Fachkommando des Zentralen Sanitätsdienstes im neu aufgestellten Unterstützungsbereich
Aufgaben, Führungsstruktur und zentrale Verantwortung
Der Sitz des neuen Kommandos befindet sich in der traditionsreichen Falckenstein-Kaserne in Koblenz. Das KdoGesVersBw untersteht direkt dem Unterstützungskommando der Bundeswehr (UstgKdoBw) in Bonn. Das Fachkommando wird von Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus geführt und befindet sich aktuell in der Phase der Initial Operational Capability (IOC). Die vollständige Einsatzbereitschaft – Full Operational Capability (FOC) – ist zum 1. Oktober 2025 geplant. Bis dahin werden Strukturen konsolidiert, Prozesse harmonisiert, bisherige Zuständigkeiten zusammengeführt und Teams von Akteuren aus unterschiedlichsten Verwendungen neu gebildet. Ziel ist eine moderne, resiliente und robuste Gesundheitsversorgung für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sowie eine sanitätsdienstliche Unterstützung unter Einsatzbedingungen.
Diese Aufgabe ist eine Herausforderung. Das weiß auch Generalstabsarzt Dr. Backus: „Für uns alle ist dies mehr als nur eine marginale Organisationsanpassung. Wesentliche Prozesse, Arbeitsabläufe und auch Wirkbeziehungen ändern sich tiefgreifend.“
Das KdoGesVersBw koordiniert sanitätsdienstliche Fachaufgaben und führt truppendienstlich, fachdienstlich und fachlich die unterstellten sanitätsdienstlichen Kommandobehörden, Truppenteile und Einrichtungen. Zu diesen Fach- und Führungsaufgaben gehören u. a. die Personal- und Materialeinsatzplanung, der Aufbau medizinischer Infrastruktur sowie die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft. Weiterhin zählt die gesamte Gesundheitsversorgung entlang der Rettungskette sowie der sanitätsdienstlichen Versorgungsbasis im Inland dazu. Das Kommando bündelt damit alle wesentlichen Funktionen des militärischen Gesundheitssystems. Es schafft unter anderem die organisatorischen Rahmenbedingungen für die truppenärztliche Versorgung, die Material- und Beschaffungslogistik sowie für Aus- und Fortbildung. So wurde etwa die Beschaffungskompetenz für Sanitätsmaterial aus dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in das Kommando verlagert, um sanitätsdienstlich relevantes Material auch für Krisen- und Kriegsfälle direkter steuern zu können. Der Kommandeur des KdoGesVersBw berät darüber hinaus den Befehlshaber des ZSanDstBw im Unterstützungskommando und begleitet aktiv die Umsetzung der neuen Struktur. Damit wird das KdoGesVersBw zur Schaltstelle für eine zukunftsfähige sanitätsdienstliche Unterstützung – national und international. Auch medizinisch-rechtliche Fragestellungen sowie die truppenpsychologische Betreuung fallen in seinen Verantwortungsbereich.
Zitat Generalstabsarzt Dr. Johannes Backus: „Gemeinsam sorgen wir dafür, dass der Sanitätsdienst der Bundeswehr auch künftig eine verlässliche medizinische Versorgung gewährleistet – für die Gesundheit unserer Soldatinnen und Soldaten. Dieser Auftrag steht unverrückbar im Mittelpunkt unseres Handelns.“
Drei Säulen – ein Auftrag
Das KdoGesVersBw gliedert sich in drei eng verzahnte Kernbereiche, die gemeinsam als sanitätsdienstlicher Systemverbund die Bandbreite der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr abdecken:
1. Ambulante Versorgung
Dazu zählen die truppenärztliche und -zahnärztliche Betreuung, fachärztliche Leistungen sowie die Sportmedizin und ambulante Rehabilitation im gesamten Aufgabenspektrum. Die ambulante Versorgung wird konsequent auf neue Einsatzszenarien ausgerichtet und wird durch moderne Konzepte wie elektronische Gesundheitsakte, mobile Medizintechnik und Telemedizin weiter gestärkt werden. Das Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung in Diez und die ihm unterstellten sanitätsdienstlichen Einrichtungen nehmen die Aufgaben der ambulanten Versorgung im Schwerpunkt wahr. Auch das in Koblenz beheimatete Multinational Medical Coordination Centre Europe (MMCC-E), das für die internationale medizinische Zusammenarbeit steht, ist hier organisatorisch angesiedelt. Das MMCC-E bildet eine wichtige Plattform für die medizinische Koordination im NATO-Rahmen und bei EU-geführten Missionen. Es zählt derzeit 19 Partnernationen.
2. Klinische Versorgung
Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser (BwKrhs) in Koblenz, Ulm, Berlin, Hamburg und Westerstede sowie das Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels mit seinen Sanitätsregimentern und den Versorgungs- und Instandsetzungszentren bilden gemeinsam die medizinische Versorgungskette mit dem Schwerpunkt in den Ebenen 2 bis 4. Die BwKrhs bilden das sanitätsdienstliche Fachpersonal aus, fort und weiter. Außerdem stellen sie Fachpersonal für die Rettungskette der Ebenen 2 und 3 bereit. Im Grundbetrieb tragen die BwKrhs maßgeblich zur medizinischen Regelversorgung bei. Synergieeffekte entstehen durch enge Kooperationen zwischen den Bundeswehrkrankenhäusern und den Sanitätsregimentern in Personalfragen, Infrastruktur und Abläufen.
3. Ausbildung, Lehre, Forschung und Gesundheitsschutz
Dieser Bereich wird von der Sanitätsakademie der Bundeswehr (SanAkBw) in München verantwortet. Hier werden nicht nur neue Sanitätsoffiziere und Fachkräfte ausgebildet, sondern auch wissenschaftliche Grundlagen für zukünftige Entwicklungen im wehrmedizinischen Bereich geschaffen. Immer im Fokus ist die Weiterentwicklung einer modernen, einsatzorientierten Ausbildung mit internationaler Anschlussfähigkeit. Ebenso zentral ist der umfassende Gesundheitsschutz – von der Prävention bis zur pandemischen Einsatzvorsorge. Aus den Überwachungsstellen für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und den Zentralen Instituten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sollen zukünftig sogenannte „Zentren Gesundheitsschutz“ unter dem Dach der SanAkBw entstehen.
Alle drei genannten Fähigkeitsbereiche werden künftig durch Kommandeure im Dienstgrad eines Generalstabsarztes geführt, um Führungsfähigkeit und Entscheidungsschnelligkeit auch in komplexen Lagen sicherzustellen.
Vernetzte Sicherheit im zivilen und internationalen Raum
Neben seiner nationalen Verantwortung agiert das KdoGesVersBw auch als starker Partner bei Vorbereitung und Durchführung multinationaler Einsätze. Die zunehmende Integration in europäische und NATO-strukturierte Verbände wird durch das KdoGesVersBw aktiv gefördert und mitgestaltet. Der hohe Ausbildungsstandard, die Flexibilität und Innovationskraft der sanitätsdienstlichen Kräfte machen das Kommando zu einem verlässlichen Akteur in Krisenlagen. Dies gilt nicht nur für die Vorbereitung von Landes- und Bündnisverteidigung, sondern bezieht sich auch auf vielfältige weitere Bereiche wie zum Beispiel den Katastrophenschutz oder humanitäre Hilfsaktionen. Mit dem MMCC-E verfügt das Kommando über ein einzigartiges Instrument zur Verbesserung und Abstimmung der Verfahren im Rahmen internationaler Zusammenarbeit. Die Verknüpfung von Wissenschaft, Versorgung und Führung bildet die Basis für nachhaltige Leistungsfähigkeit. Forschungsvorhaben etwa zur Einsatzmedizin, zur Infektionsprävention oder zur Steigerung psychologischer Belastbarkeit werden gezielt weiterentwickelt. Zugleich wird sichergestellt, dass Erkenntnisse aus der Truppe zurück in die Ausbildung und in die vorhandenen Versorgungskonzepte einfließen.
Auch im zivilen Bereich wird das KdoGesVersBw als systemrelevanter Partner agieren. Die enge Kooperation und Zusammenarbeit mit zivilen Hilfsorganisationen, Behörden, Rettungsdiensten und den Akteuren des zivilen Gesundheitswesens stärkt nicht nur die gesamtgesellschaftliche Resilienz, sondern fördert auch den Wissenstransfer zwischen militärischer und ziviler Medizin. So leistet das Kommando einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und Krisenreaktionsfähigkeit Deutschlands, etwa im Rahmen des Katastrophenschutzes oder der Pandemiebewältigung, und verdeutlicht die wichtige Rolle des Sanitätsdienstes im innerstaatlichen, ressortübergreifenden Kontext.
Der Sanitätsdienst steht vor großen Herausforderungen, um sich den sicherheitspolitischen Veränderungen anzupassen, aber auch auf künftige Bedrohungen (Pandemien, ABC-Angriffe, Hybridkonflikte) und technische Entwicklungen (Telemedizin, Cybermedizin) vorbereitet zu sein. Die Aufstellung des KdoGesVersBw trägt diesen Anforderungen Rechnung und markiert den Auftakt für ein langfristiges Transformationsprogramm im militärischen Gesundheitswesen – hin zu einem modernen, integrierten und vernetzten Gesundheitssystem für die Bundeswehr. Der Anspruch bleibt dabei klar: medizinische Exzellenz –, jederzeit, weltweit – unter allen Einsatzbedingungen. Die Angehörigen des Sanitätsdienstes sind unverändert und unabhängig von Strukturveränderungen getragen von ihrem Leitbild: „Der Menschlichkeit verpflichtet.“
Wehrmedizin und Wehrpharmazie 03 / 2025
Für die Verfasser:
Kommando Gesundheitsversorgung
Von-Kuhl-Str. 50
56070 Koblenz






