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Militärmedizin: Aktuelles aus dem BMVg

Deutschland steht vor den größten sicherheitspolitischen Herausforderungen seit dem Ende des Kalten Krieges. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands gegen die Ukraine, zunehmende hybride Bedrohungen, technologische Entwicklungen mit hoher Dynamik sowie globale Krisen verändern unser sicherheitspolitisches Umfeld nachhaltig. Sicherheit und Verteidigung sind heute mehr denn je eine gesamtstaatliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Militärische Stärke, staatliche Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz müssen dabei eng ineinandergreifen.

Generalarzt Dr. Ahrens in Bundeswehr-Dienstanzug an seinem Schreibtisch mit Dokumenten, Monitor und Tastatur im Büro
Generalarzt Dr. Jörg Ahrens
Foto: Bundeswehr

Mit der im April 2026 veröffentlichten Militärstrategie der Bundeswehr und dem daraus abgeleiteten Fähigkeitsprofil der Bundeswehr verfügt Deutschland erstmals über eine einheitliche strategische Grundlage für die Weiterentwicklung seiner Streitkräfte. Beide Dokumente beschreiben nicht nur die sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit, sondern geben zugleich den Rahmen für den langfristigen Aufwuchs der Bundeswehr sowie ihre konsequente Ausrichtung auf die Landes- und Bündnisverteidigung vor. Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Bündnispartnern glaubwürdig abzuschrecken, unsere Verteidigungsfähigkeit nachhaltig zu stärken und die Bundeswehr zukunftsfähig aufzustellen.

BMVg und Bundeswehr richten sich neu aus

Diese strategische Neuausrichtung betrifft sämtliche Bereiche der Bundeswehr. Sie verlangt leistungsfähige Fähigkeiten in allen Dimensionen, resiliente Strukturen sowie ein enges Zusammenwirken militärischer und ziviler Akteure. Gerade der Sanitätsdienst der Bundeswehr nimmt hierbei eine Schlüsselrolle ein. Eine leistungsfähige sanitätsdienstliche Versorgung ist weit mehr als eine Unterstützungsleistung. Sie ist wesentliche Voraussetzung für Einsatzbereitschaft, Durchhaltefähigkeit und damit für die Glaubwürdigkeit unserer Verteidigungsfähigkeit.

Die Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verdeutlichen eindrucksvoll, dass die medizinische Versorgung im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung unter völlig anderen Rahmenbedingungen erfolgen muss als während der vergangenen Jahrzehnte des internationalen Krisenmanagements. Planungen gehen davon aus, dass im Konfliktfall täglich bis zu eintausend Soldaten in Deutschland medizinisch versorgt werden müssen.

Gleichzeitig sind auch zivile Gesundheitsstrukturen gefordert, etwa bei der Versorgung weiterer Patientengruppen oder der Aufrechterhaltung der allgemeinen Gesundheitsversorgung. Daraus wird deutlich: Eine belastbare Gesundheitsversorgung ist nicht nur Voraussetzung für die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte, sondern zugleich ein wesentlicher Bestandteil der gesamtstaatlichen Resilienz.

Vor diesem Hintergrund wird die Gesundheitsversorgung konsequent an den Anforderungen von Frieden, Krise und Krieg ausgerichtet. Ziel ist ein leistungsfähiges, belastbares und flexibel skalierbares Versorgungssystem, das militärische und zivile Gesundheitsstrukturen eng miteinander verzahnt. Hierfür werden die erforderlichen organisatorischen, strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen kontinuierlich weiterentwickelt.

Für das BMVg gewinnen auch moderne Technologien, digitale Verfahren, telemedizinische Anwendungen, eine leistungsfähige Sanitätsmateriallogistik und ein an der Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichteter Gesundheitsschutz zunehmend an Bedeutung. Innovation ist dabei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung dafür, medizinische Versorgung auch unter den Bedingungen eines hochintensiven Konflikts schnell, wirksam und resilient sicherzustellen.

Die Artikel in der Ausgabe Wehrmedizin und Wehrpharmazie 03/2026 greifen diese strategischen Handlungsfelder gezielt auf und zeigen, wie die Unterabteilung III der Hauptabteilung Streitkräfte im BMVg die Transformation des Sanitätsdienstes aktiv gestaltet.

Die Beiträge verdeutlichen, wie mit der Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung und der Schaffung geeigneter rechtlicher sowie struktureller Rahmenbedingungen die Voraussetzungen für eine leistungsfähige medizinische Versorgung in Frieden, Krise und Krieg geschaffen werden. Sie zeigen darüber hinaus auf, wie die strategische Neuausrichtung der Sanitätsmateriallogistik einen wesentlichen Beitrag zur Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte leistet und welche Bedeutung dem Gesundheitsschutz und der Gesundheitsförderung zur Unterstützung der Einsatzbereitschaft zukommt.

Ebenso wird deutlich, dass Einsatzbereitschaft nicht allein auf materiellen und organisatorischen Fähigkeiten beruht. Psychosoziale Unterstützungsangebote, eine verantwortungsvolle
Veteranenpolitik sowie das engverzahnte Zusammenwirken von Psychologischem Dienst, Sozialdienst, Militärseelsorge und Sanitätsdienst leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur mentalen Resilienz unserer Soldaten sowie zum Erhalt der personellen Einsatzbereitschaft.

Die Beiträge verdeutlichen eindrucksvoll, dass die Weiterentwicklung des Sanitätsdienstes nur in einem ganzheitlichen Ansatz gelingen kann, der medizinische, logistische, personelle und gesellschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt und eng mit den zivilen Partnern verzahnt. Wir müssen jetzt die strategischen Rahmenbedingungen für einen leistungsfähigen, resilienten und zukunftsfähigen Sanitätsdienst der Bundeswehr weiterentwickeln. Die Unterabteilung Streitkräfte III leistet einen unmittelbaren Beitrag zur Einsatz- und Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr sowie zur gesamtstaatlichen Sicherheits- und Daseinsvorsorge.

Verfasser

Generalarzt Dr. Jörg Ahrens
BMVg SK III
Stauffenbergstr. 18
10785 Berlin

Wehrmedizin und Wehrpharmazie 03/2026

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