CMD wird als multisystemisches Funktionssyndrom mit myofaszialen, posturalen und neurogenen Anteilen beschrieben, das bei Soldatinnen und Soldaten durch dienstspezifische Belastungen besonders relevant ist. Botulinum wirkt sowohl peripher muskelrelaxierend als auch neurochemisch analgetisch und kann zentrale Sensibilisierungsprozesse abschwächen. Gleichzeitig werden therapeutische Grenzen, mögliche strukturelle Folgen wiederholter Injektionen sowie empfohlene Therapieintervalle reflektiert.
Der Artikel stellt das Botulinum-Kompetenzzentrum des Bundeswehrkrankenhauses Berlin und dessen strukturiertes Ausbildungs- und Behandlungskonzept vor. Rechtliche Grundlagen bestätigen die zahnärztliche Anwendbarkeit von Botulinum im funktionellen Bereich, jedoch nicht in ästhetischen Indikationen. Im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzepts wird Botulinum mit Schienentherapie, Physiotherapie, Psychotraumatologie und Pharmakotherapie kombiniert. Abschließend wird die Bedeutung interdisziplinärer Versorgung hervorgehoben und ein Paradigmenwechsel in der wehrmedizinischen Schmerz- und Funktionsbehandlung gefordert.
Anzeige

Die wehrmedizinische Versorgung ist seit jeher durch komplexe Krankheitsbilder geprägt, die sich nicht allein auf rein organische Befunde zurückführen lassen, sondern in einer dynamischen Wechselwirkung zwischen körperlichen, psychischen und psychosozialen Faktoren stehen. Zu dieser Gruppe zählen orofaziale Schmerzen, Bruxismus sowie craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD). Diese Störungen treten im militärischen Kontext überdurchschnittlich häufig auf und haben im Alltag der Betroffenen eine erhebliche funktionelle und psychosoziale Relevanz .
Die im Dienst erlebten Belastungen – darunter körperliche Anstrengung, kognitive Beanspruchung, emotionale Regulation, anhaltendes Stresserleben, erhöhte Alarmbereitschaft sowie potenziell traumatische Ereignisse – beeinflussen das neuromuskuläre System in besonderem Maße und wirken sich auf die Kaumuskulatur und den craniofazialen Funktionskomplex aus. Die Verbindung zwischen psychischem Stress und erhöhter muskulärer Aktivität der Kaumuskulatur ist in der Literatur vielfach beschrieben. Die Kaumuskulatur zählt zu den sensibelsten muskulären Systemen hinsichtlich der Übertragung vegetativer Aktivierungszustände.
Die daraus resultierenden Funktionsveränderungen äußern sich nicht nur in Form nächtlicher Parafunktionen, sondern häufig als umfassendes neuromuskuläres Aktivitätsmuster, das sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand auftreten kann. Bei militärischen Patientinnen und Patienten wird dieses Muster durch dienstliche Anforderungen und belastende Einsatzbedingungen zusätzlich verstärkt. Diese Beobachtungen korrespondieren mit internationalen Konsensusdefinitionen, die Bruxismus als multifaktorielles, kontextabhängiges Aktivitätsphänomen einordnen.
Wehrmedizinische Monatsschrift WMM 3/2026: Den ausführlichen Artikel lesen Sie hier.