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Gesundheit fördern. Sanitätsdienstliche Betreuung der Spitzensportler der Bundeswehr am Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr

Wesentlicher Teil der Spitzensportförderung der Bundeswehr ist die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldaten der Sportfördergruppen. Als zentrale Untersuchungs-, Beratungs-, Behandlungs- und Ausbildungsstelle der Bundeswehr im Bereich der Sportmedizin mit ihren Teilgebieten Prävention und Rehabilitation stellt sich das Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSportMedBw) in Warendorf auftragsgemäß den damit verbundenen besonderen fachlichen und ethischen Herausforderungen. Der Beitrag beschreibt hierbei erste Erfahrungen mit einem transdisziplinären präventivmedizinischen Betreuungsprogramm.


Bewertung isokinetischer Kraftmessung nach Kreuzbandverletzung in Beisein von Physiotherapeuten und Ärzten.
Bewertung isokinetischer Kraftmessung nach Kreuzbandverletzung in Beisein von Physiotherapeuten und Ärzten.
Foto: Bundeswehr / v. Scheven

In ihrem Ethik-Kodex setzt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) die Gesundheit und Autonomie von Sportlern an erste Stelle und betont hierbei „Verantwortung, professionelles Verhalten von Ärzten und präventive Orientierung sowie Ablehnung von unethischen Leistungsmanipulationen“. Spitzensport ist kein Gesundheitssport, bis heute sind es in der Praxis nicht die Ärzte, die im Krankheits- oder Verletzungsfall über die Teilnahme an Training und Wettkampf entscheiden, nicht selten wird diese Entscheidung dem Athleten überlassen. Die Fürsorgepflicht des Dienstherrn und der Auftrag des Sanitätsdienstes für die Gesunderhaltung von Soldaten fordert daher von Sanitätsoffizieren, die Spitzensportler der Bundeswehr betreuen, ein besonders hohes Maß an Fachexpertise, Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Erfahrung, um die im Ethik-Kodex geforderte informierte Entscheidung der betroffenen Sportler zu ermöglichen und zugleich die Fürsorge- und Begutachtungsgrundsätze im Sanitätsdienst anzuwenden. Verbindet man diese ethischen Voraussetzungen mit dem Normativ der wehrmedizinischen Versorgung von Soldaten, erfordert dies eine Abkehr von einer Compliance-orientierten Patientenführung hin zur Adhärenz und einem transdisziplinären präventiv orientierten Denken und Handeln.
Die Bundeswehr stellt als einer der größten Spitzensportförderer knapp 1.000 Förderplätze bereit. Voraussetzung hierfür ist die gemeinsame Empfehlung von Verband und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB). Die medizinische Betreuung von Spitzenathleten aus derzeit mehr als 220 Disziplinen (olympisch, nichtolympisch, militärische Spitzensportarten Militärischer Fünfkampf, Fallschirmspringen) erfordert ein Höchstmaß an sportartspezifischem, medizinischem und nicht medizinischem Wissen, Flexibilität, Schnelligkeit und Verfügbarkeit.

Dabei gilt, sich nicht nur sportart- und leistungsspezifischen Problematiken zu widmen, sondern allen Athleten in ihren jeweiligen Sportarten eine ganzheitliche Betrachtungsweise zukommen zu lassen, um zielgerichtet Überlastungsschäden und Verletzungen vorzubeugen, defizitäre Ernährung aufzudecken und psychomentale Belastungen zu erkennen, um hierdurch den Leistungsanspruch an Spitzensporttreibende mit bestmöglicher medizinischer Versorgung zu unterstützen.

Hohe Belastungen und Intensitäten in Training und Wettkampf mit resultierenden akuten und chronischen Verletzungen, suboptimale Ernährungsformen durch mangelndes Wissen oder unzureichende Zubereitungsmöglichkeiten sowie psychomentale Belastungen durch hohen Leistungsdruck und Existenzängste, bedingt durch leistungsabhängige Weiterentwicklungs- und Verpflichtungsmöglichkeiten, stellen den Praxisalltag in der medizinischen Spitzensportbetreuung dar. Hinzu kommen genderspezifische Fragestellungen wie hormonelle, kontrazeptive, trainingsphysiologische und krankheitsbezogene Untersuchungs- und Beratungsinhalte.

Auftrag ZSportMedBw

Seit dem 01.01.2019 leistet das ZSportMedBw mit seiner Abteilung A (Spitzensportmedizin) die Betreuung militärischer Angehöriger der Sportfördergruppen in allen Fragen der Heilfürsorge. Dies erfolgt insbesondere„remote“, denn die Trainingsorte sind deutschlandweit verteilt, die Wettkampforte auf nahezu dem gesamten Globus zu finden. Insgesamt erfolgt die medizinische Versorgung durch trainingsortnahe Sanitätsversorgungszentren, Verbands-, Mannschafts-, Teamärzten, Spezialambulanzen und -praxen, Bundeswehrkrankenhäuser und sportmedizinisch orientierte Fachkliniken. Die indikationsbezogene, verzugslose Sicherstellung der medizinischen Versorgung ist unser oberstes Gebot und die Koordinierung und Steuerung unser zentrales Wirken. So kontaktieren unser Spitzensportbüro täglich etwa 50-80 Spitzensportler mit diversen Anliegen, deren schnelle Bearbeitung, sorgfältige Indikationsprüfung und umfassende Dokumentation essentiell sind und sichergestellt werden muss, um bestmögliche medizinische Versorgung einerseits und eine vorschriftenkonforme Heilfürsorge und medizinische Begutachtung andererseits zu gewährleisten. Durch die zentrale truppendienstliche Unterstellung der Spitzensportler an der Sportschule der Bundeswehr (SportSBw) in Warendorf besteht im Rahmen dort stattfindender laufbahnrelevanter Lehrgänge darüber hinaus die Möglichkeit einer persönlichen vor Ort Betreuung.

Personal Health Management for Athletes

Um die Patientenautonomie zu fördern und damit die ethischen Grundsätze der Spitzensportmedizin im Praxisalltag zur Anwendung zu bringen, ist der persönliche Kontakt zu Athleten zwingende Voraussetzung. Wir haben daher unter Rückgriff auf unsere spitzensportmedizinischen, präventiven und rehabilitativen Kompetenzen und bereits für andere Patientengruppen angewendeten transdisziplinären Untersuchungs- und Beratungsprogramme die Betreuung der Spitzensportler der Bundeswehr weiterentwickelt und als Personal Health Management for Athletes (PHM-A) eingeführt. Das Programm ergänzt hierdurch unsere bewährten, in unserem Qualitätsmanagementsystem (QMS) beschriebenen PHM-Angebote für Führungskräfte und Spezialkräfte (PHM for Leaders, PHM-L; PHM for Special Forces, PHM-S).

Das Konzept verfolgt eine langfristig angelegte ganzheitliche Betreuung und Optimierung der präventivmedizinischen Fürsorge und realisiert eine auf die besonderen medizinischen Vor- und Fürsorgebedürfnisse im Spitzensport abgestimmte Beratungskompetenz. Ziel war es, dabei bewährte, im QMS bereits detailliert beschriebene diagnostische Maßnahmen, Abläufe, sowie Kommunikations- und Dokumentationsverfahren effizient und agil auf ein anderes Patientenkollektiv mit spezifischen Belastungen und Beratungsleistungen zu übertragen. Eine erste Erprobung des Konzepts erfolgte im November 2025 im Rahmen eines Laufbahnlehrganges für Spitzensportler an der SportSBw. Das auf Freiwilligkeit beruhende Angebot wurde von 17 der 25 Lehrgangsteilnehmenden in Anspruch genommen.

Neben umfangreicher apparativer Diagnostik (Ergometrie mit Laktat (Laufband, Fahrrad), Labor, Bodyplethysmographie, Hör-und Sehtest, transthorakale Echokardiografie, optional Spiroergometrie, Abdomen und Schilddrüsensonografie) wurde eine funktional orientierte Untersuchung des Bewegungssystems durchgeführt, das Angebot ernährungsmedizinischer Beratung wurde hingegen kaum angenommen. Besonderen Fokus legten wir darüber hinaus auf den Bindungsaufbau durch die Wahrnehmung der einzelnen Persönlichkeiten über die sportliche Leistungsebene hinaus – wodurch Belastungen, wie Übertraining, Motivationsschwierigkeiten, Zukunftsängste und hormonelle Funktionsstörungen nicht nur in Einzelfällen aufgedeckt werden konnten. Diese ersten Erfahrungen deuten darauf hin, dass über anlassbezogene ärztliche Konsultationen hinaus der Bedarf an einer transdisziplinären präventiv orientierten persönlichen Untersuchung und Beratung bei Sportsoldaten trotz verbandsärztlicher Betreuung hoch sein könnte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die vorgeschriebenen Kaderuntersuchungen im Spitzensport eine reine Begutachtungsleistung (Sporttauglichkeitsuntersuchung) darstellen, die eine ganzheitliche Beratungsleistung nicht ermöglichen.

Fazit

Spitzensportler der Bundeswehr sind Soldaten, die ähnlich wie Spezialkräfte höchsten körperlichen und mentalen Belastungen ausgesetzt sind. Auch in Hinblick auf die geltenden, die Patientenautonomie und Gesunderhaltung in den Vordergrund stellenden Ethikrichtlinien im Spitzensport hinaus, bedarf diese besondere Gruppe der Soldaten einer komplexen medizinischen Begleitung, die durch einen transdisziplinären Ansatz über den Leistungsgedanken hinaus die Bereiche Prävention und Rehabilitation berücksichtigt. Die ersten Erfahrungen mit dem PHM-A am ZSportMedBw deuten darauf hin, dass diesbezüglich von Seiten der Athleten ein entsprechender Bedarf geäußert wird. Als lizenzierte Untersuchungsstelle des DOSB ist es unser Ziel, unsere vorhandenen Fähigkeiten zielgerichtet weiterzuentwickeln, um eine möglichst große Anzahl von Spitzensportlern der Bundeswehr mit einem über die üblichen Kaderuntersuchungen hinausgehenden unverzichtbaren Beratungsangebot zu unterstützen. Die QMS-basierte Erstellung und praktische Nutzung von Verfahrensabläufen, Arbeitsanweisungen und Checklisten schult darüber hinaus das Verständnis für das eigene Handeln und fördert das Team-Building. Dies ist eine wichtige Grundlage für den agilen Übertrag vorhandener Fähigkeiten auf sich plötzlich verändernde Situationen, einschließlich LV/BV.

Zusammenfassung

Dem ZSportMedBw kommt als Kompetenzzentrum der sanitätsdienstlichen Versorgung der Spitzensportler der Bundeswehr eine besondere Verantwortung nicht nur für die Wiederherstellung, sondern auch für die Erhaltung ihrer Gesundheit zu. Neben der„Remote“-Betreuung in allen Heilfürsorgefragen adressiert das ZSportMedBw durch die Etablierung des PHM-A das Bedürfnis unserer Spitzensportler nach einer ganzheitlichen, präventiv und rehabilitativ orientierten Untersuchungs- und Beratungsleistung. Darüber hinaus wird durch das Einüben von im QMS der Dienststelle beschriebenen, einheitlichen und situativ auf andere Szenarien anwendbaren Verfahren ein schnelles Umschalten auf den zu erwartenden Auftrag des ZSportMedBw für die Rehabilitation Verwundeter im Szenario LV/BV ermöglicht.

Literatur bei den Verfassern

Für die Verfasser

Dr. med. Sarah Lehmann
Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr
Dr. Rau Allee 32
48231 Warendorf

 

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