Übung STEADFAST FOXTROT Medical Wargame

Einsatzbereitschaft, Koordination und Bekenntnis zur Verteidigung

Der Anteil „Sanitätsdienst“ (Medical Wargame) der Planübung STEADFAST FOXTROT 26 unterstreicht die Entschlossenheit der NATO, ihre Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit durch eine robustere multinationale Koordination der sanitätsdienstlichen Unterstützung in einem Konfliktszenario hoher Intensität glaubhaft zu vermitteln. Die Übung, die vom Joint Support and Enabling Command (JSEC) organisiert wird, hebt die entscheidende Rolle der sanitätsdienstlichen Unterstützung, zivil-militärischen Zusammenarbeit und Einsatzbereitschaft für eine wirksame Verteidigung des Bündnisgebiets im Rahmen von Artikel 5 hervor.

Teilnehmer an der Planübung STEADFAST FOXTROT.
Teilnehmer an der Planübung STEADFAST FOXTROT.
Foto: JSEC Public Affairs

Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das 32 Länder in Nordamerika und Europa umfasst. Seine drei Kernaufgaben sind im Strategischen Konzept von 2022 festgeschrieben und beinhalten die Bereiche Abschreckung und Verteidigung, Krisenprävention und Krisenmanagement sowie kooperative Sicherheit.

Die NATO-Mitglieder haben sich verpflichtet, die Freiheit und Sicherheit aller Bündnispartner gegen jegliche Bedrohungen aus allen Richtungen zu schützen. Als Reaktion auf das aktuelle sicherheitspolitische Umfeld stärken die Bündnispartner ihr Abschreckungs- und Verteidigungsgefüge als Rückgrat ihrer Verpflichtung zur gegenseitigen Verteidigung nach Artikel 5 signifikant.

Die Stärke der NATO liegt in ihrer Einheit und der Fähigkeit zur Koordination aller Maßnahmen im Verbund der Mitgliedsstaaten. Regelmäßige Militärübungen spielen eine entscheidende Rolle und stellen die Bereitschaft der Allianz und ihrer Mitglieder unter Beweis, auf Bedrohungen zu reagieren und den Schutz ihres Territoriums zu gewährleisten.

Koordination der sanitätsdienstlichen Unterstützung auf dem Prüfstand

Die Übung STEADFAST FOXTROT 26 findet in Ulm statt, wo das Allied Joint Support and Enabling Command der NATO beheimatet ist. Der Übungsanteil „Sanitätsdienst“ konzentriert sich auf die Optimierung der Abstimmung der sanitätsdienstlichen Unterstützung zwischen den Mitgliedsstaaten und stellt gleichzeitig sicher, dass die Allianz in der Lage ist, sanitätsdienstliche Unterstützung im Rahmen der Verteidigung des Bündnisgebietes zu leisten. Militärische und zivile Vertreter der NATO-Nationen und NATO-Hauptquartiere nehmen sowohl an logistischen als auch an sanitätsdienstlichen Aktivitäten teil.

Der Übungsanteil„Sanitätsdienst“ wurde vom NATO Joint Warfare Center im norwegischen Stavanger entwickelt und stellt in einer Planübung die Verteidigung verbündeter Gebiete bei einem Angriff dar. Dazu werden allgemeine sanitätsdienstliche Fähigkeiten der NATO genutzt, um neue Erkenntnisse hinsichtlich des Abtransports von Kranken, Verletzten und Verwundeten aus dem Frontbereich in sichere Räume zu gewinnen.

Dazu gehören auch nicht-medizinische Faktoren wie Straßensperrungen und Witterungsverhältnisse, die die Rahmenbedingungen weiter verschärfen. Der sanitätsdienstliche Übungsanteil dient der Erörterung nationaler und durch die NATO ergriffener Maßnahmen, damit so ein glaubwürdiges Netzwerk für den Patiententransport sichergestellt werden kann.

Gemeinsame Expertise und multinationale Zusammenarbeit

Als Veranstalter der Übung bringt das Joint Support and Enabling Command Experten aus der gesamten NATO und nationales medizinisches Fachpersonal zusammen. Diese Masse an Wissen und Erfahrung fördert ein Umfeld internationaler Bildung und Zusammenarbeit. Das ist deshalb sehr wichtig, weil es die technische Leistungsfähigkeit und den Einsatzwert steigert und als Brücke zwischen den verschiedenen militärischen und zivilen Strukturen und Befehlssträngen dient.

Ein konkreter Aspekt der Übung ist die zivil-militärische Zusammenarbeit, insbesondere im Rahmen der Patientensteuerung. Die Einsatzbereitschaft der NATO reicht weit über den militärischen Bereich hinaus, denn im Konfliktfall muss die zivile Infrastruktur mit militärischen Kräften zusammenarbeiten.

Die Übung simuliert den Verwundetentransport aus militärischen Netzwerken in die zivile Infrastruktur unter Verwendung einer Kombination aus militärischen und zivilen MEDEVAC-Plattformen. Dieses Zusammenwirken sensibilisiert die Akteure für die bei der Verbindung dieser Netzwerke entstehenden Friktionen und ermöglicht die Weiterentwicklung von Verfahren und Abläufen, damit eine lückenlose Patientenversorgung gewährleistet werden kann.

Teilnehmer an der Planübung
Teilnehmer an der Planübung
Foto: JSEC Public Affairs

Neben den taktischen Aspekten einer groß angelegten Verlegung von Patienten mit Hilfe einer Kombination aus militärischen und zivilen Netzwerken werden im Rahmen der Übung auch die operativen und strategischen Aspekte untersucht, die solche Operationen erst ermöglichen. Diese Prozesse sind entscheidend dafür, wie schnell und effizient das Bündnis Einsätze unterstützen kann. Durch die Simulation realer Szenarien liefert die Übung wertvolle Einblicke in die Geschwindigkeit und Effektivität, mit der eine nationale sanitätsdienstliche Unterstützung für NATO-Truppen aktiviert werden kann.

Sanitätsdienstliche Unterstützung als Säule der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit der NATO

Letztlich gibt das Bündnis mit der Planübung STEADFAST FOXTROT Medical Wargame ein deutliches Bekenntnis zur Verteidigung seines Territoriums und seiner Bürger ab. Die koordinierten Bestrebungen der NATO-Mitgliedsstaaten, die Einbindung von Experten und die Fokussierung auf die zivil-militärische Zusammenarbeit spielen eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung einer schnellen und effektiven sanitätsdienstlichen Unterstützung des Bündnisses im Krisenfall.

Angesichts der fortschreitenden Entwicklung der NATO als Reaktion auf die neuen globalen Bedrohungen sind Übungen wie diese von wesentlicher Bedeutung, da die Gewährleistung der Sicherheit der Bündnismitglieder ein hohes Maß an Ko-ordination erfordert. Im Rahmen dieser Übung werden nicht nur militärische Fähigkeiten getestet. STEADFAST FOXTROT unterstreicht auch die Bedeutung der zivilen Infrastruktur im Konfliktfall, insbesondere im Hinblick auf die Sicherstellung der medizinischen Versorgung derjenigen, die sie am dringendsten benötigen.

Die Beobachtungen und Erfahrungen aus dieser Übung werden sowohl im militärischen als auch zivilen medizinischen Bereich weiterhin zur Optimierung von verteidigungsrelevanten Lösungsansätzen beitragen und damit den Maßstab für künftige NATO-Maßnahmen und multinationale Kooperationen setzen.

Verfasser

Oberstarzt Dominique Mayer
Assistant Chief of Staff (ACOS) JMED / Medical Advisor JSEC Allied Joint Support and Enabling Command
Stuttgarter Straße 199
89081 Ulm

Kurzdarstellung Joint Support and Enabling Command 

Das Allied Joint Support and Enabling Command (JSEC) ist eine NATO-Kommandobehörde der operativen Ebene mit Sitz in Ulm. Das JSEC koordiniert die Befähigung (engl.: Enablement) im Verantwortungsbereich des Supreme Allied Commander Europe (SACEUR). Dieser Bereich erstreckt sich von der nordamerikanischen Ostküste bis zu den baltischen Staaten im Nordosten Europas sowie von Polen und Rumänien in Osteuropa bis zur Türkei und nach Griechenland im Süden.

Außerdem synchronisiert das Kommando die Verstärkung durch Truppen (Reinforcement by Forces) sowie die Sicherstellung der Durchhaltefähigkeit (sustainment flow) getreu seinem Motto: „Enable – Deploy – Sustain“, sprich „Befähigen – Verlegen – Unterstützen“.

Eine zentrale Koordinierungsstelle ist von wesentlicher Bedeutung, besonders in einem Szenario der kollektiven Verteidigung, bei dem sich bis zu eine Million NATO-Soldaten durch Europa bewegen könnten. Das Abschreckungs- und Verteidigungspotenzial der NATO stützt sich in hohem Maße auf die Fähigkeit zur schnellen und umfangreichen Verstärkung und Unterstützung. Das 2018 gegründete JSEC steht unter dem Kommando von Kai Rohrschneider, Generalleutnant des Deutschen Heeres.

Da es weder über einen festen Verantwortungsbereich bzw. Gefechtsraum noch über unterstellte Truppen verfügt, ist das JSEC kein Hauptquartier im traditionellen Sinne. Es handelt sich um ein Fachkommando, das für die Koordinierung von Befähigungsmaßnahmen zuständig ist.

Die Struktur des JSEC ist allerdings traditionell: Mit seinen drei Hauptbereichen für Operationen, Unterstützung und Planung ermöglicht es das Zusammenwirken mit anderen NATO-Hauptquartieren und verbündeten Staaten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entflechtung, Koordinierung und zeitliche Abstimmung mit den Bündnispartnern in dem Bewusstsein, dass am Enablement auch eine Vielzahl ziviler Akteure mitwirkt.

Den Tätigkeitsschwerpunkt des JSEC bildet das Reinforcement and Sustainment Network (RSN) – ein Netzwerk für Verstärkung und Durchhaltefähigkeit. Dieses verfügt über eine physische Ebene, d. h. die entsprechende Infrastruktur, sowie eine Funktionsebene, also sämtliche Gesetze, Vorschriften und Verträge, die Militärbewegungen erlauben. Zum Aufbau des RSN verfolgen die beteiligten Nationen einen gesamtstaatlichen Ansatz zur Nutzung und Weiterentwicklung bereits vorhandener Kapazitäten. Das JSEC verwaltet und optimiert das Netzwerk im ständigen Dialog mit den Bündnispartnern.

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