In der Sektion für Kardiologie und Angiologie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin werden regelmäßig Duplexsonografien der extrakraniellen, der Arm- und Beingefäße sowie der abdominellen Gefäße durchgeführt. Sowohl ambulante, zielgerichtete Fragestellungen zur Einstellungsuntersuchung von Soldaten als auch akute medizinische Untersuchungen bei arteriellen Verschlüssen oder tiefen Venenthrombosen gehören zum Leistungsspektrum der Angiologie.In diesem Artikel sollen die Möglichkeiten und Einschränkungen der Duplexsonografie im Truppenarztbereich und im Einsatz fokussiert dargestellt werden.
Duplexsonografie der arteriellen Gefäße
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird in 90 % der Fälle durch Arteriosklerose verursacht. Die Prävalenz der Erkrankung liegt bei 3–10 % [1]. Die Risikofaktoren für die Entwicklung einer pAVK sind hinlänglich bekannt; Nikotinabusus, Hypercholesterinämie und Diabetes mellitus sind jedoch auch im jüngeren Patientenkollektiv der aktiv dienenden Soldaten weit verbreitet.
Eine pAVK ohne Einschränkung der Gehstrecke wird mit der Gesundheitsziffer 46/III1 belegt und ist somit nur nach fachärztlicher Begutachtung als nicht diensteinschränkend zu beurteilen [3].
Zunächst steht die körperliche Untersuchung, die Erhebung eines Pulsstatus und die Messung des Ankle-Brachial-Index (ABI) im Vordergrund. Bei Auffälligkeiten sollte eine farbkodierte Duplexsonografie mittels Linearschallkopf erfolgen. Diese ermöglicht innerhalb kürzester Zeit die Lokalisation der Stenose bzw. des Verschlusses, die Abschätzung der Verschlusslänge sowie die Planung des möglichen therapeutischen Vorgehens [1].
Extremitätenarterien zeigen einen triphasischen Strömungsgeschwindigkeitspuls mit einem steilen Anstieg bis zur systolischen Spitzengeschwindigkeit und einem ebenso steilen Abfall bis in den spätsystolischen Bereich. Es folgt eine kurze Phase der frühdiastolisch retrograd gerichteten Strömung, gefolgt von einer mitt-spätdiastolischen erneuten antegraden Strömung mit geringer Spitzengeschwindigkeit [1]. Bei Vorliegen dieses triphasischen Flussprofils ist eine hämodynamisch relevante Stenose oder ein Verschluss ausgeschlossen.
Eine akute Extremitätenischämie erfordert eine schnelle und zielgerichtete Diagnostik. Bei arterioembolischen Gefäßverschlüssen oder bei traumatischen Verletzungen der Extremitäten, die sehr häufig Gefäßverletzungen mitbedingen, sollte die Computertomografie-Diagnostik schnell und flächendeckend verfügbar sein, sodass hier schnelle Therapiekonzepte erstellt werden können. Im sanitätsdienstlichen Kontext stellt die fokussierte farbkodierte Duplexsonografie jedoch eine herausragende Möglichkeit dar. Schnell, fokussiert, kosteneffizient und vor allem dank der Möglichkeit portabler Sonografiegeräte ist eine Untersuchung auch außerhalb von Krankenhäusern mit Maximalversorgung möglich. Sowohl im In- als auch im Ausland kann hier zielführend die Weiche für die weitere Versorgung des Traumapatienten gestellt werden.
Duplexsonografie der venösen Gefäße
Die tiefe Beinvenenthrombose ist mit einer Prävalenz von 1–2 Fällen pro 1 000 Personen und Jahr sehr häufig. Am häufigsten sind Thrombosen in der Unterschenkelregion lokalisiert [4]. Typische auslösende Faktoren sind längere Immobilisation, Traumatisierung des Gefäßes, hämatologische oder neoplastische Erkrankungen. Da bei 10–30 % aller tiefen Venenthrombosen eine Lungenarterienembolie resultiert, ist eine rasche Diagnostik bei typischer Klinik und positivem Wells-Score elementar.
Für den präklinischen Diagnostikpfad ist die Kompressionssonografie ein wirksames diagnostisches Instrument. Hier lässt sich eine echoreich gefüllte Vene bzw. Venenabschnitt und unter Zuhilfenahme des Farbdopplers auch eine Teilthrombosierung darstellen. [1]
Für die truppenärztliche Praxis
In der truppenärztlichen Praxis ist bei einseitigen Beinschmerzen differenzialdiagnostisch der Ausschluss einer tiefen Beinvenenthrombose häufig notwendig. Als Point-of-Care-Untersuchung stellt die Kompressionssonografie eine gute Möglichkeit zur schnellen Diagnose dar. In Zweifelsfällen kann mittels subkutaner Antikoagulation auch vorübergehend behandelt werden, bis eine vollständige Untersuchung in einem Facharztzentrum oder Bundeswehrkrankenhaus stattfinden kann. Auch zur Verlaufskontrolle und Beurteilung eines postthrombotischen Syndroms gilt die Sonografie als Goldstandard. Diese sollte jedoch bei oftmals aufwendigen Untersuchungsbedingungen und komplexen Venenverhältnissen in die Hände von mit der Untersuchungsmethode vertrauten Fachärzten übergeben werden.
Literatur
- Amann-Vesti B., Thalhammer C., Huck K.: Kursbuch Doppler- und Duplexsonografie. Georg Thieme Verlag Stuttgart; 3. Auflage 2012
- Behrendt, C., Grözinger, G., Huppert, P. et al. S3 Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit [Internet].Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.2023.[Letzter Zugriff 13. Mai 2026]; verfügbar unter: https://doi.org/10.1024/0301-1526/a001171 mehr lesen
- Bundesministerium der Verteidigung. Gesundheitsziffern und Anforderunggssymbole (ARD-831\0-4000c ) [Internet]. BMVg 2024.[Letzter Aufruf 13. Mai 2026]; verfügbar unter: https://fragdenstaat.de/anfrage/ard-831-0-4000c/ mehr lesen
- Cissarek T., Gray W., Zeller T.: Gefäßmedizin Therapie und Praxis. ABW Wissenschaftsverlag Berlin; 2. Auflage 2013
- Linnemann, B., Blank, W., Doenst, T. et al S2k Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie – S2k Leitlinie [Internet]. AWMF 2023.[Letzter Zugriff 13. Mai 2026]; verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. mehr lesen
Verfasserin
Oberfeldarzt Anne Lorang
Klinik für Innere Medizin
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Scharnhorststr. 13
10115 Berlin
E-Mail: [email protected]
Wehrmedizinische Monatsschrift 7-8/2026
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![Abb. 2: Diagnosealgorithmus bei Verdacht auf eine tiefe Beinvenenthrombose (Erstereignis) unter Anwendung limitierter Ultraschallprotokolle (point-of-care-Ultraschall, POCUS) (Abbildung aus [5])](https://military-medicine.com/wp-content/uploads/Lorang-Abb-2.jpg)
![Abb. 3: Ultraschallstrategien bei Thromboseverdacht (Abbildung aus [5])](https://military-medicine.com/wp-content/uploads/Lorang-Abb-3.jpg)






