Schnelle Diagnostik, gezielte Therapie: POCUS ist heute aus der Akut- und Notfallmedizin nicht mehr wegzudenken. Der Artikel beleuchtet bewährte Protokolle sowie aktuelle Entwicklungen für den militärischen Einsatz.
Zusammenfassung
Der Einsatz von POCUS (Point-of-Care-Ultraschall) ist mittlerweile fester Bestandteil der Patientenversorgung. Durch die Verfügbarkeit tragbarer Geräte und standardisierter Untersuchungsabläufe bietet sich ein breites und stetig wachsendes Einsatzspektrum, sowohl innerklinisch als auch prähospital.
POCUS zielt auf eine rasche Diagnostik und dementsprechend zielgerichtete Therapieentscheidungen ab, die evidenzbasiert zu einer maßgeblichen Verbesserung des Outcomes der Patientinnen und Patienten beitragen können. Mit dieser Zielstellung hat POCUS inzwischen einen großen Stellenwert, z. B. in der Akutdiagnostik bei akuter Dyspnoe, Brustschmerzen, Schock oder Trauma. Hierzu wurden auch verschiedene standardisierte, fokussierte Untersuchungsprotokolle für die Notfallsonografie wie eFAST, FEEL, RUSH oder das BLUE-Protokoll entwickelt, die in diesem Artikel jeweils kurz besprochen werden.
In einem zweiten Abschnitt sollen die Besonderheiten der Notfallsonografie im Einsatz noch expliziter herausgearbeitet sowie mögliche Herausforderungen in künftig möglichen militärischen Szenarien aufgezeigt werden. Hierzu wurde am Bundeswehrkrankenhaus Berlin von der Abteilung Anästhesie ein neuer Lehrgang zur Notfallsonografie konzipiert, der ebenfalls vorgestellt wird.
Schlüsselwörter: Point-of-Care Ultrasound, POCUS, prähospitale Anwendung, Notfalldiagnostik
Einleitung
Die Verfügbarkeit tragbarer Ultraschallgeräte und der inzwischen robust evidenzbasierte diagnostische Mehrwert der Sonografie haben dazu geführt, dass die fokussierte Sonografie (point-of-care ultrasound, POCUS) heutzutage in der Notfallmedizin sowohl inner- als auch außerklinisch als Standard etabliert ist. POCUS dient dabei direkt am Patienten zur schnelleren und effizienteren Entscheidungsfindung und verbessert damit das Patientenoutcome signifikant.
Aufgrund der Vielfalt akuter Krankheitsbilder und des hohen Zeitdrucks empfiehlt sich in der Notfallmedizin die Anwendung standardisierter Untersuchungsalgorithmen wie eFAST (extended Focused Assessment with Sonography for Trauma), FEEL (Focused Echocardiographic Evaluation in Life Support), RUSH (Rapid Ultrasound in Shock and Hypotension) oder BLUE (Bedside Lung Ultrasound in Emergency). Der vorliegende Beitrag hat zum Ziel, in der Notfallmedizin gängige Protokolle vorzustellen.
Sonografie bei militärischen Einsatzlagen
Militärmedizinisch ist POCUS bereits seit Jahren etabliert, gewinnt jedoch aufgrund der Erfahrungen aus der Ukraine bei möglichen zukünftigen Herausforderungen nochmals deutlich an Relevanz. Ein von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) und erfahrenen Sanitätsoffizieren des Bundeswehrkrankenhauses Berlin entwickeltes spezielles Curriculum „Sonografie bei militärischen Einsatzlagen“ kann den Sanitätsdienst der Bundeswehr zukunftsfähig stärken. In diesem Kurs werden die Schwerpunkte auf Notfalldiagnostik, Notfallintervention und Schmerztherapie gelegt.
Das 1816 von Laennec [8] entwickelte Stethoskop, das über 200 Jahre die medizinische Diagnostik prägte und zum Sinnbild der Ärztinnen und Ärzte wurde, wird zunehmend durch Sonografie abgelöst. Unsere wissenschaftlichen Institutionen, u. a. die Europäische Föderation der Gesellschaften für Ultraschall in Medizin und Biologie (EFSUMB), befürworten die Anwendung von POCUS mittels mobiler oder Handgeräte in der Notfallmedizin [7].
Außerklinisch sind die diagnostischen Möglichkeiten stark eingeschränkt. Neben Messung der Vitalparameter, Kapnometrie, Temperatur, Blutzuckergehalt und körperlicher Untersuchung bleibt häufig nur die kalkulierte symptomatische Therapie.
Sonografie bietet in einer Vielzahl von Fällen bereits bei der ersten Untersuchung am Patienten die Möglichkeit zur Diagnose oder zur Eingrenzung der Differenzialdiagnosen und somit zur zielgerichteten Einleitung der notwendigen Therapie [10].



BLUE-Protokoll (Bedside Lung Ultrasound in Emergency)
Identifiziert werden Hinweise auf periphere Infiltrate, mechanische Einschränkungen der Lungenexpansion, Lungenödem-/Stauung und Pneumothorax zur Differenzierung der Ursache der respiratorischen Insuffizienz mit akuter Dyspnoe (Abbildung 4). Die Untersuchung umfasst auf jeder Thoraxhälfte drei Standardschnitte:


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