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U.S. Army simuliert menschliches Gewebe zur Weiterentwicklung von Schutzausrüstung

Wissenschaftler der U.S. Army bilden Haut- und Knochengewebe nach, um die Auswirkungen von Strahlung zu untersuchen; dies dient der Entwicklung fortschrittlicher Schutzausrüstung zur Erhöhung der Sicherheit von Soldaten.

Biomedizintechnikerin Ella Willetts gießt im Labor Gelatine in ein mit Sensoren bestücktes transparentes Kopfmodell zur Simulation
Die Biomedizintechnikerin Ella Willetts gießt eine speziell formulierte Gelatine – welche die elektrischen Eigenschaften von Haut und Gehirn nachahmt – um die im Modell eingebetteten Sensoren herum
Foto: Jenna Swartout

Elektromagnetische Strahlung von Systemen wie Radar- und Kommunikationsnetzwerken kann für den menschlichen Körper – und insbesondere für das Nervensystem – schädlich sein. Um die möglichen Auswirkungen einer solchen Strahlenbelastung auf den Menschen zu verstehen, müssen Forscher empirisch ermitteln, wie die Strahlung in das Gewebe eindringt, ohne dabei auf lebendes Gewebe zurückgreifen zu müssen.

Ein gemeinsames Projekt von Forschern des „Army Research Laboratory“ (Teil des U.S. Army Combat Capabilities Development Command, kurz DEVCOM) und studentischen Praktikanten des „Energetics Technology Center“ konzentriert sich auf die Simulation von Ersatzmaterialien. Diese Materialien bilden die elektrischen Eigenschaften von Haut, Gehirn und Knochen nach und ermöglichen so Messungen unter verschiedensten Einsatzbedingungen.

„Um die Einsatzkräfte besser zu schützen, investiert DEVCOM ARL in die Entwicklung von Modellwerkzeugen und Materialien für die neurowissenschaftliche Untersuchung von Gewebe“, sagte Dr. Dave Hairston, Neurowissenschaftler am ARL. „Durch die Entwicklung von Verfahren zur Nachbildung von menschlicher Haut, Knochen- und Nervengewebe können Wissenschaftler der Army die biologischen Auswirkungen extremer Gefahren auf dem Schlachtfeld – wie etwa Strahlenbelastung – gefahrlos analysieren. Diese Grundlagenforschung fließt direkt in die Konstruktion und Materialzusammensetzung moderner Schutzausrüstung für unsere Soldaten ein.“

Die meisten Arbeiten zur Herstellung von Gewebe-Surrogaten konzentrieren sich auf deren mechanische Eigenschaften, etwa für ballistische Tests oder Dehnungsprüfungen, so die Forscher. Die Wissenschaftler von ARL und ETC verfolgen einen neuartigen Ansatz, der die Wechselwirkung von Elektromagnetismus mit Haut oder Schädel nachbildet.

Ein 3D-gedrucktes Schädelmodell wird in einer UV-Härtungskammer von Formlabs zur Materialhärtung für wehrmedizinische Forschung nachbelichtet
Ein im Stereolithografie-Verfahren hergestelltes Schädelmodell wird in einer UV-Härtungskammer des Herstellers Formlabs nachbelichtet, um die erforderliche Materialhärte zu erreichen. Forscher des US-Armeeforschungslabors nutzen diese Technologie zur Herstellung von Modellen mit knochengewebeähnlichen Eigenschaften für wehrmedizinische Untersuchungen.

Damit die Materialien wirksam sind, müssen sie laut Hairston ähnlich wie lebendes Gewebe auf elektromagnetische Felder reagieren und vergleichbare mechanische Eigenschaften aufweisen. Daher experimentieren die Forscher mit Methoden, die es ermöglichen, verschiedene Gewebearten zu simulieren – sowohl hartes Gewebe wie Knochen als auch weiches Gewebe wie Haut oder Gehirn.

Die neuen Materialrezepturen der Forscher enthalten Stoffe, die den Wassergehalt stabilisieren und bei Raumtemperatur über Monate hinweg lagerfähig sind, ohne ihre elektrischen Eigenschaften zu verlieren.

Frühere Materialien, die auf diese Weise zur Simulation von Weichgewebe eingesetzt wurden, neigten zum Austrocknen oder erforderten Kühlung bzw. spezielle Konservierung, was Probleme hinsichtlich Lagerfähigkeit und Verwendbarkeit mit sich brachte.

Zudem besitzt natürlicher Knochen einzigartige elektromagnetische und strukturelle Eigenschaften, die sich mit Standardmaterialien wie Metallen oder Kunststoffen nur schwer nachbilden lassen.

Im Labor Flüssigkeit in eine 3D-gedruckte Form zur Nachbildung von Haut, Schädel und Gehirnschichten
Eine speziell angefertigte, im 3D-Druck hergestellte Form wird verwendet, um Haut- und Gehirnschichten zusammen mit dem Schädel zu erzeugen.
Foto: Jenna Swartout

Die Forscher lösten dieses Problem durch den Einsatz eines neuen Computerprogramms und 3D-Harzdrucks, um ein knochenähnliches Material mit präzisen, künstlichen Poren herzustellen. Indem sie diese Poren mit leitfähigen Gelen füllen, können sie die einzelnen Eigenschaften des Materials gezielt anpassen und steuern.

„Die aktuelle Forschung und Entwicklung im Bereich der elektromagnetischen Übertragung oder der biologischen Auswirkungen wird durch das Fehlen geeigneter Testvorrichtungen gebremst“, sagte Chris Sinks, Bioingenieur am ARL. „Diese Gewebe-Substitute ermöglichen schnelle, effiziente und reproduzierbare Tests der biologischen Auswirkungen sowie der sicheren Expositionsgrenzwerte für aktuelle und zukünftige Hochfrequenzsysteme, die zur Kommunikation oder Aufklärung eingesetzt werden. Zudem beschleunigen sie den Forschungsprozess und bieten präzisere und effizientere Möglichkeiten für Experimente sowie für das Verständnis sicherer Expositionsgrenzwerte.“

Die Forscher erklärten, dass diese Materialien auch zum Testen von Gesundheitsüberwachungssystemen – etwa in Hemden oder Helmen integrierten Sensoren – verwendet werden können, was einen weiteren Beitrag zur Sicherheit und Gesundheit unserer Soldaten leistet.

Weißes 3D-gedrucktes Schädelmodell neben einer geöffneten zweiteiligen Gussform für ein vollständiges Kopfmodell
Es wird ein vollständiges Kopfmodell mit integrierten Sensoren sorgfältig extrahiert. Zukünftige Arbeiten zielen darauf ab, eine realistische Porosität in das Modell zu integrieren.
Foto: Jenna Swartout

„Wir sind davon überzeugt, dass diese Arbeit nicht nur die Sicherheit unserer Soldaten erhöht, sondern auch die aller Personen, die elektromagnetische Strahlung aussendende Geräte nutzen – sei es auf dem Schlachtfeld, in der Medizintechnik, in der Telekommunikation oder im Gesundheitswesen“, sagte Hairston. „Für mich persönlich ist es sehr wichtig und erfreulich zu wissen, dass wir einen direkten Beitrag zur Sicherheit von Soldaten und Zivilisten gleichermaßen leisten.“

Der nächste Schritt in diesem Forschungsvorhaben besteht darin, die einzelnen Gewebe-Substitute zu vollständigen, mehrteiligen und realistischen Kopfmodellen zusammenzuführen, die sowohl poröse Knochenstrukturen als auch weiche Haut- und Gehirnkomponenten enthalten. Diese Gesamtmodelle werden anschließend für wissenschaftliche Tests mit verschiedenen Energieformen genutzt, um Sicherheitsgrenzwerte festzulegen und die Entwicklung einer verbesserten Schutzausrüstung für Einsatzkräfte zu unterstützen.

Das DEVCOM ARL ist das einzige Labor der U.S. Army für Grundlagenforschung und fungiert als wissenschaftliche Schnittstelle zwischen Militär, Wissenschaft und Industrie. Unter der Leitung des U.S. Army Futures and Concepts Command sowie des U.S. Army Transformation and Training Command betreibt das ARL weltweit anerkannte Forschung, um die Bereitstellung bahnbrechender, entscheidender Technologien für die Armee von morgen zu beschleunigen.

Test: Redaktion / af

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