„Das Schicksal der Verwundeten liegt in den Händen derer, die den ersten Verband anlegen.“ Dieses historische Zitat von Dr. Nicholas Senn, M. D. (1844–1908), Gründer der Association of Military Surgeons of the United States, unterstreicht einen Umstand, der bis heute Gültigkeit hat. Es sind zuerst die vorderen Glieder der Rettungskette, die wesentlichen Anteil am Behandlungserfolg haben. Der mit Aufstellung des Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr (KdoGesVersBw) neu geschaffene Kommandobereich Ambulante Versorgung widmet sich im Schwerpunkt dieser ersten Behandlung, sowohl durch Sanitätspersonal wie auch durch Nicht-Sanitätspersonal (Ausbildungshöhe Ersthelfer-Alpha). In diesem Artikel wird der Kommandobereich vorgestellt und ein Ausblick auf das gegeben, was die notwendige Weiterentwicklung der Ambulanten Versorgung derzeit antreibt. Unter der Führung des Kommandeurs Ambulante Versorgung und Stellvertreter des Kommandeurs KdoGesVersBw, Herrn Generalstabsarzt Dr. Jürgen Meyer, wurden nicht nur die Kernelemente der ambulanten Versorgung zusammengefasst (das Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung mit den unterstellten Sanitätsunterstützungszentren, Sanitätsversorgungszentren, Facharztzentren, Sanitätszentren und Sanitätsstaffeln Einsatz), sondern auch das Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSportMedBw) und das Multinational Medical Coordination Centre-Europe (MMCC-E) in der truppendienstlichen Führung.
Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung
Ausrichtung des Kommandobereichs auf Landes- und Bündnisverteidigung
Der Verantwortungsbereich des Kommandos Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung hat sich mit der Integration in den übergeordneten Kommandobereich Ambulante Versorgung organisatorisch bisher nicht verändert. Die Untersuchungen hierzu laufen jedoch auf Hochtouren und werden Anfang 2026 erste Ergebnisse erbringen, die dann zeitnah in die Umsetzung gehen werden.
Die sicherheitspolitischen Herausforderungen, die über die politische, strategische und operative Ebene auch in der taktischen Ebene der Ambulanten Versorgung einen deutlichen Anpassungsbedarf bedingen, haben sich im letzten Jahr nicht wesentlich verändert, allenfalls weiter verschärft. Insofern liegt die Weiterentwicklung des Bereichs im Schwerpunkt der Ambulanten Versorgung und wird im Folgenden näher beschrieben.
Ein wichtiges Handlungsfeld ist dabei die Behandlung von Verletzten und Erkrankten (in der NATO-Terminologie „diseases and non-battle injuries“, DNBI) inklusive der dazu gehörenden präventivmedizinischen Aspekte. Verletzte und Erkrankte (DNBI) bilden nach Auswertung aktueller und vergangener Konflikte den Großteil des zu behandelnden Personals mit erheblichem Einfluss auf die Kampfkraft der Truppe ab (vgl. z.B. Krueger Izaguirre et al., 2025).
Die Weiterentwicklung folgt dem u. a. in der NATO verwendeten Schema DOTMLPFI, wobei an dieser Stelle die Bereiche Doktrin, Ausbildung, Ausrüstung und Personal näher betrachtet werden. (Doctrine, Organization, Training, Materiel, Leadership and Education, Personnel, Facilities and Interoperability; Doktrin (Führungs- und Einsatzgrundsätze), Organisation, Ausbildung, Material, Führung, Führungsausbildung, Personal, Einrichtungen und Interoperabilität)
T – Ausbildung
Eine wichtige Aufgabe im Bereich der Ambulanten Versorgung ist die Ausbildung von Nicht-Sanitätspersonal zu Ersthelfern der Stufe Alpha (EH-A). Diese Qualifikation erhält jede Soldatin und jeder Soldat der Bundeswehr und ist Garant für eine schnelle (innerhalb der ersten 10 Minuten) und effektive erste Hilfe im Sinne der Selbst- und Kameradenhilfe bei Verwundung, Verletzung oder akuter Erkrankung.
Die Bedeutung dieser ersten Maßnahmen ist in aktuellen Konflikten weiter gestiegen. Durch die gezielten Angriffe auf Sanitätspersonal sowie durch die hohe Bedrohung im vorderen Gefechtsabschnitt ist es sehr herausfordernd, Patientinnen und Patienten dem Sanitätspersonal zur weiteren medizinischen Versorgung innerhalb der bisher vorgesehenen Zeitlinien zuzuführen.
Die Umstellung der Ausbildung der EH-A ist daher schon begonnen worden und wird die Qualität der Selbst- und Kameradenhilfe weiter steigern. Neben dem genannten Nicht-Sanitätspersonal ist aber auch die Ausbildung unseres in der Ambulanten Versorgung eingesetzten Sanitätspersonals (ärztlich und nicht-ärztlich) an die neuen Gefechtsbedingungen anzupassen.
Dies bedingt nicht nur erweiterte medizinische Kompetenzen, sondern auch taktische und infanteristische Fähigkeiten, um sich sicher im Gefechtsstreifen bewegen und ohne Reibungsverluste mit der zu versorgenden Truppe zusammenarbeiten zu können.









