Ein Jahresempfang zur ungewöhnlichen Uhrzeit – und mit besonderer Bedeutung: Bereits am frühen Morgen fiel in Weißenfels der feierliche Startschuss für den bundesweiten „Tag der Bundeswehr 2026“. Als Deutschlands größter Sanitätsstandort rückte die Stadt dabei in den Mittelpunkt des Geschehens.

Es ist eine ungewöhnliche Uhrzeit für einen traditionellen Jahresempfang, denn bereits früh am Morgen um 08.45 Uhr begrüßt der Kommandeur des Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung, Generalarzt Dr. Bruno Most, die zahlreichen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Militär, Repräsentanten von Bundes- und Landesbehörden, der Justiz, der Polizei sowie der zivilen Hilfsorganisationen in der Aula des Goethegymnasiums in Weißenfels. In diesem Jahr stand diese Veranstaltung im Zeichen eines ganz besonderen Großereignisses, denn der Empfang diente gleichzeitig als offizieller, feierlicher Auftakt und politischer Rahmen für den bundesweiten „Tag der Bundeswehr 2026“, bei dem Weißenfels als Deutschlands größter Sanitätsstandort eine zentrale Hauptrolle einnahm.
Hochkarätige Gäste aus Politik und Militär
Der Einladung von Generalarzt Dr. Bruno Most und dem Weißenfelser Oberbürgermeister Martin Papke (CDU) folgten zahlreiche prominente Vertreter des öffentlichen Lebens. Zu den Gästen gehörten unter anderem der stellvertretende Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann (SPD), der Landrat des Burgenlandkreises Götz Ulrich (CDU) sowie zahlreiche Bürgermeister der umliegenden Gemeinden und Führungskräfte aus der regionalen Wirtschaft.
Zivil-militärische Partnerschaft und Neuland in der Stadt
In den Festreden wurde die tiefe Verwurzelung der Bundeswehr in der Region und die exzellente Kooperation zwischen der Garnisonsstadt und den Streitkräften gewürdigt. Generalarzt Dr. Bruno Most hob in seiner Ansprache hervor, dass man mit dem diesjährigen Konzept des „Tags der Bundeswehr“ bewusst militärisches Neuland betreten habe.
Statt die Tore der Sachsen-Anhalt-Kaserne zu öffnen, präsentierte sich der Sanitätsdienst an diesem Tag direkt im Herzen der Altstadt – auf dem Marktplatz, dem Stadtbalkon und den Badanlagen an der Saale. Er dankte der Stadtverwaltung und den Bürgern für das immense Vertrauen und die Unterstützung.
Bereits ein Jahr zuvor hätten er und Oberbürgermeister Martin Papke gemeinsam die Entscheidung getroffen, aufgrund der engen Einbindung der Bundeswehr in der Garnisonsstadt einen anderen Weg einschlagen zu wollen, nämlich mit der Bundeswehr in die Stadt zu gehen und gemeinsam mit der Stadt diesen Tag der Bundeswehr entsprechend durchzuführen und ein besonderes Signal der Verbundenheit zu senden.
Wörtlich sagte Most: „Wir sind nämlich nur deswegen Parlamentsarmee, weil wir für unsere Bürger da sind und wir wollen deswegen auch den Bürgern die Möglichkeit geben, mal intensiver in die Bundeswehr hineinzuschauen und sie kennenzulernen. Wir wollen natürlich auch jungen Leuten die Möglichkeit geben, sich mit dem Arbeitgeber Bundeswehr vertraut zu machen und vielleicht auch dabei ihr Interesse gewinnen. Deswegen haben wir übrigens auch den Karriere-Truck der Bundeswehr vor Ort, wo die jungen Leute sich direkt informieren können.“
Der stellvertretende Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, übermittelte die Grüße der Landesregierung und hob in seinem Grußwort die enge Zusammenarbeit der Landesregierung mit dem Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung und erinnerte dabei auch an die letzten Hochwassereinsätze, die Corona-Pandemie, wo der Sanitätsdienst die Zivilgesellschaft umfangreich unterstützt hatte.

Verleihung des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold an Papke und Ulrich
Ein zentraler Höhepunkt des Jahresempfangs am 6. Juni 2026 war die feierliche Verleihung des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Gold an den Weißenfelser Oberbürgermeister Martin Papke und den Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich. Die Auszeichnungen wurden im Namen des Bundesministers der Verteidigung, Boris Pistorius, durch Generalarzt Dr. Most verliehen, um das herausragende Engagement beider Kommunalpolitiker für die Belange der Streitkräfte und die beispielhafte zivil-militärische Zusammenarbeit zu würdigen.
Das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold stellt eine der höchsten Auszeichnungen dar, die die Bundeswehr an Zivilisten vergeben kann. Es wird für „beispielhafte Pflichterfüllung“ oder „herausragende Verdienste um die Bundeswehr“ verliehen.
In seiner Laudatio betonte Most, dass die Vorbereitung des Tages der Bundeswehr 2026 im Herzen der Stadt Weißenfels ohne den unermüdlichen, persönlichen Einsatz von Martin Papke und Götz Ulrich nicht denkbar gewesen wäre. Sie hätten die Bundeswehr nicht bloß als Wirtschaftsfaktor, sondern als integralen Teil der Gesellschaft verstanden und gelebt.
In seiner Dankesrede betonte Oberbürgermeister Martin Papke, dass diese ehrenvolle Auszeichnung für die gesamte Stadtverwaltung und Bürgerschaft sei. Er hielt fest: „Die Bundeswehr steht nicht am Rande unserer Gesellschaft, sie steht in unserer Mitte. Das zeigen wir heute auf unseren Straßen und Plätzen.“ Papke unterstrich, dass die Bundeswehr ein fester, unersetzlicher Teil der Stadtgesellschaft sei. Die gemeinsame Ausrichtung des Empfangs in der Aula des Goethegymnasiums sei das perfekte Symbol für diese gelebte Nachbarschaft. Landrat Götz Ulrich schlug die Brücke zum Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Er erinnerte an die unersetzliche Amtshilfe der Bundeswehr bei vergangenen Krisen im Burgenlandkreis. Er forderte, dass die enge Verzahnung von kommunaler Verwaltung und Militär bundesweit Schule machen müsse.
Musikalischer Rahmen und feierlicher Ausklang
Die Veranstaltung wurde stimmungsvoll umrahmt. Für die musikalische Begleitung der Festreden sorgte das aus acht Schülerinnen und Schüler bestehende Doppelquartett des Goethe-Gymnasiums Weißenfels, das die Gäste in der Aula mit und modernen Stücken begeisterte. Im Anschluss an den offiziellen Teil und die Grußworte bot ein Stehempfang den Rahmen für den traditionell engen Austausch.
Die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Militär nutzten die Gelegenheit für intensive Netzwerkgespräche, bevor sich das Geschehen für die dynamischen Vorführungen und den Publikumsverkehr vollständig auf die öffentlichen Plätze der Stadt verlagerte. Der Tag der Bundeswehr 2026 verwandelte die historische Altstadt von Weißenfels in ein großes, zivil-militärisches Volksfest. Das öffentliche Programm erstreckte sich über die drei Kernbereiche Marktplatz, Stadtbalkon und die Badanlagen an der Saale.
Der Marktplatz war an diesem Tag politisches und kulturelles Zentrum mit der Hauptbühne, Live-Musik und prominenten Gästen. Der Stadtbalkon war die zentrale Begegnungsfläche für Familien mit gastronomischen Angeboten und Mitmach-Aktionen, während die Badeanlagen mit der Festwiese Präsentationsfläche für schweres technisches Gerät und dynamische Vorführungen direkt an der Saale waren.
Der Tag der Bundeswehr 2026 in Weißenfels
Um 10:00 Uhr war der feierliche musikalische Auftakt auf dem Marktplatz durch das Luftwaffenmusikkorps Erfurt, anschließend begrüßte Generalarzt Dr. Bruno Most die schon zahlreich erschienen Bürgerinnen und Bürger auf der Marktplatz-Bühne durch, gefolgt von Grußworten der Landes- und Kommunalpolitik.
Der Marktplatz stand ganz im Zeichen von „Technik zum Anfassen“. Die Bundeswehr präsentierte dort eine umfassende Fähigkeitsdarstellung „360 Grad“ und machte schwere Ketten- sowie Radfahrzeuge hautnah erlebbar. Besonders begehrt für Fotos bei den Zuschauern war der Tornado, in dessen Cockpit sich die Gäste nach langem Anstehen einmal hineinsetzen durften.
Im Fokus des Sanitätsstandorts standen gepanzerte Rettungsfahrzeuge wie der Transportpanzer (TPz) Fuchs in der Sanitätsvariante sowie der Geschützte Erkundungs- und Sanitätskraftwagen (GTK) Boxer. Auf abgesperrten Aktionsflächen demonstrierte die Sanitätstruppe das sogenannte TCCC (Tactical Combat Casualty Care). Die Zuschauer sahen live, wie verletzte Soldaten unter simuliertem Beschuss erstversorgt, stabilisiert und über Rettungsketten evakuiert werden.
Spektakuläre Überflüge von zwei Tornados, dem militärischen Transportflugzeugs A400M des Airbus A330 MRTT (Multi-Role Tanker Transport) und des Seefernaufklärers P-8A Poseidon der Marine waren der perfekte Rahmen für diese Veranstaltung bei herrlichstem Sommerwetter und insgesamt 35.000 Zuschauern.
THW und DLRG und Pioniere der Bundeswehr stellten gemeinsam ihre Boote zur Verfügung und boten interessierten Zuschauern eine kleine Rundfahrt auf der Saale an, auch hier war die Schlange der Interessierten riesig.

Die Karrierestände und Nachwuchsgewinnung
Der Stadtbalkon und Teile des Marktplatzes standen im Zeichen des Arbeitgebers Bundeswehr. Das Karrierecenter der Bundeswehr betrieb ein großes Beratungsdorf. Speziell auf den Standort Weißenfels zugeschnitten lag der Fokus auf medizinischen und pflegerischen Laufbahnen. Berater informierten über Ausbildungen zum Notfallsanitäter, zivile Pflegeberufe im Bundeswehrkrankenhaus sowie das Stipendiaten-Modell für das Studium der Humanmedizin bei vollem Gehalt. Neben den klassischen Laufbahnen im Truppendienst wurden zivile Karrierepfade in der Bundeswehrverwaltung, der Wehrtechnik und dem Cybersicherheitsbereich vorgestellt. Jugendliche konnten in einem Info-Truck mittels VR-Brillen virtuelle Einsätze erleben oder an Fitnesstests teilnehmen, um ihre Eignung für das Sportabzeichen der Bundeswehr unverbindlich zu testen.
Besuch des Bundesministers der Verteidigung, Boris Pistorius
Der Höhepunkt für die Gäste, aber vor allem auch für die vielen Soldatinnen und Soldaten, die diesen Tag der Bundeswehr erst möglich machten, war der Besuch des Bundesministers der Verteidigung, Boris Pistorius.
Der Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann und der Kommandeur des Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung, Generalarzt Dr. Bruno Most, begrüßten den Minister am Eingang der Festwiese und machten mit ihm einen ausgiebigen Rundgang über alle Ausstellungsflächen, wo die Soldatinnen und Soldaten Gelegenheit hatten, ihren Auftrag, ihre Fahrzeuge und ihr Material vorzustellen.
Besonders beeindruckt zeigte er sich von der dynamischen Vorführung des TCCC. Trotz des Zeitdrucks nahm sich Pistorius viel Zeit für persönliche Gespräche und jede Menge Selfies.
Pistorius unterstrich in seinem Pressestatement, dass ein leistungsfähiger Sanitätsdienst das Rückgrat der Landes- und Bündnisverteidigung sei. Er lobte das innovative Konzept, den Aktionstag direkt in den zivilen Raum der Altstadt zu verlegen, als Meilenstein für die Nahbarkeit der Truppe. Er beschwor nachdrücklich den Zusammenhalt von Truppe und Zivilbevölkerung. Veranstaltungen wie die in der frei zugänglichen Altstadt von Weißenfels seien essenziell, um Barrieren abzubauen. Wörtlich sagte er: „Wir reden hier über das, was die Soldatinnen und Soldaten machen, was ihr Auftrag ist und wofür sie da sind.“
Mit Blick auf den enormen Besucherandrang von insgesamt rund 340.000 Menschen an allen zehn Standorten zeigte sich der Minister hocherfreut. Das große Interesse beweise, dass die Bundeswehr fest in die Mitte der Gesellschaft, Städte und Gemeinden gehöre. Insbesondere die Gespräche mit jungen Soldatinnen und Soldaten hätten ihm sehr gefallen: „Ich habe das gerade in einem Gespräch mit jungen Rekruten erlebt, die gerade erst zwei Monate dabei sind und die voll des Lobes sind über die Atmosphäre, über das, was man lernt, auch die gesunde Härte beim Sport, aber auch die Unterstützung dann, wenn mal was nicht klappt.
Aber großartig ist bei diesen jungen Menschen zu hören, wenn sie sagen, ich will etwas tun für dieses Land, in dem ich aufgewachsen bin. Ich will etwas dafür tun, dass dieses Land auch in einigen Jahren noch sicher frei und demokratisch ist und deswegen bin ich Soldat geworden und will es bleiben“, so Pistorius.
Würdigung des Sanitätsdienstes
Da Weißenfels der größte Sanitätsstandort der Bundeswehr in Deutschland ist, ging der Minister gezielt auf die medizinische Komponente der Streitkräfte ein. Er betonte, dass moderner Sanitätsdienst weit über Erste Hilfe hinausreicht:
„Ich hatte gerade die große Freude mitzuschauen, wie viele von Ihnen auch, wie das Kommando Schnelle Einsatzkräfte beim Tactical Combat Casualty Care sehr eindrucksvoll gezeigt hat, dass Sanität mehr ist als Salben verteilen und Pflaster aufkleben, denn im Ernstfall sind diejenigen die Soldatinnen und Soldaten, die vorne verletzt werden, schnell von den Kameradinnen und Kameraden in Sicherheit gebracht werden können, damit der Sanitätsdienst dann wirklich Erste Hilfe oder eben im Notfall auch mehr vor Ort leisten kann. Und auch daran sieht man, und das ist wie im richtigen Leben, nur das, was man übt, kann man auch,“ so seine Bewertung nach der Vorführung der TCCC.
Pistorius hob die Bedeutung der einsatznahen Rettungsketten hervor, die im Ernstfall Leben retten.
Zum Thema materielle Einsatzbereitschaft sagte Pistorius: „Wenn wir zum Beispiel hier dieses Fahrzeug hinter mir nehmen, das ist eines der neuesten Fahrzeuge überhaupt dieser Art. Zusammen mit anderen, die Sie hier auf dem Gelände sehen können, sind das alles Beschaffungen der letzten zwei, drei Jahre, die jetzt von der Industrie geliefert werden.
Das ist, wenn Sie so wollen, state of the art. Besseres gibt es auf dem Markt nicht. Und ich höre von Generaloberstabsarzt Dr. Hoffmann und von Generalarzt Dr. Most, wie begeistert die Truppe von diesem neuen Material ist und auf diesem Weg wollen wir weitermachen, müssen wir weitermachen. Das Sondervermögen ist fast ausgegeben.“
Zum Abschluss seines Statements, bevor Pistorius noch die Fragen der zahlreichen Pressevertreter beantwortete, dankte er den Weißenfelserinnen und Weißenfelsern nochmal für den außerordentlich liebenswürdigen Empfang für sich, „aber viel wichtiger für die Bundeswehr, für die Truppe“.
Fazit und Bedeutung
Der Tag der Bundeswehr 2026 in Weißenfels erfüllte das Motto „Die Bundeswehr von innen“ auf eine ganz neue, nahbare Weise. Das Aufheben der Grenze zwischen Kaserne und Zivilbevölkerung bot eine Plattform für Dialoge, die von gegenseitigem Interesse, familiärer Unterhaltung und dem offenen Austausch über die veränderte sicherheitspolitische Lage geprägt waren.
Generalarzt Dr. Bruno Most und die Soldatinnen und Soldaten des Kdo Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung sowie des Sanitätsregimen-tes 1 haben mit hohem Engagement und akribischer Vorbereitung den großen Erfolg des Tages der Bundeswehr 2026 in Weißenfels erst möglich gemacht.
Wehrmedizin und Wehrpharmazie 2/2026
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