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Die Reorganisation der Sanitätsakademie der Bundeswehr

Thomas Benner

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges in einer sicherheitspolitischen Lage, die sich grundlegend verändert hat, bedeutet die „Zeitenwende“, die Bundeskanzler Olaf Scholz im Februar 2022 ausrief, auch den Bedarf struktureller Veränderungen der Bundeswehr. Die gegenwärtige Reorganisation der Bundeswehr im Allgemeinen und der Sanitätsakademie im Speziellemn ist Ausdruck dieses umfassenden Anpassungsprozesses. Das Ziel ist, an neue sicherheitspolitische Realitäten und an den Anspruch, im Bündnisrahmen von NATO und EU wieder glaubwürdig verteidigungs- und abschreckungsfähig zu werden. Dieser Umbau geht unter anderem einher mit der Zusammenführung der bisher eigenständigen militärischen Organisationsbereiche Streitkräftebasis (SKB) und Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr (ZSanDstBw) in einen neu geschaffenen Unterstützungsbereich (UstgBer) unter zentraler Führung durch das Unterstützungskommando der Bundeswehr (UstgKdoBw).

Die Reorganisation der Sanitätsakademie der Bundeswehr: Projektgliederung im Zuge der Umstrukturierung der Sanitätsakademie der Bundeswehr. ( Abb.: Sanitätsakademie der Bundeswehr / Thomas Benner)
Projektgliederung im Zuge der Umstrukturierung der Sanitätsakademie der Bundeswehr.
Grafik: Sanitätsakademie der Bundeswehr / Thomas Benner

Der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr im Unterstützungsbereich soll zukünftig durch mehrere Säulen geprägt sein, die im Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr abgebildet sind:

• ambulante Patientenversorgung,

• klinische Patientenversorgung und

• Sanitätsakademie der Bundeswehr mit den Bereichen
– Ausbildung,
– Wissenschaft und Forschung sowie
– Gesundheitsschutz und Gesundheitssicherheit.

Das konzeptionelle Rational dahinter ist die Rettungskette als der zentrale Einsatzprozess im Sinne des Versorgungskontinuums der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (GesVersBw). In Hinblick auf die Ausrichtung auf Landes- und Bündisverteidigung (LV/BV) stellt diese Form der Neuordnung eine Abkehr von der bisherigen Orientierung am Internationalen Krisenmanagement (IKM) dar; sie übernimmt bewusst auch nicht den Ansatz des zivilen Gesundheitssystems einer „integrierten Versorgung“, bei der ambulante und klinische Anteile zusammengefasst werden. Mit der Organisation entlang der Rettungskette wird die Kriegstüchtigkeit aus der Grundaufstellung heraus gestärkt.

Ausgestaltung der Sanitätsakademie der Bundeswehr (SanAkBw)

Bisher war die SanAkBw

  • im Direktorat Ausbildung/Lehre GesVersBw über vier Abteilungen sowohl das „Ausbildungskommando des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (SanDstBw)“ in Zuarbeit für das Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr (KdoSanDstBw) als auch die zentrale Ausbildungseinrichtung für die Unteroffizier- und Offizier- sowie gesundheitsfachliche Ausbildung und ebenso
  • im Direktorat Wehrmedizinische Wissenschaft und Fähigkeitsentwicklung in drei Abteilungen für Führung, Konzeption und Weiterentwicklung des medizinischen ABC-Schutzes, der wehrmedizinischen Forschung sowie für Fähigkeitsentwicklung, Weiterentwicklung und Wissensmanagement des SanDstBw verantwortlich.

Dazu führte die SanAkBw bislang die drei Institute des medizinischen ABC-Schutzes unmittelbar.

Durch den Osnabrücker Erlass sowie den Organisationserlass zur Aufstellung des Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (KdoGesVersBw) wurde zum 1. April 2025

– die Verantwortung für die fachdienstliche und querschnittliche Ausbildung im Sanitätsdienst in alleiniger Zuständigkeit der SanAkBw gebündelt;
– die Zuständigkeit für die Fachaufsicht sowie die Koordination und Konzentration Öffentlich-Rechtlicher Aufgaben an die SanAkBw verortet und
– sieben Dienststellen aus dem bisherigen Unterstellungsverhältnis KdoSanDstBw der SanAkBw unterstellt – namentlich das Institut für Präventivmedizin, die beiden Zentralinstitute des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sowie die vier Überwachungsstellen Öffentlich-Rechtliche Aufgaben.

Bündelung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung

Zur zielgerichteten Sicherstellung der am handlungsleitenden Auftrag LV/BV auszurichtenden Aufgaben Ausbildung, ‚Wissenschaft, medizinischer ABC-Schutz, Fachaufsicht, Koordination und Konzentration Öffentlich-Rechtlicher Aufgaben in Gesundheitschutz und Gesundheitssicherheit sind Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung zu bündeln. Strukturen, Verfahren und Prozesse sind innovationsfreudig, reaktionsfähig und unter Berücksichtigung auch bundeswehrgemeinsamer, ziviler sowie multinationaler Anknüpfpunkte auszubringen und damit auch IKM-bedingte, nicht mehr zeitgemäße Strukturen abzugrenzen.

Dieses Aufgabenspektrum soll künftig durch die drei Direktorate Ausbildung, Wissenschaft und Gesundheitsschutz/-sicherheit wahrgenommen und der bisherige Ausbildungsanteil („Schule“) als „echte“ eigenständige Ausbildungseinrichtung unterstellt werden.

Mit der Übernahme der Gesamtverantwortung für die Aufgabe Ausbildung für die GesVersBw durch die SanAkBw zum 1. April 2025, damit Fusion der bislang im KdoSanDstBw für Ausbildung zuständigen beiden Organisationselementen mit eineinhalb Abteilungen SanAkBw, und gleichzeitig zur klaren Bündelung der Verantwortung („Schule aus einer Hand“) sowie in Analogie zu allen anderen Ausbildungseinrichtungen/Truppenschulen der Bundeswehr soll eine Trennung in ein Direktorat Ausbildung GesVersBw mit drei Referaten einerseits sowie andererseits in ein Ausbildungszentrum GesVersBw als eigenständige, der SanAkBw unterstellte Dienststelle vollzogen werden. Das Direktorat Ausbildung GesVersBw mit seinen Anteilen Grundsatz, Ausbildungsmanagement und Digitalisierung Ausbildung verantwortet von der SanAkBw aus die gesamte Ausbildung GesVersBw bis hin zur Ersthelferausbildung für die gesamte Bundeswehr. Die querschnittliche Ausbildung wird für den gesamten Unterstützungsbereich durch die Unterabteilung Ausbildung im UstgKdoBw wahrgenommen und verantwortet. Damit werden dort bisherige querschnittliche Ausbildungsanteile aus SKB und ZSanDstBw zusammengeführt.

Im künftigen Ausbildungszentrum GesVersBw sollen die bisherige Abteilung D mit den Inspektionen zusammen mit den Truppenfachlehrenden (bisher Abteilung A), Planung/Steuerung (bisher Teile Abteilung C) und weiteren Unterstützungselementen zusammengeführt und in Analogie zu den Truppenschulen der Bundeswehr als „echte Schule“ eigenständig aufgestellt werden. Unter dem Dach dieses Ausbildungszentrums sollen weiterhin mit einem neuen Kompetenzzentrum Ausbildung durch standardisierte Themenverantwortlichkeit Ausbildungs-, Lern- und Lehrmaterialien für die sanitätsdienstliche truppen- und trainingsgebundene Ausbildung bereitgestellt sowie methodische Beratungsleistungen erbracht werden. Für das UstgKdoBw wird von hier auch die Werkbankfunktion für den Bereich Körperliche Leistungsfähigkeit erfüllt.

Dem Direktorat Wissenschaft GesVersBw werden neben der bewährten Verortung des medizinischen ABC-Schutzes und der verantwortlichen Abteilung für die wehrmedizinische Forschung sowie den drei Instituten des medizinischen ABC-Schutzes folgerichtig auch das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr als weitere Ressortforschungseinrichtung unterstellt. Mit diesen Unikat-Fähigkeiten stellt das Direktorat die beiden Beauftragten des Befehlshabers ZSanDstBw für Forschung GesVersBw und für medizinischen ABC-Schutz.

Die der SanAkBw vollständig neu übertragene Aufgabe Fachaufsicht öffentlich-rechtliche Aufgaben soll approbationsübergreifend und nach dem One Health-Ansatz ausgerichtet in einem neuen Direktorat Gesundheitsschutz und Gesundheitssicherheit ausgebracht werden. Die der SanAkBw zum 1. April 2025 truppen- und fachdienstlich unterstellten zwei Zentralen Institute des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (ZInstSanBw) sowie die vier Überwachungsstellen für Öffentlich-Rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (ÜbwStÖffRechtlAufgSan­DstBw) als durchführende Ortsbehörden für Öffentlich-Rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes werden durch das Direktorat fachlich geführt. In der Säule Gesundheitsschutz und Gesundheitssicherheit sind die querschnittlich erforderlichen Aufgaben, Kompetenzen und Kapazitäten zur Fachaufsicht sowie fachlichen Führung der Dienststellen mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben und Zentralen Institute des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sowie für Medical Intelligence and Information (MI2), Surveillance und multinationalen Force Health Protection (MN FHP) Nexus abzubilden.

Die neue Führungsspanne ist aufgrund der Dislozierung der unterstellten Dienststellen über die gesamte Bundesrepublik sowie der fachlichen Komplexität erheblich. Zum 1. April 2025 hat sich der Personalumfang im Zuständigkeits- und Verantwortungsbereich der SanAkBw mehr als verdoppelt. Die quantitativen und qualitativen Anforderungen an die Stabsarbeit sind damit signifikant gestiegen. Dem soll in der neuen Struktur der SanAkBw mit einem angepassten und für diese Führungsebene adäquaten Stab Rechnung getragen werden.

Reorganisation im Übergang mit klarem Ziel

Nach der im Rahmen der Reorganisation der Sanitätsakademie sehr zügigen Aufstellung sowohl des UstgKdoBw als auch des KdoGesVersBw erfolgt aktuell die strukturelle Neuordnung der sogenannten dritten nachgeordneten Ebene. Die Kommandos Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung und Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung sowie SanAkBw befinden sich derzeit im Prozess der sollorganisatorischen Neuordnung, deren Abschluss im ersten Quartal 2026 erwartet wird.

Durch die Übernahme der oben beschriebenen neuen Aufgaben und neu unterstellten Dienststellen sowie damit einhergehender Zuordnung von bislang im KdoSanDstBw verorteten Dienstposten als auch Abgabe von Dienstposten hat die SanAkBw zum 1. April 2025 eine Projektgliederung eingenommen. Über voraussichtlich mehr als ein Jahr ist aus dieser Projektgliederung heraus im Übergang die Auftragserfüllung sicherzustellen. Dies erfordert von allen Beteiligten viel Durchhaltevermögen und Pragmatismus, um den aktuellen und kommenden Herausforderungen auch ohne „passende“ Strukturen und nachhaltiger Personalausstattung zu begegnen, zumal sich die Aufgaben und Themen parallel sehr zügig weiterentwickeln.

Von zentraler Bedeutung ist daher die intensive und breite Information und Kommunikation mit dem eigenen Personal zu den aktuellen und anstehenden Veränderungen. Die Bündelung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung in der hier für die SanAkBw angestoßenen Neuordnung und Übertragung von Fachaufgaben ist ein richtungsweisender Baustein zur Stärkung der Kriegstauglichkeit und Verteidigungsfähigkeit.

Oberstarzt Thomas Benner
Sanitätsakademie der Bundeswehr
Direktorat Ausbildung Gesundheitsversorgung der Bundeswehr
Neuherbergstraße 11
80937 München

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