Die sonografische Diagnostik liefert in der Pneumologie wertvolle Informationen als Ergänzung zur radiologischen und endoskopischen Bildgebung. Dabei bietet sie insbesondere die Möglichkeiten der bettseitigen und wiederholten Untersuchung sowie der sonografisch gesteuerten diagnostischen und therapeutischen Interventionen. Hieraus ergibt sich auch die Bedeutung im militärmedizinischen Kontext. Spezialisierte Anwendungen wie kontrastmittelverstärkter und endobronchialer Ultraschall repräsentieren die Expertise im Rahmen der pneumologischen Versorgung im Inland.
Neben der Primärdiagnostik ermöglicht die Sonografie auch jederzeit strahlungsfreie Verlaufskontrollen sowie sonografisch gestützte Biopsien.
Kontrastmittel-Sonografie (CEUS) pulmonaler Konsolidierungen
Auch die Kontrastmittel-Sonografie (Contrast Enhanced Ultrasound, CEUS) folgt den gleichen physikalischen Grundlagen wie die native Sonografie, das heißt, belüftetes Lungenparenchym ist nicht darstellbar, nur pulmonale Konsolidierungen mit Pleurakontakt können untersucht werden. Mittels CEUS kann die Perfusion pulmonaler Konsolidierungen dargestellt werden, was für die Differentialdiagnose und die Detektion von Perfusionsausfällen, wie sie bei Abszessen oder Lungeninfarkten auftreten, hilfreich ist.
Diese Diagnostik ist bisher eher spezialisierten Zentren vorbehalten. Geräteseitig sind, wie für jede Kontrastmittel-Sonografie, spezielle CEUS-Softwaremodule notwendig, die Sonografien mit niedriger Schallenergie (niedriger mechanischer Index) ermöglichen.
Endobronchialer Ultraschall (EBUS)
Die Methode des endobronchialen Ultraschalls (EBUS) wurde erstmals von Thomas Hürter und Peter Hanrath aus Aachen 1992 publiziert [4]. Zunächst stand die Lokalisierung peripherer Lungenkarzinome für die gezielte Biopsie im Vordergrund. Durch die Miniaturisierung der Technik gelang es, Ultraschallsonden zu konstruieren, die für die Passage durch den Arbeitskanal flexibler Bronchoskope geeignet waren. Damit konnte der in den Tumor führende Bronchus im Gegensatz zur Projektionsradiografie direkt identifiziert werden. Mit der Vorstellung des ersten Bronchoskops mit integriertem Ultraschall-Transducer um 2002 wurde die Punktion peribronchialer Strukturen, insbesondere mediastinaler Lymphknoten, unter sonografisch visualisierter Nadelführung möglich.
Schnell konnte sich diese Technik als mediastinales Lymphknotenstaging in der Diagnostik des Lungenkarzinoms etablieren und der Mediastinoskopie als bisherigem Standard den Rang ablaufen [6]. Als Vorteile gegenüber dem chirurgischen Eingriff erwiesen sich hier die Erreichbarkeit weiter peripher liegender Lymphknoten und die geringere Invasivität des Eingriffs [9]. Bedeutung erlangte die Technik bald auch in der Diagnostik anderer Erkrankungen, die mit mediastinaler Lymphadenopathie einhergehen, insbesondere der Sarkoidose, primär mediastinaler Lymphome und der Tuberkulose.
Die EBUS-gesteuerte Biopsie mediastinaler Lymphknoten kommt auch beim Staging extrapulmonaler Karzinome zum Einsatz, wenn ein Verdacht auf metachrone Metastasen besteht. Diese Untersuchung bietet somit eine wenig invasive Möglichkeit zur weiteren Diagnostik einer Vielzahl von malignen und benignen Erkrankungen mit Beteiligung der mediastinalen Lymphknoten. Aufgrund der Epidemiologie der Sarkoidose, mit einem Häufigkeitsgipfel von Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, ist sie aus militärmedizinischer Sicht von großer Bedeutung. Während sich die Technik des endobronchialen Ultraschalls im Verlauf nicht wesentlich verändert hat, wird mit der Entwicklung von transbronchialen Punktionszangen und Kryosonden die Entnahme größerer Biopsien angestrebt. Hierdurch wird neben der höheren Aussagekraft für die histologische Diagnostik insbesondere auch der zunehmend umfangreichen immunhistochemischen und molekularen Diagnostik des Lungenkarzinoms Rechnung getragen.
Fallvignette: Sarkoidose
Ein 24-jähriger Soldat wurde vom Rettungsdienst mit einem erstmaligen fokalen epileptischen Anfall und sekundärer Generalisierung in ein ziviles Krankenhaus verbracht. Bei unauffälligem klinischem Befund zeigten sich in der zerebralen Bildgebung lokal diffus-ödematöse Veränderungen in mehreren Hirnregionen. Als Ursachen wurden granulomatöse Veränderungen, ein ZNS-Lymphom, eine Vaskulitis und eine Infektion in Betracht gezogen. Vorrangig wurde eine Neurosarkoidose erwogen, die umfangreiche Diagnostik konnte diesen Verdacht aber nicht hinreichend erhärten. Bei CT-morphologischem Nachweis einer mediastinalen Lymphadenopathie fanden sich keine pulmonalen Veränderungen; in der bronchoalveolären Lavage (BAL) fand sich kein typisches lymphozytäres Zellbild mit erhöhtem CD4/CD8-Quotienten. Bei stabilem Zustand ohne weitere Anfallsereignisse unter der neu begonnenen antiepileptischen Therapie mit Levetiracetam wurde der Patient in das Bundeswehrkrankenhaus Berlin verlegt.
Hier erfolgte die EBUS-gesteuerte Biopsie der mediastinalen Lymphknoten ; histologisch zeigte sich eine epitheloidzellig-granulomatöse Reaktion, gut vereinbar mit einer Sarkoidose. Ein Lymphom konnte histologisch ausgeschlossen werden. Unter einer umgehend eingeleiteten hochdosierten Steroidtherapie waren die zerebralen Läsionen rückläufig, zeigten sich jedoch in der Kontroll-MRT unter Steroid-Dosisreduktion wieder progredient. Es erfolgte daraufhin die Erweiterung der immunsuppressiven Therapie um Azathioprin, das bei kompletter Remission der zerebralen Läsionen im Verlauf als Monotherapie für insgesamt 2 Jahre verordnet wurde. Bei anhaltender Remission zeigte sich nach Beendigung der Therapie in der weiteren Beobachtung über 18 Monate hinweg kein Rezidivhinweis.
Literatur
- Ackermann O, Fischer C, Grosser K, et al. S2-Leitlinie Fraktursonografie [Internet].AWMF 2023.[Letzter Zugruff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/085-003. mehr lesen
- Eisenmann S, Böhm S Ludwig M. Thoraxsonografie 2019 – Aktuelles und Ausblick. Pneumologe 2019;16:197–210. mehr lesen
- Ewig S, Höffken G, Kern WV, et al. S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie [Internet]. AWMF 2021.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-020. mehr lesen
- Hürter T, Hanrath P: Endobronchial sonography: feasibility and preliminary results. Thorax 1992 Jul;47(7):565-567. mehr lesen
- Kirkpatrick AW, Sirois M, Laupland KB, et al. Hand-held thoracic sonography for detecting post-traumatic pneumothoraces: the Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma (EFAST). J Trauma. 2004 Aug;57(2):288-295. mehr lesen
- Leitlinienprogramm Onkologie (DGK, DKH, AWMF): S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms [Internet]; AWMF 2025.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-007OL mehr lesen
- Linnemann B, Blank W, Doenst T, et al. Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie [Internet]. AWMF 2023.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002 mehr lesen
- Schnell J, Beer M, Eggeling S, et al. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax [Internet]. AWMF 2018.[Letzter Zugriff: 6. Mai 2026]; verfügbar unter https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/010-007 mehr lesen
- Sehgal I, Dhooria S, Aggarwal A, et al. Endosonography Versus Mediastinoscopy in Mediastinal Staging of Lung Cancer: Systematic Review and Meta-Analysis. Ann Thorax Surg 2016; 102(5):1747-1755. mehr lesen
Für die Verfasser
Oberfeldarzt Dr. Michael Ludwig
Klinik für Innere Medizin
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Scharnhorststr. 13
10115 Berlin
E-Mail: [email protected]
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