Patientenablage hat begonnen, als die Bundehr-Sanitätskräfte dazustoßen und das Kommando vollends übernehmen. Fahrzeuge der Bundeswehr sind den ehrenamtlichen Sanitätskräften der Malteser und anderen „weißen“ Organisation nicht vertraut.

Weder ihre Bezeichnung, noch ihre Ausstattung oder ihr Leistungsspektrum, was etwa den Schutz oder die Versorgungsqualität der Patienten angeht. Die gemischten Teams müssen erst die gemeinsame Sprache lernen, um wirklich Hand in Hand arbeiten zu können.

Zivil-militärische Zusammenarbeit – Übung der Bundeswehr mit den Maltesern.
Zivil-militärische Zusammenarbeit – Übung der Bundeswehr mit den Maltesern.
Foto: Malteser Hilfsdienst

Zivile Hilfsorganisationen pflegen die Standards der Individualmedizin. Viele ihrer Ehrenamtlichen arbeiten hauptamtlich in medizinischen oder pflegenden Berufen (Rettungsdienst, Krankenhäuser, Altenhilfe) oder Zusammenhängen (der Träger und Verwaltungen). Die Bundeswehr trainiert dagegen die Erstversorgung und Medizin in der Katastrophe.

Mehrere Verletzte in einem Rettungsmittel sind in ihren Szenarien durchaus üblich. Die Folge: Fünf Tourniquets zur Blutstillung „am Mann“ oder in einem Fahrzeug sind bei einer Luftmine eher das richtige Maß – so halten die ehrenamtlichen Sanitäterinnen und Sanitäter später in der Analyse für sich fest.

Ein weiterer Unterschied: Die Kolleginnen und Kollegen in Tarnuniform trainieren die Katastrophe jeden Tag, die Ehrenamtlichen in der Regel zwei Stunden die Woche. Gleichwohl gibt es Bereiche, die im Gleichschritt laufen, wie zum Beispiel die Notfallsanitäter-Ausbildung. Sie wird auch von den Bundeswehr-Sanitäterinnen und Sanitätern an den zivilen Rettungsdienstschulen absolviert.

Die Auszubildende für den Rettungsdienst und die angehende Sanitätssoldatin lernen in drei Jahren dieselben Grundlagen. Gemeinsame Übungen helfen, Krisen mit großem Ausmaß auch mit dem entsprechendem Instrumentarium und mindset zu begegnen. Dazu gehört auch, miteinander ins Gespräch zu kommen – von „Sani“ zu „Sani“.

In der Praxis war die zivil-militärische Zusammenarbeit zwischen den Hilfsorganisationen und der Bundeswehr in den vergangenen Jahren vor allem während großer Katastrophenlagen offensichtlich – etwa im Ahrtal (2021) oder während der Corona-Pandemie (2020–2022).

 

Für die Verfasser:

Klaus Walraff
Referent Public Relations
Abtlg. Kommunikation
Malteser Hilfsdienst e. V. - ­Generalsekretariat –
Erna-Scheffler-Straße 2
51103 Köln

 

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