– Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundes für den Medizinischen B-Schutz. Es befasst sich wissenschaftlich mit Infektionserregern und Toxinen, die als B-Kampfstoffe eingesetzt werden können. Dabei handelt es sich um Agenzien, die in der Natur meist selten vorkommen, aber schwere, auch tödliche, leicht übertragbare und/oder schwierig zu behandelnde Erkrankungen auslösen können. Auftrag des Instituts ist die Medizinische B-Aufklärung: Erkrankungen durch potenzielle B-Kampfstoffe bei Menschen und Tieren sollen – auch vor Ort unter Feldbedingungen – rasch erkannt, Therapieoptionen aufgezeigt und geeignete Eindämmungsmaßnahmen empfohlen werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts liegt in der anwendungs- und produktorientierten Forschung, wie z. B. der Entwicklung von Verfahren zum direkten Erregernachweis. Als Teil der Task Force Medizinischer ABC-Schutz der Bundeswehr können Rapidly Deployable Outbreak Investigation Teams (RDOIT) des IMB weltweit in kürzester Zeit verlegt werden – sogar präventiv schon beim Verdacht auf einen ungewöhnlichen Krankheitsausbruch. Kernstück ist ein modulares, schnell verlegbares Feldlabor, das bereits 2008 vom Institut konzipiert und erstmals bei einem Ausbruch des Krim-Kongo-Fiebers in Kosovo erprobt wurde. Die mobile Laboreinheit umfasst rund 25 robuste Transportkisten, Kühlgeräte und einen am IMB entwickelten, faltbaren Handschuhkasten (Glovebox) zur sicheren Bearbeitung infektiöser Proben. Dank der Einhaltung internationaler Vorgaben kann die Ausrüstung auch per Linienflugzeug in zwei Tagen ans andere Ende der Welt gebracht werden. Vor Ort bietet das Team weit mehr als nur einfache Probenahme: #Durch die Modularisierung der Laborausstattung können je nach Auftrag fachliche Beratung, forensische Probennahme und Beweissicherung (auch unter militärischer Bedrohung und in kontaminierter Umgebung) und vor allem eine Vor-Ort-Diagnostik abgebildet werden. Methoden wie Echtzeit-PCR, Sequenzierung, ELISA-Tests und Mikroskopie stehen mobil bereit. So lassen sich binnen kürzester Zeit selbst seltene Erreger oder Toxine in geringer Konzentration sicher nachweisen und ein Lagebild erstellen. Im Ernstfall arbeitet die mobile B-Aufklärung eng im Verbund mit Kräften der ABC-Abwehr und ggf. der Kampfmittelbeseitigung. Die gewonnenen Ergebnisse des Feldlabors dienen dabei als erste Entscheidungsgrundlage, ob eine biologische Gefährdung vorliegt. In München arbeitet das Hochsicherheitslabor des IMB auf Hochtouren. Die Proben aus dem Einsatz werden zur Bestätigung und weiterführenden Analyse eingeflogen. Das Institut verfügt über modernste Laboratorien der Sicherheitsstufe 3, die eine Diagnostik gefährlicher Viren (wie Ebola oder SARS-CoV-2) und Bakterien (etwa Milzbrand) erlauben. Der Zentralbereich Diagnostik des Instituts ist flexibel nach DIN EN ISO 15189 akkreditiert. Hier werden nicht nur militärische Proben untersucht – das Institut stellt sein diagnostisches Leistungsspektrum auch zivilen Gesundheitsbehörden zur Verfügung. So übernimmt es im Großraum München beispielsweise die Erstdiagnostik bei Verdacht auf importierte hochgefährliche Infektionskrankheiten und fungiert als deutsches Referenzlabor für Brucellose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Der Diagnostikbereich des IMB ist eines von bundesweit nur vier Laboren, die für die schnelle Ebolavirus-Diagnostik akkreditiert sind. In München werden Erreger zudem bioforensisch darauf untersucht, ob sie natürlich oder manipuliert sind. Diese Expertise zur Verifikation von B-Kampfstoffeinsätzen ist einzigartig und für den Fall biologischer Anschläge von unschätzbarem Wert. Mit wissenschaftlicher Präzision und modernster Technik schafft das Institut so die Grundlage, um im Ernstfall Täter zu überführen und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Die fachliche Aufstellung des IMB ist ebenso breit wie spezialisiert. Insgesamt drei wissenschaftliche Kompetenzbereiche – Bakteriologie & Toxinologie, Virologie & Intrazelluläre Erreger sowie Medizinische B-Aufklärung & Bioforensik – decken das gesamte Spektrum biologischer Bedrohungen ab. Von den besonderen Eigenschaften exotischer Seuchen über die Epidemiologie von Ausbrüchen bis hin zu Vorbeugung, Nachweis und Behandlung erforscht das Institut alle Aspekte gefährlicher Infektionserreger. Als Ressortforschungseinrichtung verfolgt es dabei einen klar anwendungsorientierten, translationalen Ansatz mit flacher Hierarchie und gelebtem agilem Projektmanagement. Im Vordergrund stehen konkrete Lösungen – etwa neue Diagnostikmethoden für den Feldeinsatz und Methoden der mikrobiellen Forensik zur Herkunftsanalyse. Viele Entwicklungen des Instituts fließen direkt als Produkte oder Dienstleistungen an die Truppe und an Partner im Gesundheitswesen zurück. Neben eigenen Vorhaben beteiligt sich das Institut an zahlreichen Drittmittelprojekten im Auftrag anderer Bundesministerien sowie der EU. Die Forschung des IMB erfolgt stets auf Augenhöhe mit zivilen Spitzeninstituten. So unterhält das Institut eine große Erregersammlung als Forschungsgrundlage und arbeitet mit internationalen Fachgremien zusammen. Erst kürzlich konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IMB in Kooperation mit dem europäischen Antibiotikaresistenz-Netzwerk EUCAST neue Therapieleitlinien für Milzbrand erarbeiten. In einer Studie mit zahlreichen Anthrax-Proben wurden neue Grenzwerte für die Resistenztestung von Bacillus anthracis abgeleitet. Diese Ergebnisse schließen eine wichtige Lücke in den Therapieempfehlungen und sind ein entscheidender Fortschritt für den Schutz von Menschen und Tieren. Wenn gefährliche Erreger auftauchen, ist das IMB zur Stelle – national wie international. Das zeigte sich eindrucksvoll in der COVID-19-Pandemie: Bereits am 27. Januar 2020 gelang es einer Forschergruppe des Instituts, erstmals in Deutschland das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 bei Patienten nachzuweisen und in Zellkultur zu isolieren. Damit stand frühzeitig ein Virus-Stamm für Forschung und Testentwicklung zur Verfügung – ein Meilenstein in der Pandemiebekämpfung. In den folgenden Monaten war das Institut ein zentraler Bestandteil der Teststrategie. In den ersten Wochen untersuchten die Teams in München mehrere hundert Proben pro Tag auf das Coronavirus. Um dieses Pensum zu bewältigen, arbeiteten sogar Spezialisten der ABC-Abwehrtruppe Seite an Seite mit den Institutsmitarbeitern im Diagnostikbereich – ein gelungenes Beispiel für kameradschaftliche Kooperation innerhalb der Bundeswehr. Auch bei anderen Gesundheitskrisen leistete das Institut Pionierarbeit: Im Mai 2022 detektierte es in München den ersten Affenpocken-Fall in Deutschland und sequenzierte binnen zwei Tagen das komplette Virusgenom. Auch dank dieser schnellen Analyse konnte der Ausbruch eng eingegrenzt und aufgeklärt werden. International machte sich das IMB schon zuvor einen Namen, als es im Rahmen der EU-Initiative „European Mobile Lab“ während der verheerenden Ebola-Epidemie 2014/15 in Westafrika half, Laborkapazitäten vor Ort bereitzustellen. Mobile Labore des IMB waren über 18 Monate in Afrika, um Ebola-Patienten schnell zu diagnostizieren und so die Seuchenausbreitung einzudämmen. Diese Kooperation rettete viele Leben und demonstrierte die Bedeutung militärischer Biolabore in der zivilen Nothilfe. Ob Ebola, COVID-19, Affenpocken oder andere Ausbrüche – stets steht das IMB als verlässlicher Partner bereit, um Expertise, Personal und Gerät einzubringen. Damit ist es ein wichtiger Baustein der nationalen und internationalen Gesundheitsvorsorge, der Lücken schließen kann, wenn zivile Strukturen überlastet sind oder spezielle Fähigkeiten erfordern. Seine Wirksamkeit entfaltet das Institut auch durch enge Vernetzung mit Partnern. Auf nationaler Ebene kooperiert es seit Langem mit führenden zivilen Einrichtungen: Bereits seit 2010 bildet das IMB gemeinsam mit der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität und dem Helmholtz Zentrum München den Standort München des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Das DZIF ist ein deutsches Exzellenznetzwerk zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Zudem arbeitet das IMB eng mit zivilen und militärischen Partnern – vom Robert Koch-Institut über Universitätskliniken bis zu internationalen Organisationen, wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seit 2013 beteiligt sich das IMB am Deutschen Biosicherheitsprogramm. Unter der Federführung des Auswärtigen Amtes initiierte Deutschland 2013 als ein Instrument der präventiven Sicherheitspolitik der Bundesregierung und im Rahmen der G7 geführten Globalen Partnerschaft gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und -materialien das Programm. Ziel der Projektarbeit im Programm ist es, die Präventions- und Reaktionsfähigkeit von Partnerländern in Osteuropa, Asien und Afrika durch gezielte Ausbildung von Fachkräften zu stärken, um biologischen Risiken besser vorzubeugen und im Ernstfall sicher reagieren zu können. Seit 2025 ist das Institut, gemeinsam mit dem RKI und Laboratorien aus Schweden und Portugal, Teil eines neuen EU-Referenzlabornetzwerks für gefährliche bakterielle Erreger des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Auch an der Erarbeitung von WHO-Standards für mobile Labore ist das Institut beteiligt. Neben der Forschung gehört die Ausbildung zu den zentralen Aufgaben: Das Institut vertritt das Fachgebiet Medizinischer B-Schutz in Lehrgängen an der Sanitätsakademie der Bundeswehr und qualifiziert dort Sanitätsoffiziere und Notfallsanitäter. Viele wissenschaftliche Mitarbeitende lehren zugleich an Universitäten – vor allem an den Münchner Hochschulen. Durch diese Verzahnung fließen neueste Erkenntnisse direkt in die Ausbildung des Nachwuchses ein, sowohl militärisch als auch zivil. Schließlich kommt all dies der einsatzmedizinischen Versorgung unmittelbar zugute: Die Bundeswehr kann dank des IMB sicher sein, dass ihre Soldatinnen und Soldaten vor biologischen Gefahren geschützt sind und im Ernstfall schnell die bestmögliche Behandlung erhalten. Ob im Auslandseinsatz oder bei der Amtshilfe im Inland – die Kombination aus Forschung, Einsatzfähigkeit und Verantwortung macht das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr zu einer einzigartigen Einrichtung. Mit Hightech-Laboren und hochqualifiziertem Personal schützt es die Truppe und stützt zugleich die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Damit ist das IMB ein unverzichtbarer Pfeiler der biologischen Sicherheit – in Deutschland und weit darüber hinaus. Aus Wehrmedizin und Wehrpharmazie 4/2025 Für die Verfasser:
Mobiles B-Labor: Hightech für den Ernstfall
Spezialdiagnostik und Bioforensik in München
Breites Kompetenzspektrum und Forschung
Im Einsatz für die Gesundheitsvorsorge – von COVID-19 bis Ebola
Vernetzung, Ausbildung und einsatzmedizinische Bedeutung

Oberstarzt Prof. Dr. Roman Wölfel
Leiter
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Neuherbergstraße 11
80937 München
Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundes für den Medizinischen B-Schutz. Es befasst sich wissenschaftlich mit Infektionserregern und Toxinen, die als B-Kampfstoffe eingesetzt werden können. Dabei handelt es sich um Agenzien, die in der Natur meist selten vorkommen, aber schwere, auch tödliche, leicht übertragbare und/oder schwierig zu behandelnde Erkrankungen auslösen können.
Auftrag des Instituts ist die Medizinische B-Aufklärung: Erkrankungen durch potenzielle B-Kampfstoffe bei Menschen und Tieren sollen – auch vor Ort unter Feldbedingungen – rasch erkannt, Therapieoptionen aufgezeigt und geeignete Eindämmungsmaßnahmen empfohlen werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Instituts liegt in der anwendungs- und produktorientierten Forschung, wie z. B. der Entwicklung von Verfahren zum direkten Erregernachweis.









