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20 Jahre Fachbereich Tropenmedizin – „Kann man machen…Soll man auch?“

Der Fachbereich Tropenmedizin – Entwicklung, Aufgaben und Schwerpunkte

Der Fachbereich Tropenmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg wurde 2005 gegründet und besteht seit Januar 2006 in enger Kooperation mit dem Bernhard-Nocht-Institut sowie dem Universitätsklinikum Eppendorf. Die Abteilung bietet Weiterbildung, Forschung und klinische Versorgung rund um tropische Erkrankungen wie Malaria, Dengue-Fieber und Leishmaniose sowie Reiseberatung, Impfungen und Prophylaxe. Trotz seiner Seltenheit bleibt das Fachgebiet relevant, da globale Mobilität und Klimawandel die Verbreitung von Erregern begünstigen. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr trägt die Tropenmedizin, als Erweiterung der Infektiologie, zur Sicherung und zur Resilienz der Einsatzfähigkeit bei. Sie umfasst spezielle Präventionsmaßnahmen wie Vektorerkennung und -kontrolle, frühzeitige klinische Diagnostik sowie Erfahrung im Umgang mit hochgefährlichen Infektionen.

Rückenansicht einer Person mit großflächiger Hautrötung und einer hellen, handförmigen Aussparung infolge von UV-Strahlung
Abb. 2: Typisches Dengue-Exanthem mit positivem Dermographismus
Foto: Bundeswehr / D. Wiemer

Einleitung und historischer Rückblick

Der Fachbereich Tropenmedizin (FbTropMed) des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg am Bernhard-Nocht-­Institut (BNI) wurde auf Basis eines Kooperationsvertrags zwischen dem BNI und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr gegründet und arbeitet seit 20 Jahren in Kooperation mit seinen Partnern. Mit der Gründung übernahm das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) als zweiter Kooperationspartner die klinische Patientenversorgung – einschließlich der Ambulanzen und der stationären Betreuung.

Die Wurzeln des FbTropMed liegen in einer Abteilung des Schifffahrtmedizinischen Instituts der Marine, die sich bereits zuvor intensiv mit tropenmedizinischen Fragestellungen auseinandersetzte. Der Schwerpunkt lag insbesondere auf dem sogenannten „Barrier Nursing“, einer Methode des Infektionsschutzes durch gezielte Isola­tionsmaßnahmen.

Seit 2006 arbeitet der Fachbereich Tropenmedizin eng mit dem BNI und dem UKE zusammen. Das Aufgabenfeld umfasst die Weiterbildung im Bereich der Tropenmedizin, die Vermittlung relevanter Lehrinhalte aller Teilbereiche, die Forschung zur Diagnostik tropischer Krankheitserreger sowie die klinische Versorgung von Personen mit potenziellen tropenmedizinischen Krankheitsbildern.

Im folgenden Beitrag sollen die Entwicklung der tropenmedizinischen Expertise im Sanitätsdienst der Bundeswehr sowie ihre fortbestehende Bedeutung, insbesondere auch im Hinblick auf Landes- und Bündnisverteidigung, beschrieben werden.

Kurzer historischer Rückblick

Die Tropenmedizin entwickelte sich im 19. Jahrhundert als Reaktion auf die zunehmende Zahl von Kolonialisten und Missionaren in tropischen Regionen. In dieser frühen Phase lag das Hauptinteresse auf der Erhaltung der Gesundheit europäischer Reisender sowie einheimischer Arbeitskräfte und Sklaven, insbesondere zur Sicherstellung wirtschaftlicher und militärischer Interessen in den Kolonien. Auch mit diesem Teil der eigenen Geschichte setzt sich die heutige Tropenmedizin kritisch und berufsgruppenübergreifend auseinander, um die Weiterentwicklung eindeutig wertebasiert zu gewährleisten [1].

Heutzutage nimmt die Tropenmedizin außerhalb der klassischen Tropen- und Subtropenzonen vornehmlich die Rolle der sogenannten „Reiserückkehrermedizin“ ein. Der Schwerpunkt liegt hier auf der medizinischen Betreuung von Personen nach Aufenthalten in tropischen Regionen. Darüber hinaus findet tropenmedizinisches Fachwissen in begrenztem Umfang auch im Bereich der „Migrantenmedizin“ Anwendung, um gezielt auf die gesundheitlichen Bedürfnisse von Einwanderern aus tropischen Ländern einzugehen.

Die Mehrheit der Reiserückkehrenden ist nur selten von typischen Tropenkrankheiten betroffen. Dies ist überwiegend darauf zurückzuführen, dass es sich meist um Kurzzeitreisende handelt, die vor Reiseantritt entsprechende Impfungen erhalten und über präventive Maßnahmen wie die Malariaprophylaxe umfassend beraten werden. Somit besteht ein effektiver Schutz vor den häufigsten tropischen Infektionskrankheiten.

Das Aufgabenfeld der Tropenmedizin geht jedoch über die reine Versorgung von Reiserückkehrern hinaus und umfasst vielfältige Aspekte, die im Rahmen der globalen Gesundheitsversorgung und der Prävention erheblich von Bedeutung sind.

Tropenmedizin im Kontext von Klimawandel und globaler Mobilität

Im 21. Jahrhundert ist die Tropenmedizin ein interdisziplinäres und querschnittsorientiertes Fachgebiet. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Diagnose, Prävention und Kontrolle von Krankheiten, deren Auftreten durch geografische, soziale, ökologische und ökonomische Bedingungen in tropischen und subtropischen Regionen beeinflusst wird. Die globale Bedeutung der Tropenmedizin nimmt kontinuierlich zu.

Der „One Health“-Ansatz unterstreicht die komplexe Vernetzung verschiedener Gesundheitsrisiken, darunter zoonotische Erkrankungen, Antibiotikaresistenzen, Lebensmittelsicherheit, Umweltbelastungen sowie die Folgen des Klimawandels. Diese ganzheitliche Perspektive gewinnt in der Tropenmedizin zunehmend an Relevanz und bestimmt deren zukünftige Entwicklung [2].

Der fortschreitende Klimawandel führt zu einer Ausweitung der Verbreitungsgebiete zahlreicher Vektoren. Exemplarisch ist die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die inzwischen auch in Deutschland nachgewiesen wurde (Abbildung 1). Daraus resultiert, dass Krankheitsbilder, die bislang überwiegend in tropischen Regionen auftraten, nun verstärkt auch in gemäßigten Breiten beobachtet oder erneut auftreten.

Asiatische Tigermücke auf menschlicher Haut neben einer ECDC-Karte zur geografischen Verbreitung der Insektenart in Europa
Abb. 1:Links: Aedes albopictus Rechts: Verbreitung vonAedes albopictus im Juni 2025
Foto: Bildquelle links: Adobe; Quelle rechts: European Centre for Disease Prevention and Control and European Food Safety Authority. Mosquito maps [internet]. Stockholm: ECDC; 2025. Available from: https://ecdc.europa.eu/en/disease-vectors/surveillance-and-disease-data/mosquito-maps)

Ein weiterer Einflussfaktor ist die globale Mobilität. Hierdurch werden Chikungunya- und Dengue-Viren (Abbildung 2) in Gebiete mit empfänglichen Mückenpopulationen eingeführt, etwa in Italien, Frankreich und Spanien. In den Sommermonaten treten dort lokale Übertragungen auf, unter anderem am Gardasee und im Elsass; Malaria wurde ebenfalls nach Italien importiert und führte zu kurzzeitigen autochthonen Übertragungsketten.

Die Einschleppung und Etablierung von Erregern betreffen nicht ausschließlich Viren: Schistosoma haematobium wurde vermutlich aus dem Senegal nach Korsika eingeschleppt. Dort erfolgte eine Hybridisierung mit der heimischen Art S. bovis, wodurch eine Form der humanpathogenen Schistosomiasis entstand, die bereits zahlreiche Erkrankungsfälle verursachte (Abbildung 3) [3].

 

Zweigeteilte Abbildung mit Personen an einer natürlichen Flussbadestelle und einer medizinischen Illustration des Pärchenegels Schistosoma
Abb. 3: Links: Region des Cavu-Flusses in Korsika; hier erfolgten die Infektionen mit Schistosomen (Bildquelle: Adobe). Rechts: Adulte Form der sog. Pärchenegel (Schistosoma spp.)
Foto: KI, Adobe

Der Klimawandel schafft insgesamt günstigere Voraussetzungen für das Überleben und die Verbreitung von Pathogenen. Das Krim-Kongo-hämorrhagische-Fieber-Virus ist mittlerweile in Spanien etabliert. Weitere relevante Beispiele für die Expansion tropenassoziierter Erkrankungen sind die europaweite Zunahme der Babesiose sowie das gehäufte Auftreten des West-Nil-Virus in Deutschland (Abbildung 4).

Mikroskopische Aufnahme von parasitierten roten Blutkörperchen neben einer Zecke als Überträger von Krankheitserregern
Abb. 4: Links: Babesien im Blutausstrich (Bildquelle: Wagelöhner) Rechts: Dermacentor reticulatus, Auwaldzecke, Überträger der Babesiose
Foto: Adobe

Reisesprechstunden

Erfahrungen in der Reiserückkehrer – und tropendermatologischen Sprechstunde

Die kontinuierliche Mitarbeit in der Reiserückkehrersprechstunde hat bei den beteiligten Kolleginnen und Kollegen ein tiefgehendes Verständnis für die vielfältigen Erscheinungsformen und die unterschiedliche Häufigkeit von in den Tropen erworbenen Erkrankungen geschaffen. Die routinierte Anwendung gängiger Diagnose- und Therapieverfahren sowie die sorgfältige Differenzialdiagnostik sind zentrale Bausteine einer hochwertigen Betreuung.

Besonders herausfordernde und lehrreiche Fälle wie die schwere Malaria bei Patientinnen und Patienten mit Asplenie, klinische Manifestationen des Chikungunya-Fiebers, viszerale Leishmaniose, Taenieninfektionen oder Muskelsarkozystose bereichern den klinischen Alltag. Nachdem häufigere Erkrankungen wie Malaria, Dengue-Fieber, Bilharziose, afrikanisches Zeckenbissfieber und Lambliasis zur Routine geworden sind, führen diese besonderen Diagnosen regelmäßig zu einem regen Wissensaustausch im Team.

Auch in der tropendermatologischen Sprechstunde sind bestimmte Diagnosen fester Bestandteil des Praxisalltags. Die kutane Leishmaniose gehört zum „täglichen Brot“ der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Wenn auch selten, tritt darüber hinaus auch Lepra regelmäßig als Diagnose auf und rundet das breite Spektrum tropendermatologischer Erkrankungen ab.

Aktuelle Impf- und Prophylaxemaßnahmen in der Reisesprechstunde

In der Reisesprechstunde werden die neuesten Empfehlungen zu Impf- und Prophylaxemaßnahmen praxisnah auf eine Vielzahl unterschiedlicher Patientinnen und Patienten angewendet. Die individuelle Beratung erfolgt stets unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und Leitlinien.

Der direkte und kontinuierliche Austausch mit Tropenmedizinern des UKE ist ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit. Hier werden relevante Daten zu Impfempfehlungen und -indikationen diskutiert, um eine bestmögliche präventivmedizinische Versorgung sicherzustellen. Die Einführung neuer Impfstoffe erfolgt unter sorgfältiger Beobachtung der Nebenwirkungsprofile, der Akzeptanz und der Verträglichkeit, sodass der Kenntnisstand zu Impfungen und Prophylaxemaßnahmen fortlaufend aktuell bleibt und den Patientinnen und Patienten eine optimale Betreuung geboten werden kann.

So wurden in den vergangenen 20 Jahren Zehntausende von Patienten behandelt und über Hunderttausende von Reiseberatungen sowie Impfungen durchgeführt. Es entstand ein schlagkräftiger kleiner Pool an Expertinnen und Experten, bestehend aus Ärzten und nicht-ärztlichem Assistenzpersonal. Diese Expertengruppe stellt sicher, dass Beratung und Behandlung stets auf dem neuesten Stand erfolgen und alle relevanten Aspekte abgedeckt werden.

Trotzdem stellt sich immer wieder die Frage, ob der Aufwand zur Bereitstellung dieser Expertise gerechtfertigt ist, wenn es sich vorrangig um seltene und exotische Erkrankungen handelt, die im breiten Spektrum militärmedizinischer Herausforderungen eine vermeintlich untergeordnete Rolle spielen.

Tropenmedizin bleibt relevant für die Wehrmedizin

Wenn man die Tropenmedizin als eine spezialisierte, global und ökologisch erweiterte Form der Infektionsmedizin beschreibt, zeigen diese Beschreibungen der Veränderungen von Vektoren- und Erregerlandschaften, wie wichtig die Tropenmedizin auch außerhalb der Tropen ist.

Mit der aktuellen Schwerpunktverlagerung der Bundeswehr vom internationalen Krisenmanagement (IKM) hin zur Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) könnte man zunächst annehmen, dass Erkrankungen, die typischerweise in anderen Klimazonen auftreten, für die medizinische Versorgung der Soldatinnen und Soldaten an Bedeutung verlieren. Dieser Eindruck täuscht jedoch.

Die Frage nach der Notwendigkeit tropenmedizinischer Fachkompetenz in der Militärmedizin lässt sich auf verschiedene Aspekte zurückführen. Tropenmedizinische Expertise trägt maßgeblich zur Sicherung der Einsatzfähigkeit der Soldatinnen und Soldaten bei, indem sie infektionsbedingte Ausfälle minimiert und präventive Schutzmaßnahmen plant. Darüber hinaus bereitet sie auf globale und regionale Gesundheitsbedrohungen vor, unterstützt humanitäre Missionen und übernimmt auch Aufgaben im Rahmen der sicherheitspolitischen Resi­lienz.

Diese Aufgaben werden im Rahmen des Force Health Protection-Konzepts umgesetzt. Dabei arbeiten verschiedene Disziplinen wie Public Health, Hygiene, Mikrobiologie, Veterinärmedizin, Humanmedizin, Entomologie und Epidemiologie zusammen. Durch die gemeinsame Erhebung und Bewertung von Daten werden Maßnahmen entwickelt, die die Kampf- und Einsatzfähigkeit der Truppe gewährleisten. Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich in einer vergleichsweise niedrigen Erkrankungsrate unter den Soldaten, gemessen an deren Zahl und der kumulativen Expositionsdauer [5]. Aus dieser Perspektive erscheint eine klinisch tätige, individualmedizinische tropenmedizinische Expertise zunächst nicht zwingend erforderlich.

Bedeutung der Früherkennung

Es ist jedoch zu beachten, dass erforderliche Daten nur dann erfasst werden können, wenn sie als solche erkannt und als relevant eingestuft werden. Jeder Public-Health-Ansatz beginnt beim einzelnen erkrankten Individuum und bei der Erkenntnis, dass ein gesundheitliches Problem oder eine Gefährdung besteht. Wenn sich die Tropenmedizin lediglich auf theoretische Aspekte und Diagnostik beschränkt, entsteht eine Fähigkeitslücke beim Erkennen und Behandeln konkreter Fälle. Deshalb ist es notwendig, auch die klinische Beurteilung, die gezielte und kostengünstige Diagnostik, die Beobachtung epidemiologischer Zusammenhänge sowie vor allem die Betreuung und Behandlung erkrankter Personen sicherzustellen [6].

Ausgebildete Tropenmediziner bringen Erfahrungen mit medizinischer Versorgung unter begrenzten Ressourcen, in unterschiedlichen sozialen Settings und Kulturen mit. Sie sind mit ausgeprägten Formen von HIV und Tuberkulose vertraut und kennen die gravierenden Folgen der Ausbrüche von Durchfallerkrankungen im Zusammenhang mit Armut, Krieg und Unterernährung.

Resilienz im Konfliktfall

Mit zunehmender Intensität eines Konflikts werden Präventionsmaßnahmen aufgrund begrenzter Ressourcen nicht immer konsequent umgesetzt werden können. Die Unterstützung mit Personal und Material aus anderen, auch zivilen Quellen, wird abnehmen, sodass neben der Versorgung von Verwundeten auch mit einem wachsenden Anteil an individuellen Patienten mit Infektions­krankheiten gerechnet werden muss. Ausbrüche von Krankheiten oder die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung spielen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Rolle [4].

Eine frühzeitige Erkennung und Einordnung von Krankheitssymptomen sowie das Bewusstsein dafür, wann medizinische Behandlung oder Schutzmaßnahmen erforderlich sind, sind entscheidend für den Verlauf und das Ausmaß der Schäden.

Diese Fähigkeiten haben direkte Auswirkungen auf die Resilienz im Konfliktfall. Im Gegensatz zur Traumaversorgungskette können Soldaten mit Infektionskrankheiten bei schneller Diagnose und Therapie rasch wieder eingesetzt werden; eine Rückführung ist oft nicht nötig. Es sind zahlreiche Situationen vorstellbar, in denen dann zusätzliche tropenmedizinische Expertise gefordert ist:

Im individuellen Kontext:

  • Schwere Verläufe von Infektionskrankheiten, die eine intensivmedizinische Versorgung bedingen, etwa Malaria, Typhus, Pest sowie alle Formen viraler hämorrhagischer Fieber.

Im Kontext von individueller und öffentlicher Gesundheit:

  • Ausbrüche infolge unzureichender Hygienemaßnahmen oder erhöhter Vektorenpräsenz,
  • Auftreten hochkontagiöser Infektionskrankheiten (HCID), bei denen Barrierepflege erforderlich ist, sowie
  • ungewöhnliche Krankheitshäufungen durch gezielte Freisetzung biologischer Agenzien, wie Pocken oder Anthrax.

Ausblick

Der Fachbereich Tropenmedizin wird auch zukünftig seine Aufgabe erfüllen und die notwendige tropenmedizinische Kompetenz in enger Zusammenarbeit mit zivilen Kooperationspartnern bereitstellen. Durch diese Kooperation wird gewährleistet, dass jeder Soldat optimal geschützt wird und im Falle einer Erkrankung eine adäquate und wirksame medizinische Behandlung erhält. Die in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaute Expertise, auch im Umgang mit sogenannten hochgefährlichen Infektionskrankheiten wie Ebola, ist dabei von besonderer Bedeutung. Dieses Wissen und die Praxiserfahrung werden auch künftig gezielt in das Management von CBRN-Lagen (chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrenlagen) eingebracht, um die Einsatzbereitschaft und Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten nachhaltig zu stärken.


Kernaussagen

  • Der Fachbereich Tropenmedizin besteht seit 20 Jahren und kooperiert zivil-militärisch mit dem Bernhard-Nocht-Institut und dem UKE.
  • Zu seinen Aufgaben zählen Aus- und Weiterbildung, Forschung und klinische Versorgung rund um tropische Krankheiten sowie Reiseberatung und Impfungen.
  • Durch die Reiserückkehrer- und tropenderma­tologische Sprechstunde konnten umfangreiche Erfahrungen und Expertise zu seltenen Tropenerkrankungen gesammelt werden.
  • Tropenmedizin, als querschnittliches und interdisziplinäres Fach, bleibt durch globale Mobilität und den Klimawandel auch außerhalb der Tropen relevant.
  • Tropenmedizin in Form einer spezialisierten, um globale und ökologische Aspekte erweiterten Infektionsmedizin ist in der Wehrmedizin unerlässlich für die Sicherung und den Erhalt der Einsatzfähigkeit.

Literatur

  1. Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Überblick über die Geschichte des Instituts [Internet]. BNITM 2026; [Letzter Zugriff: 14. Juni 2026]; verfügbar unter https://www.bnitm.de/institut/ueber-uns/geschichte. mehr lesen
  2. Brattig NW, Graf A, Konou A, et al.: More than seven decades of Acta Tropica: Looking back to move into the future. Acta Trop. 2022 Feb;226:106155. mehr lesen
  3. Holtfreter MC, Moné H, Müller-Stöver I, Mouahid G, Richter J. Schistosoma haematobium infections acquired in Corsica, France, August 2013. Euro Surveill. 2014 Jun 5;19(22):20821. mehr lesen
  4. Izaguirre, M.K., Cox, E. Lodi, P.C. et al.: To conserve fighting strengths in large scale combat operations. Military Review [Internet]. Army University Press 2026; [Letzter Zugriff 13. Juni 2026]; verfügbar unter https://www.armyupress.army.mil/journals/military-review/online-exclusive/2025-ole/conserve-fighting-strength-in-lsco/ mehr lesen
  5. Schawaller M, Wiemer D, Hagen RM, Frickmann H.: Infectious diseases in German military personnel after predominantly tropical deployments: a retrospective assessment over 13 years. BMJ Mil Health. 2023 Apr;169(2):146-151. mehr lesen
  6. Wiemer D., Frickmann H., Savini H. “Infectious Epidemic Diseases on the Battlefield” in: Hoitz,J., Bricknell M. and Smiljanic, A. 2025. Handbook of military Medicine for the Battlefield. Meckenhaim 2025: CPM Verlag.

Manuskriptdaten

Verfasserin

Oberfeldarzt Dr. Dorothea Wiemer
Fachbereich Tropenmedizin und Infektiologie
Klinik für Innere Medizin
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Außenstelle Bernhard-Nocht-Institut
Bernhard-Nocht Str. 74
20359 Hamburg
E-Mail: [email protected]

Wehrmedizinische Monatsschrift 09/2026

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